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Jens Spahn im Studio bei Matthias Opdenhövel und Linda Zervakis

Knapp sechs Monate ist es her, dass die Dokumentation "Pflege ist #NichtSelbstverständlich" auf die Situation von Pflegekräften in Deutschland aufmerksam gemacht hat. Auf einer Pressekonferenz hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn damals auf die TV-Ausstrahlung reagiert und versichert, um die Dringlichkeit des Themas zu wissen.

"Es ist gut, dass die Pflege jetzt in der Primetime läuft", so der CDU-Politiker wörtlich. "Pflegekräfte verdienen unseren Respekt, unser Dankeschön, aber vor allem bessere Arbeitsbedingungen."

Im Clip: Ein halbes Jahr nach #Nichtselbstverständlich - Was hat sich getan?

Talk mit Jens Spahn: Was hat sich in der Pflege getan?

Doch was hat sich in der Pflege im vergangenen halben Jahr wirklich getan? Bei "Zervakis & Opdenhövel. Live" traf Jens Spahn am Montagabend auf Intensivpflegerin Meike Ista, Protagonistin der Doku, und wird direkt mit den Vorwürfen von ihr und ihren Kolleg:innen konfrontiert.

Bereits im Einspieler vor dem Talk sind deutliche Worte zu hören: "Von Herrn Spahn erwarte ich gar nichts mehr", sagt Krankenschwester Franziska Böhler. "Es war genug Zeit. Es gab genug Appelle. Demonstrationen. Vorschläge. Passiert ist nichts."

Jens Spahn sieht das deutlich anders. "Pflege war vom ersten Tag an eines meiner Hauptthemen", erwidert er in der Sendung. Mit Verweis auf die erfolgten Tariferhöhungen erklärt der Bundesgesundheitsminister, dass in keinem anderen Bereich die Löhne so stark gestiegen seien wie in der Pflege. Er sei "der erste Minister, der Personal-Untergrenzen eingeführt hat", so Spahn weiter.

Das festgelegte Verhältnis zwischen Patient:innen und Pflegepersonal verhindere, dass sich Kliniken auf Kosten des Pflegepersonals gesundsparten.

Im Clip: Jens Spahn im Livetalk über die Pflege-Reformen

Pflegerin Meike Ista widerspricht dem Minister

Meike Ista findet ihren Arbeitsalltag mit den Worten des Gesundheitsministers nicht treffend beschrieben. "Das ist definitiv nicht die Realität", sagt die Krankenpfegerin. "Die Personaluntergrenzen werden unterschritten."

"Dann zahlt das Klinikum Strafe", antwortet Spahn. Die Verantwortlichkeiten sieht er bei anderen: "Ich nenne es das Henne-Ei-Problem. Wir können die Situation nur verbessern, wenn insgesamt mehr mitmachen, aber es wollen nur mehr mitmachen, wenn sich die Situation verbessert hat." Es läge an den Pflegekräften selbst, das Vertrauen in eine Verbesserung der Situation zu vermitteln.

Mehr zum Thema: Zahlen und Fakten zum aktuellen Pflegenotstand in Deutschland 

Zur Person: Das ist Jens Spahn

Jens Spahn wurde 1980 im nordrhein-westfälischen Ahaus geboren. 1995 engagierte er sich zunächst in der Jungen Union, bevor er 1997 der CDU beitrat. Spahn hat eine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen und ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestags.

Neben dieser politischen Tätigkeit machte er mittels Fernstudium seinen Abschluss in Politikwissenschaft. Seit 2018 ist Jens Spahn Bundesminister für Gesundheit, seit Anfang 2021 außerdem stellvertretender Parteivorsitzender der CDU.

Zur Person: Das ist Meike Ista

Meike Ista ist Krankenpflegerin an der Uniklinik Münster. Im Rahmen dieser Tätigkeit trat sie als Protagonistin der Dokumentation "Pflege ist #NichtSelbstverständlich" auf.

Die von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf initiierte Sendung zeigte den Joballtag, die Arbeitsbedingungen und die verantwortungsvollen Aufgaben der Intensivpflegerin - ungekürzt als komplette Schicht, sieben Stunden lang auf ProSieben. Das Programm wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet und Meike Ista erhielt für ihre Beteiligung die Ehrung "Botschafterin der Pflege".