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Mythos Werwolf: Woher kommt die Faszination mit dem haarigen Monster?

  • Veröffentlicht: 03.02.2023
  • 11:15 Uhr
  • Jessica Steffens
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© AdobeStock

Wir alle kennen Werwölfe aus Filmen, Büchern oder Spielen: Sie sind Menschen, die sich bei Vollmond in blutrünstige Bestien verwandeln. Wir erklären dir, was es mit dem Mythos auf sich hat und was Wolfsmenschen damit zu tun haben.

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Das Wichtigste zum Thema Werwölfe

  • Das Wort "Werwolf" stammt von dem germanischen Wort "Wer", was "Mann" bedeutet. Der Begriff steht in der Mythologie für einen Menschen, der sich in einen Wolf verwandeln kann.

  • Die Sage rund um den Werwolf ist alt. Bereits in der griechischen, römischen und nordischen Mythologie finden sich viele Geschichten, die von solchen Mischwesen handeln. Erste Erwähnung findet der Werwolf rund 2.000 vor Christus.

  • Im Mittelalter erreicht der Glauben an Werwölfe seinen Höhepunkt: In den sogenannten "Werwolfsprozessen" wurden zahlreiche unschuldige Menschen hingerichtet.

  • Ganz realitätsfremd ist der Mythos des Werwolfs aber nicht. So gibt es einige Krankheiten, deren Symptome an die mystische Gestalt erinnern. Dazu zählen Tollwut, kongenitale Hypertrichose und eine seltene Form der Schizophrenie.

  • Aber wie genau hat sich der Mythos des Werwolfs über die Zeit entwickelt? Wir erklären es dir.

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Was ist ein Werwolf?

Werwölfe sind beliebte Kreaturen aus Filmen, Büchern und alten Sagen. In der Regel beschreiben diese einen Menschen, der sich bei Vollmond in einen Wolf verwandelt.

Ursprünglich war der Grund dafür ein Pakt mit dem Teufel. Männer erhielten dann einen Gürtel aus Wolfsfell, mit dem sie sich verwandeln konnten. Der Werwolf war in diesen Geschichten ein unheilvolles und raubtierhaftes Wesen.

Erst später, im 19. Jahrhundert, wandelte sich der Werwolf-Mythos. Seitdem entstehen Werwölfe meist, weil sie von anderen Werwölfen gebissen wurden.

Werwölfe: Seinen Ursprung hat der Mythos in der Geschichte

🕰 Der Mythos, dass sich Menschen in Wölfe verwandeln können, nennt sich Lykanthropie (griechisch, "lykos" = Wolf, "anthropos" = Mensch). Bereits in Höhlenmalereien kann man solche Wolfswesen entdecken.

📖 Rund 2.000 vor Christus wurden solche Wesen erstmals schriftlich erwähnt: im Gilgamesch-Epos verwandelt die Göttin Ištar einen Schäfer in einen Wolf.

⚡️ Auch in der griechischen Mythologie werden Werwölfe erwähnt - ebenfalls als göttliche Bestrafung. So wurde beispielsweise der griechische König Lykaon vom Göttervater [Zeus]https://www.galileo.tv/life/die-olympischen-spiele-der-antike-ein-fest-fuer-zeus/) verwandelt.

🌕 Im 1. Jahrhundert sind Werwölfe Teil verschiedener Erzählungen. Darin verwandeln sie sich bei Vollmond oder kehren erst nach mehreren Jahren als Wolf in menschlicher Gestalt zurück.

🐺 Im 13. Jahrhundert tauchen Werwölfe in bekannten isländischen Sagen auf, wie der Egils saga und der Völsunga saga. Letztere war sogar eine Quelle für "Die Walküre" von Richard Wagner.

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Werwölfe im Mittelalter

Im Mittelalter war der Glaube an Werwölfe in Europa weit verbreitet. Damit wuchs auch die Furcht. Ähnlich wie bei den Hexenprozessen wurden so auch vermeintliche Werwölfe verurteilt. Zunächst betraf dies ausschließlich Männer - später auch Frauen. Zahlreiche Unschuldige wurden so zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert "als Werwölfe" auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Wie viele den Werwolfprozessen zum Opfer fielen, ist unklar. Schätzungen reichen von Tausenden bis hin zu Hunderttausenden. Die meisten Prozesse gab es in Frankreich.

Menschen, die verdächtigt wurden Werwölfe zu sein, wurden grausam verfolgt. Ein dokumentierter Fall handelt von einem Viehhirten namens Johann Huke aus dem frühen 17. Jahrhundert. Huke praktizierte nicht nur als Tierarzt, ihm wurden zudem magische Kräfte zugesagt. Aus diesem Grund ließen die Bauern ihr Vieh zum Schutz vor Wölfen von ihm segnen. Nach einem Wolfsangriff wurde er beschuldigt, die Schafe in der Gestalt eines Wolfes gerissen zu haben. Unter Folter gestand Johann Huke die Tat und wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

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Wolfsmenschen: Durch eine Krankheit zum Werwolf?

Kommt der Mythos des Werwolfs vielleicht von einer simplen Krankheit? Ein offensichtlicher Kandidat wäre hier die kongenitale Hypertrichose. Diese vererbbare Genmutation sorgt für eine übermäßige Körperbehaarung im Gesicht, an den Armen oder anderen Körperstellen. Im Volksmund werden Betroffene daher häufig als "Wolfsmenschen" bezeichnet.

Waren sie also vermehrt Opfer der Werwolfprozesse? Tatsächlich ist unter den Getöteten kein Wolfsmensch bekannt. Sie galten nicht als gefährlich, sondern wurden vielmehr als Attraktionen auf Jahrmärkten vorgeführt. Sie könnten aber optisch als Vorbild für Werwölfe gedient haben.

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Ist eine andere Krankheit verantwortlich für den Werwolf-Mythos?

🦠 Hinter dem Mythos des Werwolfs könnte auch die lebensbedrohliche, durch Viren ausgelöste Infektionserkrankung Tollwut stecken. Sie wird in der Regel durch den Biss eines erkrankten Tieres übertragen und ruft "tierähnliches" Verhalten bei Menschen hervor.

🪦 Zu den Symptomen von Tollwut zählen erhöhter Speichelfluss aus dem Mund, aggressive Gemütszustände, starke Schmerzen an der Bissstelle, Angstgefühle und Panik vor Wasser. Meistens führt die Infektionskrankheit zum Tod.

🧠 Ein Vorbild für die Werwolf-Legenden könnte auch das Phänomen der „Lykanthropie“ sein. Dabei handelt es sich vermutlich um eine seltene Form der Schizophrenie. Betroffene haben dabei die Vorstellung, sich in einen Wolf verwandeln zu können. In der Literatur wurde das Krankheitsbild wohl das erste Mal im 2. Jahrhundert beschrieben.

🐺 Laut Beschreibungen von Lykanthropie-Betroffenen sind diese davon überzeugt Wolfszähne und Behaarung am ganzen Körper zu haben. Außerdem sollen sie Lust auf rohes Fleisch haben.

Werwölfe: Kinder, die von Wölfen aufgezogen wurden?

Als so genannte "Wolfskinder" oder "wilde Kinder" bezeichnet man Kinder, die im Kleinkindalter völlig isoliert von anderen Menschen aufwuchsen. Die Sagen über Menschenkinder, die von Wölfen aufgezogen wurden, werden von der Wissenschaft aber angezweifelt. 

In der römischen Mythologie werden Romulus und Remus von einer Wölfin aufgezogen.
In der römischen Mythologie werden Romulus und Remus von einer Wölfin aufgezogen.© picture alliance / akg-images / Nimatallah | akg-images / Nimatallah

Ein dokumentierter, jedoch nicht nachgewiesener Fall beschäftigt sich mit den "Wolfskindern von Midnapore". Laut der Geschichte wurden in den späten 1920er Jahren zwei Mädchen im Alter von anderthalb und acht Jahren zusammen mit Wölfen in Indien gefunden worden. In den Berichten wird den Kindern wolfsähnliche Verhaltensweisen nachgesagt. So sollen die Mädchen etwa auf allen Vieren gelaufen und Wasser mit der Zunge auf geschlappt haben. Glaubhafte Beweise gibt es für die Geschichte allerdings nicht.

Aber wie kommen solche Sagen zustande? Eine Erklärung ist, dass die Strukturen in Wolfsrudeln einige Gemeinsamkeiten mit den sozialen Gefügen unter Menschen aufzeigen. So sind innerhalb einer Gruppe klein familiäre Strukturen und klare Hierarchien zu erkennen. Im Notfall helfen sich die Tiere gegenseitig, betreuen die Jungtiere gemeinsam und gehen zusammen auf die Jagd.

Hier werden sie echt: Werwölfe in Filmen, Serien und Romanen

📽️ 1941 stellte Drehbuchautor Curt Siodmak in seinem Film „Der Wolfsmensch“ erstmals einen Menschen dar, der durch den Biss eines Werwolfs "infiziert" wird.

🔪 Von ihm stammt auch die Idee, dass Werwölfe durch Silber verletzt werden können. In der Mythologie findet sich dazu kein Hinweis.

🎬 Zu den bekanntesten Hollywood-Streifen, die von Werwölfen handeln, zählen „American Werewolf“, "Teen Wolf", die „Underworld“-Reihe und „Wolf – Das Tier im Manne“.

📺 Moderner wird die mystische Kreatur in J.K. Rowlings "Harry Potter" und in der "Twilight-Saga" dargestellt.

📺 Auch in Serien sind Werwölfe beliebte Figuren. Am beliebtesten sind hier die Shows "Teen Wolf" und "Being Human".

🐺 Der Werwolfmythos ist reich an Symbolik und wird hauptsächlich als Zeichen für Freiheit und Wildheit eingesetzt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Werwölfen

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