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Legionellen-Gefahr: Warum das Risiko beim Warmwasser sparen steigt

  • Veröffentlicht: 11.10.2022
  • 15:00 Uhr
  • Galileo
Article Image Media

Im Rahmen der Energiekrise überlegen viele Menschen, wie sie Energie sparen können. Kaltes Händewaschen und kurzes Duschen scheinen einfach umsetzbar zu sein. Dabei ist das nicht ungefährlich: In den Wasserleitungen könnten sich Legionellen leichter vermehren. Im Clip: Coli-Bakterien im Trinkwasser.

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Legionellen: Das Wichtigste zum Thema

😮 Die Energiekrise macht Strom und Gas zum knappen Gut in Europa. Der Appell lautet: Energie sparen wo immer es geht. Auf Warmwasser beispielsweise in der Küche oder im Badezimmer zu verzichten, kann aber schnell gefährlich werden. Denn bei Temperaturen unter 60 Grad fühlen sich Legionellen besonders wohl.

🤔 Legionellen oder Legionella sind stäbchenförmige Bakterien, von denen aktuell 60 verschiedene Arten bekannt sind. Sie kommen in Süß- oder Salzwasser vor. Besonders häufig sind sie in abgeschlossenen stillen Gewässern, wie Wassertanks oder -leitungen zu finden.

😟 Die Bakterien gibt es in ganz Deutschland, der Süden ist besonders betroffen.

😨 Die optimalen Bedingungen für Legionellen sind Gewässer mit einer Temperatur zwischen 25 und 54 Grad Celsius. Dann vermehren sie sich am besten. Erst ab 60 Grad Celsius sterben die Bakterien ab. An den Rändern von Wasserleitungen bildet sich oft ein Biofilm, der den Legionellen als Nährboden dient.

🧐 In Deutschland sind Betreiber von öffentlichen Einrichtungen, sowie Hausverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften und Vermieter:innen von Mehrfamilienhäusern dazu verpflichtet, die Trinkwasserleitungen in regelmäßigen Abständen auf Legionellen untersuchen zu lassen.

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Wie gefährlich sind Legionellen? Das sagt das Robert Koch-Institut

💬 Kommen Menschen mit Legionellen in Kontakt, können die Bakterien Erkrankungen auslösen - sogenannte Legionellosen. Dazu zählt die sogenannte "Legionärskrankheit", die vor allem mit hohem Fieber, Husten, Atemnot und Muskelschmerzen einhergeht. Seltener ist Pontiac-Fieber, das einer normalen Grippe ähnelt.

💬 Die Ansteckung verläuft in aller Regel durch das Einatmen von kontaminierten Wassertröpfchen. Besonders duschen oder der Aufenthalt in Whirlpools sind daher riskant. Seltener, aber auch möglich, ist der Infektionsweg über die sogenannte Mikroaspiration, bei der versehentlich Wasser in die Luft- statt in die Speiseröhre gelangt. Das Trinken von kontaminiertem Wasser ist allerdings kein Problem. Deine Magensäure tötet die Bakterien zuverlässig ab. Eine Ansteckung von Mensch-zu-Mensch ist wohl kaum möglich - bislang wird nur ein Fall damit in Verbindung gebracht.

💬 Bei der Legionärskrankheit liegt die Sterblichkeit bei fünf bis zehn Prozent. Männer erkranken zwei- bis dreimal so häufig wie Frauen. Raucher:innen, Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen zählen zur Risikogruppe. Beim Pontiac-Fieber sind keine Sterbefälle bekannt.

💬 Die Legionärskrankheit wird mit Antibiotika behandelt. Antibiotika-Resistenzen wurden bis jetzt nicht beobachtet. Das Pontiac-Fieber muss nicht speziell behandelt werden, da die Erkrankung sehr milde verläuft.

💬 2020 gab es in Deutschland auf 100.000 Einwohner laut dem RKI 1,5 Legionellen-Infektionen. Man geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, weil die Erkrankung oft unentdeckt bleibt. Im Sommer und Herbst kommt es regelmäßig zu einem Anstieg der Infektionen. Der Grund: Urlaubsreisen und Aufenthalte in Hotelanlagen (und Whirlpools). Zugleich stehen die Trinkwasser-Leitungen zuhause still und es ist deutlich heißer.

Warmwasser sparen für die Energiekrise

Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Sanitär- und Heizungstechnikunternehmen Viega zeigt: 86 Prozent der Befragten sieht vor allem beim Duschen, Abspülen und Putzen Spar-Potential. 

Und klar ist: Warmwasser ist ein Energiefresser. Warmwasserspeicher in Häusern werden permanent auf 60 Grad erhitzt, um die Trinkwasserhygiene aufrecht zu halten. Wird diese Temperatur aber herabgesetzt, haben Legionellen und andere Krankheitserreger einen idealen Nährboden, um sich in den Leitungen und im Tank zu vermehren.

Statt die Wassertemperatur in den Leitungen abzusenken, sollte der Verbrauch eingeschränkt werden, raten Expert:innen. Kürzer statt kälter duschen, Spülmaschine statt Abwasch per Hand.

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So sieht deine Lunge aus, wenn du die Legionärskrankheit hast

Röntgenbild einer Lunge mit akutem Legionellenbefall (Legionärskrankheit). In lila ist das entzündete Lungengewebe abgebildet.
Röntgenbild einer Lunge mit akutem Legionellenbefall (Legionärskrankheit). In lila ist das entzündete Lungengewebe abgebildet. © picture alliance / BSIP

Legionellenbefall bekämpfen und vorbeugen

  • Bist du mehr als drei Tage nicht zuhause, solltest du alle Wasserhähne durchlaufen lassen. Am besten so lange bis Frischwasser kommt. Das ist deutlich kälter. Bei Duschen stellst du die Temperatur auf das Maximum, schaltest sie ein und verlässt danach den Raum.

  • Leitungen sollten regelmäßig gereinigt, entkalkt und auf Legionellen getestet werden. Bei einer Mietwohnung müssen sich die Vermieter:innen darum kümmern.

  • Treten nach oder während deines Urlaubs grippeähnliche Symptomen wie Reizhusten und Fieber auf, solltest du dich auf eine Legionellen-Infektion testen lassen.

  • Bei einem erwiesenen Legionellen-Befall, muss das zuständige Gesundheitsamt binnen 24 Stunden informiert werden. Das übernimmt dein Arzt, deine Ärztin oder die Eigentümer:in des Hauses.

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Legionellen in Ferienwohnungen oder Airbnbs

Legionellen fühlen sich in Ferienhäusern oder Airbnbs oft sehr wohl, denn die Wasserleitungen werden gegebenenfalls nicht regelmäßig genutzt. Hinzu kommen die höheren Temperaturen in den Sommermonaten.

Erkundige dich wenn möglich vor der Reise, ob die Wasserqualität kontrolliert wird und lasse auf jeden Fall alle Wasserhähne für mehrere Minuten durchlaufen, bevor du sie zum ersten Mal benutzt. Gleiches gilt natürlich auch, wenn du nach deinem Urlaub wieder nach Hause kommst. Lasse sie für ein paar Minuten laufen.

Das solltest du dir merken

🤓 Legionellen sind Bakterien, die vor allem in Wasserleitungen vorkommen. Gefährlich ist es, wenn du Wasserdampf einatmest. Wasserleitungen sollten deshalb regelmäßig durchgespült und das Wasser auf mindestens 60 Grad erhitzt werden, um die Bakterien abzutöten.

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