- Bildquelle: Katharina Konte © Katharina Konte

Mein erster Kontakt mit dem veganen Lifestyle? Ein Pausenbrot meiner Freundin Caro. Sie hielt es mir unter die Nase mit den Worten: „Fast wie Mortadella, probier mal!“ Der gräuliche Soja-Aufschnitt erinnerte geschmacklich eher an Pappe mit Salz - und roch entfernt nach Brühwürfel. Das war Mitte der 90er, seitdem hat sich nicht nur im Food-Bereich viel getan. Besonders der Beautymarkt bietet uns heute unzählige vegane Alternativen, die nicht nur Tierwohl und Umwelt schützen sollen, sondern dabei auch ansprechend aussehen und toll duften. 

Kein Wunder, dass die Nachfrage steigt und es auch einem kleinen, inhabergeführten Label wie „Jean & Len“ innerhalb kürzester Zeit gelingt die Drogerien zu erobern - erst mit Duschgel und Körperpflege, inzwischen auch mit veganen Düften, wie ich neulich in deren Online-Shop entdeckte. Ich war auf der Suche nach meiner liebsten Handseife, die im Laden ausverkauft war. Parfüms bestelle ich eigentlich nur online, wenn ich den Duft schon kenne, aber meine Neugier war größer – und die Investition von unter 20 Euro für ein Eau de Parfum aus der „Alchimiste“-Serie überschaubar. 

Außerdem klang die Beschreibung von „Jasmin Diva“ einfach zu verlockend: Wer will nicht nach einem „Hauch pudriger Anmut“ duften? Und tatsächlich ist die Kreation mit Jasmin, Rose und Patchouli überraschend vielschichtig und gelungen. Das hat mich direkt neugierig gemacht auf noch mehr nachhaltige Düfte und vegane Parfüms. Meine schönsten Entdeckungen teile ich natürlich gerne mit euch!  

Warum nicht alle Düfte und Parfüms vegan sind

Ich gestehe: Als ich das erste Mal von veganem Parfüm gehört habe, hatte ich zunächst Fragezeichen in den Augen. Was bitte sollte denn an einem Duft nicht vegan sein? Tatsächlich setzt man tierische Inhaltsstoffe schon seit der Antike in der Parfümproduktion ein. Die animalischen Aromen, von denen die meisten pur eher abstoßend als anregend riechen, werden dafür extrem verdünnt und sehr reduziert beigemischt. Sie verleihen einem Duft Tiefe sowie Wärme und sorgen dafür, dass Parfüms länger auf der Haut haften bleibt. Die bekanntesten sind:

  • Moschus
  • Castoreum (Bibergeil)
  • Zibet
  • Ambra

Achtung, gleich wird's gruselig! Hinter dem klangvollen Ambra steckt Unverdautes aus dem Magen des Pottwals, das dieser ausscheidet und dann in wachsartigen Klumpen im Meer herumschwimmt. Durch das Treiben im Wasser entwickelt sich erst das angenehme Aroma. Zibet, Castoreum und Moschus sind Drüsensekrete, welche die Tiere als Sexuallockstoffe einsetzen. Für die begehrten Duftstoffe müssen Zibetkatzen, Biber und Moschushirsche auch heute noch leiden oder sogar sterben. Klingt für mich eher nach Horrorshow als nach Haute Parfumerie!   

Ihr ahnt es schon - jetzt kommt das “Aber”: In modernen Parfüms werden echtes Ambra, Bibergeil und Co.  kaum noch verwendet. Einerseits, weil sie schlicht und ergreifend zu teuer sind. Je nach Qualität kann ein Kilo Ambra rund 30.000 Euro wert sein. Andererseits ist auch in der Parfümindustrie ein Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit, Tierwohl und Umweltschutz spürbar. Und die Verwendung von tierischem Moschus ist in der EU ohnehin seit 1979 verboten. 

Wenn ihr also in der Duftbeschreibung Ambra und Moschus lest, handelt es sich in den allermeisten Fällen um synthetische Nachbildungen oder pflanzliche Extrakte mit ähnlichem Aroma. Fans dieser beiden sinnlichen Nuancen werden bei einem der Vorreiter ökologischer Parfümproduktion fündig: dem veganen Duftlabel „Clean Reserve“. Ganz neu im dortigen Sortiment ist „Lush Fleur“ mit Mandarine und Himbeere in der Kopfnote, Jasmin und Rose im Herz auf einer Basis von Moos, Ambra und Moschus.

Clean Reverse
Jasmin, Himbeere und ein feiner Hauch von Ambra und Moschus – „Lush Fleur“ von Clean Reverse lädt zum Träumen ein! © SrdjanPav

Naturkosmetikdüfte und naturnahe Parfüms

In Sachen Pflege und Kosmetik habe ich schon vor ein paar Jahren mein grünes Gewissen entdeckt und greife von der Gesichtscreme bis zur Mascara bevorzugt zu Naturkosmetikmarken, die häufig auch vegane Produkte im Sortiment haben. Ausnahme? Parfüm! Das lag schlicht und einfach daran, dass sich das, was es an Bioparfüms in veganer Qualität so gab, nicht besonders lange hielt – weder im Flakon noch auf meiner Haut. Und dass viele Naturkosmetikdüfte mich weniger an edle Eaux, sondern eher an „Echt Kölnisch Wasser“ erinnerten. (Fun fact am Rande: Das klassische 4711 – ja genau, das grüngoldene Fläschchen, das bei Oma im Bad steht – ist übrigens tatsächlich vegan!)

Seitdem hat sich einiges getan. So gelingt es etwa der Schweizer Duftmanufaktur Farfalla Düfte zu kreieren, die gleichzeitig bio, vegan und dabei überzeugend komponiert sind. Darunter die Bestseller der Marke wie „Aura 1968“ oder „Nomad“. Weitere Naturkosmetiklabels, die vegane Düfte im Sortiment haben:

  • Alverde
  • PonyHütchen
  • Alterra
  • Taoasis
  • Speick Naturkosmetik

Reine Naturkosmetikdüfte können allerdings gelegentlich, sagen wir, etwas speziell für unsere konventionell geprägten Nasen anmuten. Eine gute Übergangslösung? Naturnahe, vegane Düfte, wie etwa „Midnight Dahlia“ von Korres mit Lychee und Pfingstrose oder oriental“ von COLABO, einer neuen nachhaltigen Marke, deren Inhaltsstoffe zu 90 Prozent natürlichen Ursprungs sind und wenige synthetische Noten enthalten, die das Parfüm ein bisschen gefälliger machen. 

Colabo
COLABO – eine neue nachhaltige Beauty-Brand mit veganen Düften – versüßt uns mit „oriental“ das bevorstehende Erwachen der ersten Frühlings- und Frühjahrsblüher! © AleksandarNakic

Sind vegane Düfte immer tierversuchsfrei?

Tierversuche für Kosmetik sind ja schon seit 2013 in der EU verboten. Und in meinen Augen sollten an Tieren getestete Düfte automatisch auch als nicht vegan gelten. Das Problem: Leider gibt es für einige Rohstoffe, die auch für Kosmetik und Düfte verwendet werden, doch wieder Schlupflöcher.
Wenn ihr also ganz sicher gehen wollt, prüft das Label in der PETA-Liste für tierversuchsfreie Kosmetik oder achtet beim Kauf auf ein veganes Siegel, wie die Veganblume der Vegan Society. Der Duftklassiker „White Musk“ von The Body Shop wurde übrigens erst kürzlich damit zertifiziert. Das hat mich total gefreut, da ich den Duft mit Jasmin, Maiglöckchen und Moschusnote seit Jahren immer wieder gerne trage und sehr empfehlen kann. Bis Ende 2023 will das Unternehmen sogar das komplette Sortiment auf vegan umstellen. Na also, geht doch!

Von der Nische zum Trend: Wie vegane Düfte den Markt erobern

Aber auch die ganz großen Kosmetikkonzerne haben inzwischen Wind davon bekommen, dass man mit veganer Kosmetik nicht nur total im Trend liegt, sondern auch „gutes“ Geld verdienen kann: Laut einer amerikanischen Untersuchung liegt das weltweite Potential bis 2027 bei über 18 Milliarden Euro. Duft-Marktführer Coty setzt in der Parfümproduktion daher seit letztem Jahr nicht nur auf nachhaltigen Alkohol, sondern hat mit dem neuen „Eau de Parfum Naturelle“ von Chloé einen Duft lanciert, der nicht nur vegan ist, sondern ausschließlich Duftstoffe natürlichen Ursprungs sowie natürlich gewonnenen Alkohol und Wasser enthält. Nach eigenen Angaben testet Coty nicht an Tieren und vertreibt die Duftneuheit auch nicht in China, wo Tierversuche bei importierter Kosmetik immer noch Pflicht sind. Es tut sich also was auf dem veganen Parfümmarkt!

Chloé
Vegan und ausschließlich Duftstoffe natürlichen Ursprungs – der neue Duft von Chloé „Eau de Parfum Naturelle“ ist die Duftneuheit auf dem tierversuchsfreiem Parfümmarkt! © LeoPatrizi

Ob ich jetzt komplett zu veganen Duft-Alternativen wechsel? Schwierig. Zu viele meiner liebsten Duftlabels haben entweder noch keine vegane Kennzeichnung – obwohl viele vermutlich längst vegan sind – oder exportieren ihre Düfte nach wie vor in Länder, in denen Tierversuche weiterhin vorgeschrieben sind. Aber ich habe mehr als genug vegane Parfüms entdeckt, die mich so begeistern, dass ich mich im diesjährigen Veganuary den ganzen Januar über nicht nur probeweise komplett vegan ernähren, sondern auch nur vegane Düfte nutzen möchte. Macht ihr mit?

Meine Top 10 vegane Düfte und Parfüms für 2022

  • „Midnight Dahlia“ von Korres, EdT, 100 ml, um 40 Euro
  • „Eau de Parfum Naturelle“ von Chloé, EdP, 30 ml, um 67 Euro
  • „Jasmin Diva“ von Jean & Len, EdP, 50 ml, um 20 Euro
  • „White Musk” von The Body Shop, EdP, 30 ml, um 28 Euro
  • „Alien“ von Mugler, EdP, 60 ml, um 95 Euro
  • „Fleurs de l’Himalaya“ von Rituals, EdP, 60 ml, um 42 Euro
  • „Lush Fleur“ von Clean Reserve, EdP, 100 ml, um 110 Euro
  • „Set Naturparfüm“ von Farfalla, EdP, 5x2 ml, um 16 Euro
  • „Naturduft Glücksoase“ von Alverde, EdP, 50 ml, um 10 Euro
  • „Natural Aktiv“ von Speick Naturkosmetik, EdC, 100 ml, um 12 Euro

Der Artikel stammt von unserer Kolumnistin Katharina von Freyburg, Online-Redakteurin im Digital-Team von Emotion, der Frauenzeitschrift rund um Persönlichkeit, Psychologie und Lifestyle.

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