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Unterforderung

Boreout-Syndrom: So kann dich zu viel Langeweile krank machen

  • Aktualisiert: 23.05.2024
  • 05:00 Uhr
  • Alena Brandt
Betroffene, die unter dem Boreout-Syndrom leiden, ziehen sich häufig sozial zurück
Betroffene, die unter dem Boreout-Syndrom leiden, ziehen sich häufig sozial zurück© Wayhome Studio - stock.adobe.com

Laaaaangweilig! Du hast nichts zu tun und schlägst die Zeit tot? Das kann die Kreativität fördern und für gute Einfälle sorgen, aber auch krank machen. Was hinter dem Boreout-Syndrom steckt, wie du es bestimmen und was du dagegen unternehmen kannst.

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Das Wichtigste zum Thema Boreout

  • Der Begriff Boreout leitet sich von dem englischen Wort "boredom", übersetzt  Langeweile, ab.

  • Im Gegensatz zum Burnout, bei dem die Betroffenen sich überfordert fühlen, ähneln die Symptome eines Boreouts einer Unterforderung

  • Nichtstun ist aber auch nützlich! Kinder entdecken durch Langeweile neue Interessen. Erwachsenen fallen beim Tagträumen gute Ideen ein - das belegen Studien.

  • Anzeichen für ein Boreout: Interesselosigkeit, Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Rückzug von Freunden und Familie, Angst und Depressionen.

  • Häufig schweigen Betroffene darüber aus Angst, den Job zu verlieren. Menschen haben von Natur aus ein Bedürfnis, etwas zu schaffen und Anerkennung zu erhalten.

Inhalt

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Was ist Boreout überhaupt?

Betroffene, die sich am Arbeitsplatz gänzlich unterfordert fühlen und ihre Fähigkeiten nicht ausschöpfen, leiden nicht selten an dem sogenannten Boreout-Syndrom. Ganz anders als beim Burnout - ausgelöst durch eine Überforderung, fühlen sich Boreout-Betroffene häufig nicht gebraucht, was sogar gesundheitliche Folgen wie Angstzustände und Depressionen zur Folge haben kann. Dazu kommt, dass Personen, die unter einem Boreout leiden, häufig versuchen, nach außen nicht unterfordert zu wirken. Das kann wiederum Stress auslösen und zu einer generellen Unzufriedenheit führen.

Der Studie "Arbeiten 2023" der Pronova BKK zufolge, ist Boreout ein bekanntes Phänomen.

Anzeichen eines Boreout-Syndroms

Wenn du dich hin und wieder unterfordert fühlst, weist das nicht unbedingt auf ein Boreout hin. Im nächsten Absatz findest du einen Test, der dir dabei helfen kann, herauszufinden, ob du möglicherweise an einem Boreout leidest. 

Die am häufigsten auftretenden Symptome für ein Boreout sind:

🦥 Antriebs- und Interessenlosigkeit

😴 Schlafstörungen

🤕 Kopf- und Rückenschmerzen und Schwindelgefühl

🏁❌ Orientierungs- und Ziellosigkeit

🤐 Sozialer Rückzug

😔 Unzufriedenheit, Angstzustände bis hin zu Depressionen

Die Anzeichen können aber von Person zu Person stark variieren. Bei Verdacht ist es ratsam, eine ärztliche Meinung einzuholen.

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Der Boreout-Test

  • Fühlst du dich unterfordert und gelangweilt?
  • Täuschst du ab und zu vor, zu arbeiten, hast aber tatsächlich nichts zu tun?
  • Bist du am Abend müde und erschöpft - und weißt eigentlich nicht, wovon?
  • Bist du mit deiner Arbeit unglücklich?
  • Vermisst du einen tieferen Sinn in deiner Arbeit?
  • Kannst du die Arbeit eigentlich schneller erledigen, als du es tust?
  • Fühlst du dich zunehmend gestresst und nimmst dieses Gefühl auch mit nach Hause?
  • Hast du das Interesse an deiner Arbeit verloren?
  • Kannst du dir nur schwer vorstellen, wie du die Situation verändern könntest?
  • Sank dein Selbstwertgefühl in der letzten Zeit?
  • Bist du häufiger krank als früher?
  • Würdest du gerne etwas anderes arbeiten, scheust dich aber davor, weil ein Wechsel zu risikoreich erscheint?

Laut Coach Stefan H. G. Duwensee bist du Boreout-gefährdet, wenn du mehr als fünf der oben angegebenen Fragen mit ""Ja" beantworten kannst. 

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Boreout: Welche Therapieformen gibt es?

Da Boreout von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht als Krankheit anerkannt ist, gibt es keine Therapieformen. Ein Gespräch mit deinem oder deiner Vorgesetzten kann helfen, neue Aufgaben zu definieren und über mögliche Ziele im Beruf zu sprechen. Sollte auch das nicht helfen, solltest du möglicherweise über einen Jobwechsel nachdenken. 

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So fördert Langeweile die Kreativität

Einer Studie von US-Psychologen zufolge kann Langeweile bei einigen aber auch die Kreativität fördern. Benjamin Baird und Jonathan Smallwood untersuchten, wie sich Tagträumerei auf die Kreativität auswirkt.
Ihre Ausgangsthese: Die besten Sachen fallen einem bei Langeweile ein - etwa bei langen Zugfahrten. Ist das wirklich so?

Die Forschenden starteten eine Studie mit 145 Studierenden zwischen 19 und 32 Jahren. In zwei Minuten sollten sich die Studenten möglichst viele und ungewöhnliche Verwendungsmöglichkeiten für Ziegelsteine einfallen lassen. Danach teilten die Psychologen die Proband:innen in Gruppen ein:

  • Eine Gruppe löste eine Konzentrationsaufgabe.
  • Eine Gruppe arbeitete an der Aufzählung weiter.
  • Eine Gruppe pausierte.
  • Eine Gruppe bekam eine eintönige Aufgabe.

Nach etwa 15 Minuten sollten alle nochmals die Ziegelstein-Aufgabe lösen. Und voilà: Die kreativsten Einfälle hatte die Gruppe, die sich zuvor mit langweiligen Aufgaben beschäftigt hatte. Sie schnitt sogar viel besser ab als die Gruppe, die nur pausiert hatte. Die Forschenden folgern: Unbewusst arbeiteten die Gelangweilten an der Problemlösung weiter - und fanden die innovativsten Lösungen.

🤓 Am Boreout Syndrom leiden übrigens häufig Menschen mit einem überdurchschnittlich hohen IQ (120+).

Im Video: Unter diesen Symptomen leiden Burnout-Betroffene

Interview mit Boreout-Coach Stefan H. G. Duwensee

Ausgebrannt vor Langeweile - welche Menschen sind besonders gefährdet für ein Bore-out?

💬 Zu mir kommen häufig Menschen, die etwas bewegen wollen. Viele haben einen Hochschulabschluss und der Job macht ihnen eigentlich Spaß, aber die fachliche Unterforderung quält sie. Auch Menschen, die schon länger arbeitslos sind, Rentner:innen und Hausfrauen/Hausmänner sind oft betroffen.

Angenommen, ich habe diesen Monat weniger zu tun und langweile mich bei der Arbeit. Ist das schon ein Boreout?

💬 Nein. Erfahrungsgemäß dauert es mindestens ein halbes Jahr, bis Langeweile und das Vorgaukeln zu arbeiten einen so frustrieren, dass Erschöpfungszustände auftreten.

Nur so tun, als würde man arbeiten - das geht doch nur im Bürojob, oder?

💬 Ich kenne viele Leute mit Boreout, deren Betriebe umstrukturiert wurden. Das Tätigkeitsfeld wird enger und die Menschen erledigen stupide Aufgaben. Potenziell kann aber jede Berufsgruppe ein Bore-out entwickeln, zeigen Untersuchungen der TU-Darmstadt und der Leibniz Universität in Hannover.

Es wäre doch leicht zum Chef zu gehen und mehr Arbeit zu fordern, oder?

💬 Viele haben Angst, den Job zu verlieren. Oder sie sprechen mit dem oder der Vorgesetzten, aber der hört nicht richtig zu. Ein Chef unter Druck kann sich nicht in denjenigen hineinversetzen, der sich langweilt. Die Folge: Es geht so weiter wie zuvor. Und nach zwei bis drei Jahren traut sich erst recht keiner mehr zuzugeben, dass etwas falsch läuft.

Stimmt es, dass Langeweile nachlässig macht?

💬 Es klingt paradox, aber das stimmt. Neue Arbeit vertreibt nicht automatisch den Frust. Durch das geringe Selbstbewusstsein steigt die Angst, etwas falsch zu machen. Die Power ist raus, die Konzentration leidet.

Wie kommt man aus dem Boreout wieder heraus?

💬 Ich selbst hatte ein Boreout und weiß: Je eher man sich Hilfe holt, desto besser. Ein Test hilft, seine Lage einzuschätzen. Bei einem Coach kann man sich aussprechen - das bewirkt oft bereits Wunder. Ich arbeite daran, den Menschen wieder Mut zu geben und das Selbstbewusstsein zu stärken. Und ich zeige Ihnen, dass es noch mehr Lösungen gibt als zu kündigen. Bei einer Depression muss ein Facharzt zurate gezogen werden.

👨  Zur Person: Stefan H. G. Duwensee lebt in Hamburg und ist auf Bore-out-Coaching spezialisiert.

Häufige Fragen zum Boreout-Syndrom

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