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Erste Erklärung: Darum haben manche Menschen heftige Impfreaktionen - und andere keine

18.01.2022 • 11:50

Manche liegen zwei Tage lang flach, andere haben ein bisschen Schüttelfrost und Fieber oder der Oberarm tut ihnen weh. Und wieder andere haben einfach gar nichts. So unterschiedlich sind die Impfreaktionen auf die Corona-Impfung. Ganz egal, ob es sich dabei um die erste, zweite oder dritte Injektion handelt.

Warum das so ist, ist auch über ein Jahr seit dem Beginn der Covid-Impfkampagne in Deutschland noch nicht geklärt. Allerdings gibt es jetzt einen sehr vorsichtigen Hinweis auf mögliche Ursachen. So gibt es Anhaltspunkte, dass vor allem Patienten mit einer entzündlichen Erkrankung möglicherweise ein höheres Risiko haben, stärker auf die Corona-Impfung zu reagieren.

Diese Krankheiten können Impfreaktion verstärken

Das äußerte jetzt der Immunologe Hendrik Schulze-Koops im Nachrichten-Podcast "Wieder was gelernt" des Nachrichtensenders n-tv. Als Beispiel für solche Krankheiten nennt er rheumatische, gastrointestinale und neurologische Erkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder chronische Darmentzündungen, beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Zu den bekanntesten neurologischen Erkrankungen zählen unter anderem Parkinson, Multiple Sklerose oder Epilepsie. Je besser die Erkrankung klinisch im Griff sei, so der Immunologe, desto geringer das Risiko eine schwere Impfreaktion zu erleiden.

Jedes Immunsystem reagiert individuell

Einen weiteren Grund für die unterschiedliche Impfreaktion sieht Carlos A. Guzmán, Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Er äußerte in der "Apotheken Umschau": "Das Immunsystem ist ein hochkomplexes System mit vielen verschiedenen Botenstoffen. Je nachdem, welche Signalwege besonders ausgeprägt sind und welche Zellen und Substanzen mehr oder weniger vorkommen, unterscheidet sich auch die Reaktion von Mensch zu Mensch."

Östrogen hat Auswirkung auf Impfreaktion

Ein spannender Aspekt ist außerdem, dass Frauen deutlich häufiger von stärkeren Impfnebenwirkungen betroffen sind als Männer. Zu dem Ergebnis kam eine Studie des US-Center for Disease Control. Als Grund dafür vermutet man das Hormon Östrogen, das bei Frauen vor allem in den Eierstöcken, aber auch in der Plazenta und der Nebennierenrinde produziert wird. Das sogenannte Steroidhormon wirkt nicht nur auf den Stoffwechsel und die Knochenbildung ein, sondern ist auch dafür bekannt, eine stärkere Immunantwort hervorzurufen.

In Bezug auf die unterschiedlichen Impfreaktionen sind immer noch viele Fragen ungeklärt, doch in einem Punkt sind sich die Forscher einig: Wie stark oder schwach die Reaktion auf eine Impfung ausfällt, sagt nichts über ihre Wirksamkeit aus.