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Piloerektion

Gänsehaut: Darum stehen dir manchmal die Haare zu Berge 

  • Veröffentlicht: 29.05.2024
  • 05:00 Uhr
  • Julia Wolfer

Es ist kalt oder du hörst ein herzzerreißendes Lied: Schon bekommst du eine Gänsehaut. Aber was passiert dabei eigentlich in deinem Körper - und wozu ist diese Körper-Reaktion gut?

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Gänsehaut: Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn es kalt ist, wir uns erschrecken oder ein bewegendes Lied hören, bekommen wir oft Gänsehaut.

  • Die kleinen Erhebungen auf unserer Haut erinnern an die Haut einer gerupften Gans – daher der Name.

  • Die Gänsehaut ist ein Überbleibsel aus der Entwicklungs-Geschichte der Menschen. Seinen ursprünglichen Zweck erfüllt das Phänomen heute aber nicht mehr.

Inhalt

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Gänsehaut: Was ist das und was passiert im Körper?

🪿 Wenn Menschen eine Gänsehaut bekommen – oder Hühnerhaut, wie es in der Schweiz heißt - erinnert das an die Haut einer gerupften Gans oder eines gerupften Huhns. So kam das Phänomen zu seinem Namen.

In der Medizin nennt man es auch Piloerektion. Dabei handelt es sich um eine natürliche und unbewusste Reaktion des Körpers auf

  • Kälte oder
  • Emotionen wie Angst, Ekel oder Erregung.

➡️ Deswegen sagen wir auch: "Das lässt mir die Haare zu Berge stehen", wenn wir uns gruseln.

Sind wir Kälte oder einem emotionalen Reiz ausgesetzt, löst das vegetative Nervensystem die Freisetzung des Neurotransmitters Adrenalin aus, was zur Kontraktion des Haarbalgmuskels (lat. Musculus arrector pili) führt. Dieser Muskel setzt am äußeren Rand der Haare an und sorgt dafür, dass sich die Haar-Follikel über die Hautoberfläche erheben und sich die Haare aufrichten. Die Follikel werden als kleine Erhebungen auf der Haut sichtbar, die der Gänsehaut ihren Namen geben.

An den Armen und Beinen wird Gänsehaut besonders stark wahrgenommen. Gänsehaut kann aber überall am Körper auftreten, mit Ausnahme der Lippen, Handflächen und Fußsohlen. Denn an diesen Körperstellen besitzen wir keine Haare.

Grafik: Aufbau eines menschlichen Haars

Aufbau eines menschlichen Haares.
Aufbau eines menschlichen Haares. © Galileo

Warum bekommen wir bei Kälte eine Hühnerhaut?

Dass wir bei Kälte eine Gänsehaut bekommen, ist ein evolutionäres Überbleibsel: Indem sich die Haare aufrichten, wird Luft in den Zwischenräumen eingeschlossen. Dieses Luftpolster umgibt den Körper wie eine isolierende Schicht und schützt ihn vor dem Auskühlen.

Für unsere Vorfahren, die am Körper sehr viel stärker behaart waren als wir, bot dieser Schutz-Mechanismus einen enormen Überlebensvorteil bei Kälte. Heute, wo wir keine dichte Körperbehaarung mehr haben, ist dieser Schutzfunktion nicht mehr so effektiv. Der Reflex ist uns aber geblieben.

Tatsächlich soll durch Piloerektion auch das Haarwachstum angeregt werden, wie Forscher:innen der Harvard University in einer Studie herausfanden. Einfach ausgedrückt führt die Kontraktion des Haarbalg-Muskels durch das vegetative Nervensystem auch dazu, dass sich die Stammzellen der Haarfollikel stetig regenerieren. Das wiederum fördert das Haarwachstum. Ein andauernder Kältereiz signalisiert dem Körper sozusagen, dass es an der Zeit ist, ein neues Haarkleid zu bilden, um sich noch besser vor Kälte zu schützen.

Bei bestimmten Reizen bekommen wir eine Gänsehaut.
Bei bestimmten Reizen bekommen wir eine Gänsehaut.© picture alliance / imageBROKER
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Wieso entsteht Gänsehaut, wenn wir emotional sind?

Auch bewegende Filme oder Musik kann Gänsehaut bei uns hervorrufen. Unser episodisches Gedächtnis verknüpft solche Reize mit Emotionen und Erinnerungen. Bei der Verarbeitung dieser Emotionen im Nervensystem kommt es schließlich zu einer Kontraktion des Haarbalg-Muskels - es entsteht Gänsehaut.

Forscher:innen glauben, dass Gänsehaut auch ein Schutzmechanismus für emotionale Bedrohungen sein könnte. Gänsehautmomente entstehen vor allem dann, wenn eine besondere Spannung entsteht. Das ist selten der Fall, wenn alles einfach gut ist – oft gibt es auch eine bittere Komponente.

Die Emotion, die wir bei einem bewegenden Film oder Musikstück empfinden, ist demnach nicht ausschließlich positiv, auch wenn wir den Film oder das Lied eigentlich schön finden. So zumindest die Theorie. Ganz bis ins Detail verstanden ist das Phänomen bis heute nicht.

Können auch Tiere eine Gänsehaut bekommen?

Auch bei Tieren, die Fell haben, ist die Gänsehaut ein wichtiger Mechanismus: Wie bei unseren Vorfahren führt das Aufrichten der einzelnen Haare dazu, dass mehr Luft am Körper gehalten wird, was den Körper wie ein isolierendes Polster warmhält. Beobachtet wurde Piloerektion bereits bei verschiedenen Tierarten, zum Beispiel bei Mäusen, Schimpansen, Pferden oder Wölfen.

Aber auch bei emotionaler Erregung können sich die Haare von Tieren aufstellen. Bei Hunden und Katzen ist das Phänomen zum Beispiel an aufgestellten Nackenhaaren oder einem buschigen Schwanz sichtbar.

😾 Das passiert häufig, wenn sich Hunde oder Katzen erschrecken oder Angst haben. Es kann auch ein Warnzeichen für einen bevorstehenden Angriff sein. Das buschige Fell hat den Nebeneffekt, dass es die Tiere größer wirken lässt und so potenzielle Feinde abschrecken könnte.

Gänsehaut ist eine Reaktion des Körpers auf Kälte oder auf Emotionen, als Folge von beispielsweise Angst. Sie dient als Schutzmechanismus auf Einflüsse von der Umwelt. Damals besaßen unsere Vorfahren noch ein dichtes Fell. Wenn sich die Haare aufgestellt hatten, bildete sich ein Luftpolster, das vor der Kälte schützte. .
Gänsehaut ist eine Reaktion des Körpers auf Kälte oder auf Emotionen, als Folge von beispielsweise Angst. Sie dient als Schutzmechanismus auf Einflüsse von der Umwelt. Damals besaßen unsere Vorfahren noch ein dichtes Fell. Wenn sich die Haare aufgestellt hatten, bildete sich ein Luftpolster, das vor der Kälte schützte. .© Getty Images
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Welche Krankheiten stehen mit Gänsehaut in Verbindung?

🤒 Gänsehaut kann auch als Begleiterscheinung von Krankheiten auftreten, zum Beispiel bei Erkältungen oder Grippe. Obwohl uns bei Fieber eigentlich heiß sein sollte, gaukelt das Gehirn dem Körper - trotz erhöhter Temperatur – vor: dir ist kalt. Neben Schüttelfrost kann das auch zu Gänsehaut führen.

Auch bei anderen Erkrankungen kann Gänsehaut als Begleitsymptom auftreten:

  • bakterielle Infektionen wie Scharlach oder Wundstarrkrampf (Tetanus)
  • Tropenkrankheiten wie Malaria, Gelbfieber oder Fleckfieber
  • Lungenentzündung
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Epilepsie
  • Entzugs-Erscheinungen
  • Sonnenstich
  • Vergiftungen

Die wichtigsten Fragen zu Gänsehaut

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