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Noch ist die Entscheidung ums Weiße Haus nicht gefallen, schon jetzt ist im US-Präsidentschaftswahlkampf allerdings klar: Das Popular Vote geht wohl an Herausforderer Joe Biden, der 72 Millionen Stimmen sammeln konnte und damit etwa 3,4 Millionen Stimmen mehr als US-Präsident Donald Trump. Das bedeutet aber auch, dass über 68,6 Millionen Amerikaner Trump gewählt haben – für viele Experten eine überraschend hohe Zahl.

Treue Stammwähler

Vor allem auf seine Stammwähler kann sich Trump verlassen. Mit seinem angekündigten Handelsstreit mit China sowie seinen Maßnahmen gegen Einwanderer hat er wichtige Versprechen aus seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf gehalten. Zwar ist die Mauer zu Mexiko nicht fertig – und Mexiko bezahlt schon gar nicht dafür – trotzdem setzte Trump teilweise harte Maßnahmen gegen Einwanderer durch. Das kam an.

Gerade seiner überwiegend weißen Wählerschaft konnte Trump das Gefühl geben, sich um sie zu kümmern. Bis zur Corona-Pandemie lief die Wirtschaft in den USA sehr gut. Zwar hatte diese Entwicklung nach der Finanzkrise 2008 bereits unter seinem Vorgänger Barack Obama eingesetzt, Trump brüstete sich allerdings immer wieder mit den ausgezeichneten Wirtschaftsdaten in seiner Amtszeit.

Das Image des Dealmakers

Insbesondere die konservative weiße Arbeiterklasse hatte sich von Obama vernachlässigt gefühlt. Trump brachte sie mit seinen Slogans „Make America great again“ und „America first“ hinter sich und versprach ihnen Aufmerksamkeit und Arbeitsplätze.

Beim Thema Wirtschaft kommt Trump natürlich auch sein eigenes Image sehr zu gute. Zeit seines Lebens hat sich Trump als erfolgreicher Geschäftsmann inszeniert – bis hin zur eigenen Reality-Show "The Apprentice" und seinem Buch "The Art of the Deal". Viele seiner Wähler sprechen ihm große wirtschaftliche Fähigkeiten zu. Und hoffen, dass er ihnen damit ihre Arbeitsplätze und damit auch ihren Wohlstand sichert.

Pandemie-Versagen ohne Folge für Trump

Zwar brach die US-Wirtschaft in der Corona-Pandemie ein und bei den Infektions- und Todeszahlen liegen die USA weltweit an der Spitze. Doch Trumps Versagen im Kampf gegen Corona nahmen ihm seine Wähler nicht übel.

Möglicherweise hat hier seine Rhetorik geholfen. Trump hat die Gefahr durch Corona zunächst kleingeredet, dann die Verantwortung für die Pandemie China zugeschoben. Gerade über Twitter hat er immer sogar seine eigenen Experten attackiert – doch seine Anhänger vertrauen ihm unbeirrt.

Trumps Rolle bei den "Black Lives Matter"-Protesten

Zur Corona-Pandemie kamen im Sommer die teilweise gewaltsamen Proteste gegen Polizeigewalt. Trump selbst zeigte der "Black Lives Matter"-Bewegung gegnüber keine Empathie, stattdessen wütete er gegen angeblich linke Radikale und verteidigte die Arbeit der Polizei.

Bei seiner Wählerschaft, die in immer größerer Angst lebt, gegenüber Latinos und anderen Bevölkerungsgruppen in die Minderheit zu geraten, fand das große Zustimmung. Trumps "Law and Order"-Rufe gaben seinen Wählern das Gefühl, der Mann im Weißen Haus steht auf ihrer Seite und beschützt sie. Sie dankten es ihm mit ihrer Stimme.

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