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Die elektronische Patientenakte kommt: Das sind die Vor- und Nachteile

  • Veröffentlicht: 09.03.2023
  • 13:45 Uhr
  • Carina Neumann-Mahlkau

Die elektronische Patientenakte soll alle wichtigen Daten über dich enthalten und im Notfall Leben retten, ist aber auch umstritten. 2024 soll sie für alle verbindlich eingeführt werden. Wir zeigen dir die Vor- und Nachteile des neuen Systems. Im Clip: Wo liegen die Ursprünge des deutschen Gesundheitssystems?

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Was ist die elektronische Patientenakte?

Die elektronische Patientenakte (kurz: ePA) ist ein digitales System, in dem Patienten-Daten - wie Befunde, Blutwerte, Röntgenbilder, ärztliche Überweisungen, Rezepte, etc. übersichtlich gespeichert und verwaltet werden können.

All diese Daten müssen dann nicht mehr in Papierform bei den jeweiligen Ärzten und Ärztinnen hinterlegt werden, sondern sind jederzeit online abrufbar.

Das soll Zeit und Aufwand sparen - zum Beispiel musst du dein Rezept, deinen Überweisungsschein oder dein Röntgenbild dann nicht mehr bei der Hausarzt-Praxis abholen, sondern alle Involvierten finden alle nötigen Infos nun digital, in deiner Gesundheitsakte.

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Elektronische Patientenakte (ePA): Wie ist die aktuelle Lage?

  • Die Elektronische Patientenakte (ePA) ist in Deutschland schon lange geplant - genauer gesagt seit 2003. Laut Lauterbach soll die ePA 2024 für alle eingeführt werden.

  • Die Testphase läuft bereits seit Januar 2021. Einige Praxen und Krankenhäuser benutzen das System schon. Seit 1. Juli 2021 sind alle Ärzte verpflichtet, sich an das Netz der ePA anzuschließen. Seit 1. Januar 2022 gilt das auch für die Krankenhäuser.

  • Muss ich das? Nein: Für dich als Patient:in ist die ePA noch freiwillig. Sie wird derzeit nur von rund einem Prozent aller Versicherten genutzt. Nach der Einführung 2024 soll sie grundsätzlich für jeden angelegt werden - außer du widersprichts ausdrücklich ("Opt-out").

  • Die Patient:innen entscheiden, welche Dokumente hochgeladen werden - und welche nicht. Was dein Arzt oder deine Ärztin ins System lädt, muss das also mit dir abgesprochen sein.

  • In einigen anderen Ländern wie Schweden, Estland, Dänemark, Kanada oder Spanien ist ein elektronisches Patienten-System längst Alltag.

  • Das deutsche Gesundheits-System hinkt jedoch in der Digitalisierung nach. In einer Studie über digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen der Bertelsmann-Stiftung belegte Deutschland 2018 vor Polen den vorletzten Platz. 17 Länder nahmen teil.

Galileo vom 2020-06-17

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Wo finde ich meine elektronische Patientenakte?

Die Krankenkassen bieten per App den Zugang zur ePA an. Teils gibt es dafür eigene Apps (wie "AOK Mein Leben" "ePA BKK"), teils (wie bei der TK) werden die App-Funktionen der bestehenden Krankenkassen-Apps ergänzt.

Seit 1. Juli 2021 hast du auch ohne App Zugriff zur ePA, und zwar mit deiner Gesundheitskarte. Deine Krankenkasse schickt dir hierfür einen PIN zu, den du beim Arzt oder bei der Ärztin eingibst.

Hierfür muss deine Gesundheitskarte NFC-fähig sein, also einen Chip für Karten-Lese-Geräte haben. Hat deine Karte das noch nicht, kann deine Krankenkasse dir eine neue zuschicken.

Mehr Infos dazu findest du auf der Webseite deiner Krankenkasse.

Diese Vorteile bringt dir die ePA

⏱️ Sie spart Zeit und Aufwand - dir und den Ärzten und Ärztinnen. Papierkram ist Vergangenheit, und so müssen auch keine Dokumente mehr per Post verschickt oder abgeholt werden.

🚑 Extremfall: Du hast einen Unfall und der Rettungswagen kommt. Bist du bewusstlos, können die Sanitäter:innen dank der ePA herausfinden, welche Blutgruppe du hast oder ob Allergien bestehen - und so besser handeln.

👩‍⚕️ Wechselst du mal deinen Arzt oder deine Ärztin, musst du der neuen Person nicht deine ganze Kranken-Geschichte erzählen. Sie hat mit wenigen Klicks einen Überblick über deine Gesundheit und die eingenommenen Medikamente.

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Darum ist die elektronische Patientenakte umstritten

🖥️ Trotz Verschlüsselung ist die Sicherheit der Daten umstritten. IT-Sicherheits-Expert:innen entdeckten laut Recherchen des BR und NDR "gravierende Sicherheitslücken" in der Test-Version: In mehreren Fällen konnten sie die Patienten-Akten mit "trivialen Methoden" hacken und hatten vollen Zugriff auf intime Daten.

☝️ Ulrich Kelber, Bundesbeauftragter für Datenschutz, sagte nach einer System-Prüfung im November 2020: "Ich komme zu dem Ergebnis, dass dieser Vorgang tatsächlich ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung ist."

📝 Ärzte und Ärztinnen sprechen derzeit von einem unstrukturierten Sammelsurium an pdf-Dokumenten.

🚫 Auch das geplante Opt-out-Verfahren stößt auf Kritik. Das Vertrauen der Bevölkerung sei damit nicht zu gewinnen.

⚖ Im November 2022 wurde im Zuge der Petersberger Erklärung eine gesetzliche Grundlage für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten gefordert. Sie umfasst unter anderem Verschlüsselung und die Pseudonymisierung der Daten.

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Wie stehst du zur elektronischen Patientenakte?

Fazit: Eine große Chance, die noch in den Kinderschuhen steckt

Im Klartext: Du kannst entscheiden, welche Dokumente digital hochgeladen werden, und welche nicht.

Andere Länder nutzen bereits seit Jahren digitale Patientenakten und betrachten das System als großen Fortschritt. Die ePA hat also großes Potenzial, wenn sie vollständig entwickelt ist.

Mehr Infos zu dem Thema findest du auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.

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