- Bildquelle: Marc Rehbeck © Marc Rehbeck

+++ Update 25.02.2021 +++

Wie hat Soulin ihre Kindheit in Aleppo in Erinnerung? In Folge 4 sind die anderen Topmodel-Anwärterinnen neugierig und stellen Soulin interessiert Fragen – und sind von den Antworten äußerst berührt.

"Darf ich ich was Persönliches fragen?", fragt Alex unvermittelt. "Hast du auch selber mitbekommen, was in Syrien abgeht?", will sie von Soulin wissen. "Ja, ich hab in Aleppo gewohnt. Da ist es eher später dazu gekommen, wir haben es ein paar Monate erlebt. Aber man hat immer gehört: 200 Kilometer von uns entfernt sind Leute, die jeden Tag sterben, tausende Menschen", beginnt das Model. Die anderen Mädchen haben sich im Wohnzimmer um sie herum versammelt und hören gebannt zu.

"Ich war so jung, als ich das mitbekommen habe mit dem Krieg", erklärt Soulin im Interview. "Man hat in dem Moment nicht wirklich gerafft, was um einen rum passiert, weil, man hat es in Filmen gesehen und auf einmal lebt man in einem Film. Auf einmal hört man das draußen, man sieht es und man kann es nicht glauben in diesem Moment."

Soulin: "Ich habe meine Freunde nicht verabschiedet"

"Vermisst du es manchmal?", fragt Elisa vorsichtig. "Ja natürlich, das ist ein Teil von mir, das ist Heimat. Ich war, bis ich elf war, da, ich hatte alle meine Freunde dort. Ich habe meine Freunde nicht verabschiedet und auch mein Klavier ist dageblieben."

Diese einschneidenden Erlebnisse haben Soulin geprägt. Doch das sieht sie auch positiv: "Ich bin auch stolz darauf, was für ein Mensch aus mir geworden ist, und deswegen erzähle ich auch gerne den Weg dorthin. Manchmal habe ich das Gefühl, wenn ich das erkläre, dann können die besser nachvollziehen, warum ich so bin und manchmal so und manchmal so reagiere."

Ihr großer Traum ist es, einen Unterschied zu machen: " (…) dass ich durch GNTM die Stimme hätte und etwas ändern könnte. Bis jetzt hat es keine syrische Frau oder kein syrischer Mann ins Fernsehen geschafft. [In eine Show], die auch kleine Kinder gucken."

+++ Update 11.02.2021 +++

In Folge 2 lernen sich die Teilnehmerinnen von "Germany's Next Topmodel" 2021 besser kennen. Die 25 Mädchen, die nach der ersten Folge weitergekommen sind, beziehen gemeinsam ein Loft in Berlin. Dort wird nicht nur fleißig geübt, sondern es findet sich auch Gelegenheit für persönliche Gespräche. Dadurch erfahren auch wir mehr über die Model-Anwärterinnen.

Soulin erzählt aus ihrer Vergangenheit

Im Model-Loft stehen Alex, Yasmin und einige andere Mädchen mit Soulin beisammen und hören ihre bewegende Geschichte. Die Anteilnahme ihrer neuen Mitbewohnerinnen freut Soulin: "Ihr seid so süß grade."

"Als der Krieg ausgebrochen ist, bin ich mit meinen Eltern aus Syrien geflüchtet", erzählt Soulin. Mit der Ankunft in Deutschland begann für sie zunächst eine schwere Zeit. Ohne Sprachkenntnisse sei es schwierig gewesen, Anschluss zu finden. "Am Anfang hatte ich keine Freunde", erinnert sich Soulin.

Soulin spricht zu den anderen Mädchen ganz offen über die negativen Erfahrungen, die sie gemacht hat: "Ich hatte ein Jahr horrormäßig… Hab jeden Tag geweint, ich wurde gemobbt von allen Leuten, also ich war wirklich allein. Es gab nicht mal einen, der zu mir gestanden ist."

Selbstbewusstes Sprachtalent

Doch Soulin hat die deutsche Sprache schnell gelernt. Model-Mitbewohnerin Yasmin kann kaum glauben, als Soulin sagt: "Also ich bin erst seit 5 Jahren hier, es ist kein Thema." "Was? Du bist akzentfrei!", bemerkt Yasmin erstaunt. Heute ist Soulin wichtig, dass man sie nicht ignoriert und Kritik ihr gegenüber direkt anbringt. Sie zeigt sich entschlossen: "Ich lass mich nicht von etwas irgendwie runterbringen oder so." Yasmin ist von Soulins Einstellung begeistert. "Geiles Statement", sagt sie.

+++ Update 05.02.2021 +++

In der 1. Folge von "Germany’s Next Topmodel" 2021 spricht Soulin mit ihrer Mutter über ihre Flucht aus Syrien und den Weg nach Deutschland über die Türkei: "Es ist wirklich nicht einfach, von null anzufangen. Wir haben unsere Wohnung verloren, unsere Arbeit, ich war dort 17 Jahre lang Lehrerin. Auf einmal habe ich alles verloren", erzählt die Mutter 19-Jährigen. "Seit fünf Jahren lebt die Familie nun in Deutschland. " Ich habe viel geweint, aber ich hatte ein Ziel, eine Ambition. Ich wollte wie früher sein und ich habe gekämpft", erzählt Soulins Mutter weiter. Bei diesen Worten nimmt ihre Tochter sie in den Arm. "Mama, du bist mein größtes Vorbild", sagt Soulin mit belegter Stimme.

Auch für Soulin war es anfangs schwierig, sich in Deutschland zurechtzufinden. Sie hatte viele Hürden zu meistern. Aber sie hat sich durchgekämpft und ihr Abitur bestanden. Mit dieser Einstellung tritt sie nun auch bei GNTM an. Ihr großes Ziel ist es, "Germany’s Next Topmodel" 2021 zu werden, aber ihr ist es auch wichtig, eine Botschaft zu vermitteln: "Dass jeder Mensch gleich ist und jeder Mensch das Recht hat, in einem guten Heim zu wohnen und das Recht genießen darf ein Mensch zu sein."

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In der 16. Staffel von GNTM geht es um persönliche Geschichten. Soulin sagt, davon könne sie genug erzählen. 

Im Clip: Soulin: "Ich hab' genug Geschichten zu erzählen"

Soulin: "Es hätte uns auch treffen können, dass wir übers Mittelmeer hierhin reisen" 

Bis Soulin elf Jahre alt war, lebte sie mit ihren Eltern in Syrien. Dann brach der Krieg aus und ihre Welt stand Kopf: "Man hat Bomben gesehen, man hat Helikopter gesehen, alles Mögliche", erinnert sich die jetzt 19-Jährige.  

Ihre Eltern mussten schnell handeln. Ihre Priorität war die Zukunft ihrer Tochter. Getrieben von der Angst, dass sich die Lage noch weiter verschlimmern könnte, beschlossen Soulins Eltern, ihre Koffer zu packen – für einen Urlaub in der Türkei.  

"Sie haben sich dazu entschieden, in der Türkei einen Urlaub zu machen", erzählt Soulin und macht mit ihren Fingern Anführungszeichen, als sie von ihrem Urlaub in der Türkei spricht. Sie fügt hinzu: "Das war das letzte Mal, dass ich Syrien gesehen habe." 

Die nächsten drei Jahre verbachte Soulin in der Türkei. Am Tag ihres Schulabschlusses erhielten ihre Eltern die Zusagen der Deutschen Botschaft. Soulin ist dankbar, sie weiß, für sie und ihre Eltern hätte es sich auch ganz anders abspielen können: "Es erleben andere Leute so viel schlimmer. Es hätte auch uns treffen können, dass wir übers Mittelmeer hierhin reisen müssen oder über andere illegale Wege." 

Soulin schaut nach vorne  

Ihre Heimat vermisst sie, denn Syrien wird immer ein Teil von ihr bleiben. Doch sie weiß auch, dass sie hier angekommen ist. Sie möchte ihre Leidenschaft leben und Model werden: "Seit ich klein bin, stand ich vor dem Spiegel, hab mich angeguckt, hab Posen gemacht, hab getanzt und habe gemerkt, es ist nicht nur just for fun, ich liebe es, vor der Kamera zu sein!"  

Unterstützt wird sie von ihrem Freund. Er war es, der ihr den Link zur Anmeldung geschickt hat: "Man muss nur ihr Lachen anschauen, ihre Energie ... Personality ist so das Thema bei 'Germany's Next Topmodel' und das Gesamtpaket steht hier vor mir", erzählt er strahlend. Für diese Worte bekommt er prompt eine Umarmung von Soulin. 

Bereit ein Zeichen zu setzten  

Für die Abiturientin ist "Germany's Next Topmodel" mehr als nur ein Titel: "Es ist eine Botschaft", sagt sie. "Ich möchte etwas erreichen und den Leuten zeigen: 'Hey, hier bin ich. Das bin ich, ich hab’ viel erlebt, ich bin mehrmals gestolpert, ich hatte meine Tiefpunkte, aber hier bin ich, ich bin angekommen!" 

"Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum" – die 16. Staffel ab 4. Februar 2021, immer donnerstags, um 20:15 Uhr auf ProSieben und auf Joyn

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