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Energiewende: Wie weit ist Deutschlands Versorgung mit erneuerbaren Energien?

  • Veröffentlicht: 03.10.2022
  • 12:45 Uhr
  • Galileo

Deutschland möchte sich dauerhaft mit Energie aus regenerativen Quellen versorgen. Windkraft, Solarenergie und Co. sollen demnach unter anderem Erdöl und Atom-Strom ersetzen. Wie weit Deutschland in der Energiewende ist, checken wir auf dieser Seite. Im Clip: Wie stabil ist Deutschlands Stromnetz?

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Das Wichtigste zum Thema Energiewende

  • Das Ziel der Energiewende ist es, die Energie-Versorgung nachhaltig zu gestalten und einen Strom-Blackout zu verhindern. Dementsprechend ist die Energiewende entscheidend für den Klimaschutz.

  • Dazu soll Energie aus erneuerbaren Quellen wie Solar-, Wind- oder Biogas-Anlagen anstelle von Kern- oder Kohle-Kraftwerken kommen.

  • Außerdem soll Energie effizienter genutzt werden, um den Verbrauch insgesamt zu senken.

  • Übergeordnet betrifft die Energiewende nicht nur die Versorgung mit elektrischem Strom, sondern auch die Bereiche der Wärme-Energie und des Verkehrs.

  • In technischer Hinsicht stellen langfristige Speicher-Kapazitäten und ein ausgeglichenes Verteilungsnetz große Herausforderungen der Energiewende dar. Gesellschaftlich und politisch hakt es unter anderem an der öffentlichen Akzeptanz.

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Was beinhaltet die Energiewende?

Mit der Energiewende möchte Deutschland die Art der Energie-Versorgung dauerhaft verändern: Anstelle von fossilen und nuklearen Vorkommen soll die Energie aus regenerativen Quellen stammen. Dadurch werden die Bereitstellung und der Verbrauch von Energie langfristig nachhaltig.

Denn Solarkraft und Co. sind im Gegensatz zu beispielsweise Erdöl nicht endlich. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um erneuerbare Energieträger. Die Sonne scheint prinzipiell immer - wenn auch mal mehr und mal weniger.

Außerdem spielt die Energie-Effizienz eine wichtige Rolle für die Energiewende. Kurzgefasst bedeutet das, den Bedarf an Energie insgesamt zu senken. Am umweltfreundlichsten und günstigsten ist schließlich die Energie, die erst gar nicht verbraucht wird.

Erneuerbare statt endliche Energie-Quellen

❌ Woraus keine Energie mehr kommen soll: Erdöl, Erdgas, Kohle und Atomkraft.

✔ Was stattdessen die benötigte Energie liefern soll: Wind-, Wasser- und Solarkraft sowie Erdwärme und Biomasse.

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Wie erneuerbare Energieträger funktionieren

🌬 Energie aus Windkraft wird über Windräder gewonnen: Wind setzt die Rotorblätter in Bewegung. Ein Generator wandelt die durch den Wind erzeugte Bewegungs-Energie dann in elektrischen Strom um. Das Funktion-Prinzip ähnelt einem Fahrrad-Dynamo.

🌊 Wasserkraftwerke nutzen die Kraft von (fließendem) Wasser in Flüssen, im Meer oder in Stauseen, um daraus mithilfe von Turbinen elektrische Energie zu machen.

☀ Bei der Solar-Technik wird Energie aus der Sonne gewonnen: Die Solarzellen einer Photovoltaik-Anlage wandeln Sonnenstrahlen in Strom um. Solarthermie-Anlagen verwandeln die Einstrahlung der Sonne in Wärme-Energie.

🌍 Geothermie nutzt die Wärme aus dem Inneren der Erde. Entsprechende Anlagen pumpen Thermalwasser aus bis zu über drei Kilometern Tiefe an die Oberfläche, wo eine Turbine Strom oder Wärme-Energie erzeugt.

🍂 Energie aus Biomasse meint die Energiegewinnung - etwa mittels Biogas - am besten aus pflanzlichen Resten. Zur Herstellung von Biogas werden Pflanzenreste in großen Tanks mithilfe von speziellen Bakterien gegärt. Die dadurch entstehenden Gase können aufbereitet werden, um damit zu heizen oder über Turbinen Strom zu erzeugen.

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Wie weit ist Deutschland in der Energiewende?

Zusammenfassend betrifft die Energiewende vor allem drei Bereiche: die Versorgung mit elektrischem Strom, die Bereitstellung von Energie zum Heizen sowie die Energie zur Fortbewegung im Verkehr.

In diesen Bereichen ist die Energiewende unterschiedlich weit vorangekommen - überall besteht aber noch Luft nach oben.

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Elektrischer Strom

Im Jahr 2021 entsprang rund 41 Prozent des verbrauchten Stroms aus Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse. Im Vorjahr lag der Anteil unter anderem aufgrund von nützlicherer Witterung noch bei rund 45 Prozent.

Um sich bis zum Jahr 2035 vollständig mit Ökostrom zu versorgen, hat Deutschland also noch einiges zu tun. Die Fortschritte über die letzten Jahre sind dennoch spürbar: Im Jahr 2000 machten erneuerbare Energien noch rund sechs Prozent des Stromverbrauchs aus.

Wärme-Energie

Der Anteil erneuerbarer Energien am Verbrauch für Wärme ist noch ausbaufähig. Er betrug im Jahr 2021 lediglich rund 17 Prozent. Im Vergleich zu 2008 ist dies immerhin eine Steigerung, damals lag der Prozentsatz bei knapp 11 Prozent.

Stattdessen heizt fast jeder zweite Haushalt in Deutschland mit Erdgas. Erneuerbare Energien spielen bei der Wärme-Versorgung also derzeit eine untergeordnete Rolle. Das hat aktuell teure Konsequenzen, da unter anderem die Preise für Erdgas im Zuge von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine stark gestiegen sind.

Verkehr

Auch bei der Energie-Versorgung im Verkehr geht noch mehr. Im Jahr 2021 betrug der Anteil an erneuerbaren Energien am Energieverbrauch im Verkehr gerade einmal fast 7 Prozent.

Womöglich steht aber eine Trendwende bevor: Im Jahr 2021 hat sich die Zahl der neu zugelassenen E-Autos im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bezogen auf die über 2,6 Millionen neuen PKW lag der Anteil an Stromern bei rund 14 Prozent - Tendenz steigend.

Kapazitäten und Verteilung als Herausforderungen

Ein Hauptgrund, warum die Energiewende hakt: Erneuerbare Energien sind abhängig vom Wetter: An sonnigen und windigen Tagen speisen Solar- und Windkraft-Anlagen viel Energie ins Versorgungssystem ein - an schattigen und windstillen Tagen hingegen kaum bis keine.

Wichtig ist daher eine langfristige Speicherung von überschüssiger Energie für schlechte Tage. Das ist derzeit aber nur begrenzt möglich. Teils müssen unter anderem Windräder daher sogar abgeschaltet werden, wodurch wertvolles Energie-Potenzial verschenkt wird.

Bestehende Technologien wie Lithium-Ionen-Akkus sind zur dauerhaften Speicherung kaum geeignet. Vielversprechender sind unter anderem Power-to-Gas-Anlagen: Energie wird in Wasserstoff überführt, der durch Kraftwerke bei Bedarf wieder in Strom umgewandelt wird. Noch sind solche Verfahren jedoch sehr teuer.

Außerdem ist die Verteilung unausgeglichen. Beispielsweise stehen viele Windräder im windigen Norden und Osten. Damit die Energie auch in Deutschlands Westen und Süden ankommt, müssen die notwendigen Leitungen größtenteils noch gebaut werden. Wie der Netz-Ausbau vorangeht, kannst du in einer interaktiven Karte der Bundesnetzagentur nachsehen.

Energiewende als globale Aufgabe

Die Energiewende ist keine Aufgabe allein für Deutschland, sondern eine weltweite Herausforderung. Die Europäische Union (EU) geht daher zum Beispiel durch den Plan "Fit for 55" mit einer nachhaltigen europäischen Energie-Politik voran.

Wie Umfragen zeigen, sind erneuerbare Energien aber noch immer ein gesellschaftliches Streitthema. Zwar ist die deutliche Mehrheit in Deutschland grundsätzlich für die Förderung erneuerbarer Energien - zugleich sorgen sich aber viele unter anderem wegen möglicher Lärm-Belästigung durch Windparks nahe dem eigenen Zuhause.

Auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus ist die öffentliche Akzeptanz von erneuerbaren Energien ausbaufähig. Wie unterschiedlich der Fortschritt der Energiewende international ist, zeigt ein Vergleich des Statistischen Bundesamtes.

In Indien ist bereits ein Drittel des Gesamtverbrauchs von erneuerbaren Energien abgedeckt. Demgegenüber spielen erneuerbare Energien in Staaten wie Russland und Saudi-Arabien mit einem Anteil von drei Prozent beziehungsweise null Prozent am Energieverbrauch bislang praktisch keine Rolle.

FAQ zum Thema Energiewende

Hier erfährst du noch mehr zum Thema Energiewende

Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Unsere Energiewende

Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Monitoring der Energiewende

Daten zum Fortschritt der Energiewende im Jahr 2021

Umweltbundesamt: Häufige Fragen zur Energiewende

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Energiewende

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