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Insekt

Ölkäfer im Garten: Wie gefährlich ist das giftige Tier wirklich?

  • Aktualisiert: 13.04.2024
  • 04:43 Uhr
  • Sven Hasselberg
Der Blauer Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) gilt in Deutschland als gefährdet. In Ägypten hingegen gilt der Käfer als Schädling in der Landwirtschaft.
Der Blauer Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) gilt in Deutschland als gefährdet. In Ägypten hingegen gilt der Käfer als Schädling in der Landwirtschaft.© picture alliance/dpa | Frank Hammerschmidt

Der Ölkäfer ist hochgiftig, aber auch faszinierend und in deutschen Gärten heimisch. Worauf du beim Umgang mit den Tieren achten sollten, sie nicht berühren solltest und es generell gut ist, von den Insekten Abstand zu halten.

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Das Wichtigste zum Thema Ölkäfer

  • Ölkäfer sind besonders stark in Süddeutschland verbreitet. Gerade im Frühjahr kannst du sie häufig in Gärten, Wiesen und Wäldern sehen. Auch entlang der großen Flüsse wie Neckar, Rhein und Donau fühlen sie sich wohl.

  • In Deutschland kommen meist der Violette Ölkäfer und der Schwarzblaue Ölkäfer vor – bevorzugt auf sandigen Böden. Beide sind hochgiftig. Deshalb: Nicht anfassen!

  • Bei Berührung kann die Haut schmerzlich gereizt werden. Danach immer abwaschen und kühlen. Das Verschlucken eines Tieres kann tödlich sein

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Ölkäfer: Das musst du über das Tier wissen

Auf einen Blick erfahren die User:Innen den Steckbrief des Ölkäfers
Auf einen Blick erfahren die User:Innen den Steckbrief des Ölkäfers© Galileo
  • Wissenschaftlicher Name: Meloe proscarabaeus
  • Klasse: Insekten
  • Größe: 1 bis 3 Zentimeter
  • Alter: 1 Monat
  • Arten: weltweit 2.500; Mitteleuropa: etwa 20
  • Nahrung: Bärlauch, Scharbockskraut, Buschwindröschen, andere Blütenpflanzen
  • Lebensraum: offene Lebensräume, wie Wiesen und sandige Flächen
  • Feinde: Igel, Vögel

Der Ölkäfer: So giftig ist er wirklich

Das Gift des Ölkäfers, Cantharidin, kann auch für Menschen tödlich sein. Allerdings wohl nicht bei Berührung eines Tieres, sondern nur beim Verzehr. Dennoch gilt: Die Tiere nicht anfassen! Das kann bei Menschen starke Hautreizungen oder Allergien auslösen. Kommt es doch einmal dazu, unbedingt die Hände danach gründlich waschen. Der Ölkäfer selbst produziert dieses Gift, um Fressfeinde abzuhalten und sondert es bei Gefahr aus den Kniekehlen ab. Der Zweifarbenpitohui dagegen frisst giftige Käfer und speichert deren Toxin unbeschadet im Gefieder, der Muskulatur und seiner Haut. Mehr dazu liest du unter giftige Vögel.

Da gerade Kinder oder auch Hunde durchaus auf die Idee kommen könnten, sich ein Insekt in den Mund zu stecken, ist hier besonders Vorsicht geboten. Kinder unbedingt über die Gefahr aufklären. Deshalb werden bundesweit auch immer wieder Spielplätze oder Schulhöfe gesperrt, wenn Ölkäfer dort auftreten. Allerdings gibt der Naturschutzbund Deutschland, NABU, auch Entwarnung und weist darauf hin, dass es keinen bekannten Fall gäbe, in dem ein Haustier oder Mensch sich gefährlich an einem Ölkäfer vergiftet habe. Im Notfall hilft es aber immer, die Nummer des nächsten Giftnotrufes parat zu halten. Einen Link mit einem Giftnotruf auch in Deiner Nähe findest Du weiter unten. Nichts spricht allerdings dagegen, die faszinierenden und durchaus großen Käfer aus der Ferne zu beobachten. Da sie flugunfähig sind, fliegen sie auch nicht weg.

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Käfer-Hype in Tokio

6 kuriose Fakten über den Ölkäfer

📜 Name: Ölkäfer heißt das Insekt wohl wegen der Giftproduktion. Das austretende Gift an den Beinchen gleicht Öltropfen. Seinen Spitznamen "Maiwurm" verdenkt er wohl den besonders dicken Weibchen, die oft im Mai auftreten. "Pflasterkäfer" oder "Blasenkäfer" wurde er wohl wegen seiner Verwendung in der Medizin genannt - oder wegen der Blasen, die die Hautreizungen verursachen können.

🩹 Medizin: Bereits seit der Antike werden Ölkäfer beziehungsweise ihr Gift in der Medizin, zum Beispiel gegen Darmerkrankungen, eingesetzt. Getreu dem Motto: Die Dosis macht das Gift. Es wurden wohl bereits 1550 vor Christus Blasenpflaster mit Ölkäfer-Brei angewendet. Selbst gegen Tollwut erhoffte man sich Ende des 18. Jahrhunderts Linderung. Das aus den Käfern gewonnene Gift wurde in der Antike auch zu Hinrichtungen benutzt.

💓 Aphrodisiakum: Da früher viele dem Irrglauben aufsaßen, der Ölkäfer habe heilsame Kräfte, warr auch die Legende vom Aphrodisiakum nicht weit. Ölkäfer wurden zum Brauen von Liebestränken genutzt. Doch auch hier waren damals bei unkontrolliertem Gebrauch eher Kopfschmerzen, Schwindel, Vergiftung, Koma oder gar Tod die Folge.

🎁 Hochzeitsgeschenk: Einige andere Insekten, wie beispielsweise der Einhornkäfer, benutzen das Gift der Ölkäfer, Cantharidin, für die Balz. Die Männchen zapfen es sozusagen aus den Ölkäfern ab, und präsentieren es ihren Weibchen in einer Drüse, Dann lassen diese sie überhaupt erst zur Paarung zu. Später nutzen sie das weitergereichte Gift auch, um ihre Eier, Larven und Puppen zu schützen.

🪲 Insekt des Jahres: Der Schwarzblaue Ölkäfer wurde 2020 sogar zum Insekt des Jahres gekürt. Obwohl die Ölkäfer immer wieder auch vermehrt auftreten, gelten viele Arten als gefährdet. Der Schwarzblaue Ölkäfer steht in Deutschland auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Er steht deshalb unter Schutz.

🧔‍♂️👩‍🦰 Unterschied der Geschlechter: Das Weibchen ist mit drei bis dreieinhalb Zentimetern größer als das Männchen. Vor allem der weibliche Hinterleib schwillt ziemlich an, sobald sich Eier darin befinden. Die Männchen messen manchmal nur einen Zentimeter oder knapp darüber. Sie sind dagegen sehr gut an ihren stärkeren Fühlern zu erkennen. Diese haben auch einen auffälligen Knick, der bei den Weibchen fehlt.

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Ölkäfer und Bienen: Vermehrung einmal anders

Das Weibchen produziert unglaublich viele Eier. Mit einem Abstand von ein bis zwei Wochen kann es bis zu sechsmal 3.000 bis 9.500 Eier in die Erde legen. Nach gut einem Jahr schlüpfen rotbraune Larven. Sie bedienen sich einiger Tricks, um sich zu entwickeln. Im ersten Stadium heißen sie Primärlarven und klettern auf Blüten. Manchmal schließen sie sich so zusammen, dass sie wie eine Blüte wirken, um Wildbienen anzulocken. Das sind ihre "Transport-Wirte". Sobald die Bienen landen, verhaken sich die Larven in deren Nackenpelz und fliegen so mit ihnen zu deren Nestern. Das ist auch der Grund, warum es so viele Eier und Larven gibt. Denn die meisten krallen sich an den falschen Tieren fest. Nur jede tausendste Larve soll schätzungsweise zum Ölkäfer werden.

Ölkäfer-Lufttaxi: Die rotbraunen Larven des Ölkäfers haben sich im Pelz im Nacken einer Wildbiene festgekrallt und warten auf ihren Transport in den Bienenstock. Andere Arten halten sich an Härchen der Bienen fest oder bohren sich in die dünne Haut zwischen den Hinterleibssegmenten der Bienen.
Ölkäfer-Lufttaxi: Die rotbraunen Larven des Ölkäfers haben sich im Pelz im Nacken einer Wildbiene festgekrallt und warten auf ihren Transport in den Bienenstock. Andere Arten halten sich an Härchen der Bienen fest oder bohren sich in die dünne Haut zwischen den Hinterleibssegmenten der Bienen.© picture alliance / blickwinkel/H. Bellmann/F. Hecke | H. Bellmann/F. Hecker

Im Nest nistet sich die Larven häuslich ein. Es handelt sich um einzeln lebende Wildbienen, die keinen Hofstaat oder Stock bilden, sondern kleine Nester haben. Die Ölkäfer-Larve muss aber unbedingt auf ein Bienen-Ei kommen. Denn das frisst sie dann. Sie häutet sich anschließend und frisst danach den Pollen-Nektar-Brei ihrer Wirte. Schließlich verlässt sie das Nest und vergräbt sich zum Überwintern im Boden. Erst als Scheinpuppe, dann als Puppe bleibt das Tier mit weiteren Häutungen dort und verlässt die Erde von März bis Mai als fertiger Ölkäfer. Erwachsen und geschlechtsreif werden sie selten älter als ein bis eineinhalb Monate, bis sie sich wieder reproduziert haben.

Willst du mehr über den Giftnotruf erfahren?

Beim Bundesamt für Verbraucherschutz findest du eine Liste der Giftnotrufe Deutschlands.

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Die häufigsten Fragen zum Ölkäfer

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