Anzeige

Tief Luft holen: Was du über Apnoetauchen wissen musst und wie du es erlernen kannst

  • Veröffentlicht: 07.11.2022
  • 07:45 Uhr
  • Carina Neumann-Mahlkau

130 Meter Tiefe in rund vier Minuten - im Apnoetauchen gibt es unglaubliche Rekorde. Wie das Freitauchen ohne Sauerstoff-Flasche funktioniert und was es so besonders, aber auch gefährlich macht, erfährst du hier. Im Clip: Das tödliche Geheimnis des Blue Hole-Tauchspots in Ägypten.

Anzeige

Das Wichtigste zum Thema Apnoetauchen

  • Das Wort "Apnoe" kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie "Nicht-Atmung".

  • Apnoetauchen oder Freitauchen bezeichnet das Tauchen ohne Sauerstoffflasche, bei dem die Menschen mit einem einzigen Atemzug in teils unglaubliche Tiefen abtauchen.

  • Apnoetauchen gilt als die reinste, älteste und ursprünglichste Form des Tauchens. Schon in der Steinzeit nutzten unsere Vorfahren diese Technik zum Speerfischen oder um Muscheln zu pflücken.

  • Manche Meervölker wie die japanischen Muschel-Taucherinnen "Ama", die koranischen Seefrauen "Haenyeo" oder die malaiischen Seenomaden Bajau arbeiten heute noch so.

  • Vom Speerfischen über Freizeitsport bis zum Extremsport mit immer krasseren Tiefen- und Zeit-Rekorden gibt es verschiedene Arten von Apnoetauchen. Erfahre hier mehr über die Welt des Freitauchens.

Anzeige
Anzeige

Jacques Mayol alias "Dolphin Man" - Wegbereiter des Apnoetauchens

Jacques Mayol (1927 - 2001) war ein Pionier des Apnoe-Extremsports. 1976 war er der erste Tauchende, der ohne Atemgerät in eine Tiefe von mehr als 100 Meter gelangte. Mayol hielt lange mehrere Weltrekorde im Apnoetauchen.
Jacques Mayol (1927 - 2001) war ein Pionier des Apnoe-Extremsports. 1976 war er der erste Tauchende, der ohne Atemgerät in eine Tiefe von mehr als 100 Meter gelangte. Mayol hielt lange mehrere Weltrekorde im Apnoetauchen.© picture-alliance / dpa | epa\afp
Weil er sich im Wasser so geschmeidig bewegte wie ein Delfin, bekam er den Spitznamen "Dolphin Man". 
Seine im Jahr 2000 veröffentlichten Biografie "Homo Delphinus: The Dolphin Within Man" und seiner Faszination für die Tümmler taten ihr Übriges für diesen Spitznamen.
Weil er sich im Wasser so geschmeidig bewegte wie ein Delfin, bekam er den Spitznamen "Dolphin Man". Seine im Jahr 2000 veröffentlichten Biografie "Homo Delphinus: The Dolphin Within Man" und seiner Faszination für die Tümmler taten ihr Übriges für diesen Spitznamen.© picture alliance / Farabola/Leemage
Jacques Mayol inspirierte den Regisseur Luc Bessons 1988 zu seinem Kultfilm "Im Rausch der Tiefe". In diesem Taucherdrama kämpfen die zwei Apnoetaucher Jacques (Jean-Marc Barr) und Enzo (Jean Reno) um den Weltmeistertitel im Tiefseetauchen.
Jacques Mayol inspirierte den Regisseur Luc Bessons 1988 zu seinem Kultfilm "Im Rausch der Tiefe". In diesem Taucherdrama kämpfen die zwei Apnoetaucher Jacques (Jean-Marc Barr) und Enzo (Jean Reno) um den Weltmeistertitel im Tiefseetauchen. © picture-alliance / dpa | -
Jacques Mayol (1927 - 2001) war ein Pionier des Apnoe-Extremsports. 1976 war er der erste Tauchende, der ohne Atemgerät in eine Tiefe von mehr als 100 Meter gelangte. Mayol hielt lange mehrere Weltrekorde im Apnoetauchen.
Weil er sich im Wasser so geschmeidig bewegte wie ein Delfin, bekam er den Spitznamen "Dolphin Man". 
Seine im Jahr 2000 veröffentlichten Biografie "Homo Delphinus: The Dolphin Within Man" und seiner Faszination für die Tümmler taten ihr Übriges für diesen Spitznamen.
Jacques Mayol inspirierte den Regisseur Luc Bessons 1988 zu seinem Kultfilm "Im Rausch der Tiefe". In diesem Taucherdrama kämpfen die zwei Apnoetaucher Jacques (Jean-Marc Barr) und Enzo (Jean Reno) um den Weltmeistertitel im Tiefseetauchen.

Atemlos in der Tiefe: Die größten Rekorde im Apnoetauchen

🤿 Im Apnoetauchen gibt es viele verschiedene Disziplinen und somit auch mehrere Rekorde. Unterschieden wird etwa zwischen dem Einsatz von Seilen, Flossen, Gewichten oder "Schlitten", welche die Tauchenden in die Tiefe ziehen. Bekannte Rekorde sind:

🥇 In der Kategorie "Konstantes Gewicht mit Flossen (CWT)" tauchte der russische Weltrekord-Halter Alexey Molchanov im Jahr 2021 ganze 130 Meter tief - in einer Zeit von vier Minuten und 10 Sekunden.

🏅 Weltrekordhalterin in der gleichen Kategorie der Frauen ist die Slowenin Alenka Artnik. 2021 tauchte sie in einer Zeit von drei Minuten und 28 Sekunden 122 Meter tief.

🏆 Der Pole Mateusz Malina legte 2022 mit 316,53 Metern die längste je getauchte Strecke im Pool zurück. Rekordhalterin bei den Frauen ist seit 2019 die Polin Magdalena Solich-Talanda mit 257 Metern.

⏱️ Der Kroate Budimir Sobat stellte 2021 einen neuen Rekord im Zeittauchen mit reinem Sauerstoff auf. 24 Minuten und 33 Sekunden hielt der 54-Jährige den Kopf unter Wasser. Davor atmete er hohe Mengen an reinem Sauerstoff. Diese Variante des Zeittauchens ist aber keine offizielle Tauch-Disziplin, sondern eher eine Show-Variante.

🫁 Ohne zusätzlichen Sauerstoff hielt Weltrekordhalter Branko Petrović aus Serbien 2014 ganze elf Minuten und 54 Sekunden die Luft an! Bei den Frauen war die russische Apnoetaucherin Natalia Molchanova 2013 neun Minuten und zwei Sekunden atemlos. Die Weltmeisterin gilt seit 2015 als verschollen. Von einem Übungstauchgang vor der spanischen Mittelmeerinsel Formentera tauchte sie nie wieder auf.

⏬ Herbert Nitsch tauchte 2012 mithilfe eines Schlittens 253 Meter tief - sein insgesamt 33. Weltrekord in verschiedenen Apnoe-Disziplinen. Auf dem Weg nach oben verunfallte er jedoch schwer. Offizielle Rekorde mit Schlitten werden seit 2019 nicht mehr abgenommen.

Anzeige

Was passiert mit der Lunge beim Apnoetauchen? Der Verband deutscher Sporttaucher klärt auf

🥽 Ralf Hildebrand und Ulrich Wolf leiten das Apnoe-Ressort für Freizeitsport des Verbands deutscher Sporttaucher e.V. (VDST). Sie sagen:

💬 Der Brustkorb des Menschen ist kein starres Knochengerüst und ist - in Grenzen - dehnbar. Unsere Atmung erfolgt großteils über das Zwerchfell, das vor allem aus flexiblen Muskelfasern besteht.

💬 Beides sorgt dafür, dass unsere Lunge ohne Probleme bis auf etwa ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe komprimiert werden kann. Das entspricht dem Vierfachen des Drucks an der Oberfläche und damit einer Tiefe von 30 Metern.

💬 Das sogenannte "Residualvolumen" der Lunge (entspricht etwa dem Zustand des maximalen Ausatmens) kann durch Atem- und Ausdauersport sogar noch weiter verkleinert werden. Es ist der begrenzende Faktor für die individuelle Tauchtiefe.

💬 Taucht man aber über diese individuelle Tauchtiefe hinaus, ist kein Druckausgleich mehr möglich, und es ist mit Schädigungen der Lunge und/oder der luftgefüllten Kopfhöhlen zu rechnen. Geschulte Apnoetaucher:innen kennen ihre physiologische Tiefengrenze und beachten diese.

Evolution bei den Bajau: Diese Seenomaden sind genetisch ans Tauchen angepasst

Die indonesischen Seenomaden Bajau könnten glatt als Meerjungfrauen und Meermänner durchgehen. Seit Jahrhunderten leben sie vom und mit dem Meer. Sie verbringen Tage und Nächte auf schmalen Holzbooten, um bei Tauchgängen von bis zu fünf Minuten und in mehr als 40 Metern Tiefe Speerfischen zu gehen - ohne Sauerstoff, ohne Flossen. Ihr Dorf, das übersetzt so viel wie "feste Boote" heißt, liegt auf Stelzen im Meer.

Forschende um Melissa Llardo von der Universität Kopenhagen fanden in Studien heraus, dass die Bajau dank ihrer langen Tradition als Seenomaden genetisch ans Tauchen angepasst sind. Sie haben eine überdurchschnittlich große Milz, die beim Druck unter Wasser den Sauerstoff-Gehalt in ihrem Kreislaufsystem erhöht. Die Milz der Bajau ist laut den Studien doppelt so groß wie die des benachbarten Volkes der Saluan, das auf dem Land lebt.

Unser Reporter hat die Bajau besucht - begleite ihn unten im Video.

Anzeige
Galileo

Leben bei den Seenomaden

Die Bajau wohnen und schlafen auf ihren kleinen Booten, ihr Supermarkt ist das tropische Meer. Auf der Suche nach Nahrung tauchen sie bis zu vierzig Meter tief - ohne Pressluft, Tauchanzug oder Blei. Der Seenomade auf Probe, Matthias Fiedler besucht sie und geht an seine körperlichen Grenzen - ob bei der Unterwasserjagd mit Eigenbau-Harpune oder beim Schlafen auf dem offenen Meer. Ist der Galileo-Reporter in der Lage, ein Leben auf dem Wasser zu meistern?

  • Video
  • 18:19 Min
  • Ab 12

Du möchtest Apnoetauchen lernen? Der VDST gibt Tipps

🥽 Einfach mal spontan ins Wasser hüpfen und tief abtauchen? Laut den Apnoe-Ausbildern Ralf Hildebrandt und Ulrich Wolf keine gute Idee. Sie sagen:

☝️ Angehende Freitaucher:innen sollten auf jeden Fall fit sein. Eine tauchmedizinische Untersuchung ist für sicheres Apnoetauchen unabdingbar.

👌 Am besten und sichersten lernst du Apnoetauchen über einen Verein. Der VDST etwa hat langjährig entwickelte Spezialkurse im Angebot, in denen physiologische Grundlagen, Atem- und Tauchtechniken vermittelt werden.

✋ In den Kursen lernt man auch eine Reihe wichtiger Regeln für sicheres Apnoetauchen kennen - etwa, dass es Grenzen gibt. Beim VDST gibt es davon drei entscheidende, damit unsere Schüler:innen sicher tauchen: 25 Meter im Tieftauchen, 75 Meter im Streckentauchen und drei Minuten im Zeittauchen.

🤝 Apnoetauchen ist ein Team-Sport. Es gilt der Grundsatz, tauche nie allein! Dein:e Partner:in kommt dir zum Beispiel beim Tieftauchen auf halber Strecke entgegen und begleitet dich sicher zur Wasseroberfläche, denn ein mögliches Blackout (Ohnmacht unter Wasser) kann man nicht ausschließen. Dieser Grundsatz gilt auch für das Strecken-und Zeittauchen.

Anzeige

Was ist ein Tiefenrausch?

🌊 "Im Rausch der Tiefe" heißt ein bekanntes Drama um zwei wetteifernde Apnoetaucher. Der sogenannte "Tiefenrausch", bei dem Tauchende in einen benebelten Zustand geraten, kann beim Apnoetauchen laut den Tauchlehrern Ralf Hildebrandt und Ulrich Wolf vom VDST aber "nahezu ausgeschlossen werden."

🌊 Denn der Rausch entsteht durch eine Stickstoffnarkose beim Gerätetauchen mit stickstoffhaltiger Pressluft, und diese wird beim Apnoetauchen gar nicht verwendet.

🌊 Hingegen sei das Risiko für einen Tiefenrausch beim Gerätetauchen bei längerem Aufenthalt in über 30 Metern Tiefe also deutlich höher.

FAQ zum Thema Apnoetauchen

Mehr News und Videos
Schmetterlingseffekt im All: Schon kleinste Fehler haben oft dramatische Folgen für eine Mondmission.
News

Mondmissionen: Warum es so schwierig ist, auf dem Mond zu landen

  • 23.02.2024
  • 08:54 Uhr

© 2024 Seven.One Entertainment Group