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Im Clip: Not bei den Tafeln in Deutschland

Die Zahl war schon vor der Ukraine-Krise, vor den stetig steigenden Sprit- und Supermarktpreisen erschreckend hoch: 1,65 Millionen Menschen sind regelmäßig auf die Unterstützung mit Lebensmitteln durch die Tafeln angewiesen. Die rund 60.000 Mitarbeitenden der Tafel "machen einen mega-tollen Job", lobt TV-Moderator Jörg Pilawa, der den gemeinnützigen Verein seit 2018 als Botschafter unterstützt. 

Doch es wird eng an den Lebensmittel-Ausgaben. Zum einen kommen angesichts der Preisspirale immer weniger Menschen mit ihrem Lohn bis ans Monatsende aus, zum anderen sind auch viele Ukraine-Geflüchtete auf die Tafeln angewiesen. Und: Die Spenden werden weniger, weil auch der besser verdienende Teil der Bevölkerung derzeit lieber das Geld spart, als es zu verteilen.

"Zervakis & Opdenhövel. Live.": Besuch bei der Hamburger Tafel

Horst Lantsch, Leiter der Ausgabestelle der Hamburger Tafel, schlägt Alarm: "Wir haben Aufnahme-Stopp, wir haben 153 Familien mit rund 368 Personen, die wir jetzt versorgen. Und mehr können wir nicht." Es sei das erste Mal, dass der Verein in Hamburg Menschen abweisen müsse, weil es nicht genug Ware für all die Bedürftigen gibt.

Gegründet wurden die Tafeln vor knapp 30 Jahren. Im Zentrum stand damals die Idee, überschüssige Lebensmittel nicht wegzuwerfen, sondern an diejenigen weiterzugeben, die nicht genug zu essen haben. Damals konnten sich die Tafeln kaum retten vor Sachspenden. Heute hingegen sieht das anders aus; Spenden müssen mühsam per Telefon akquiriert werden.

Jörg Pilawas Urteil: "Die Politik schläft"

Bei der Tafel engagieren sich vor allem Ehrenamtliche wie Florian Herrmann, 25 Jahre alt. Wenn er abends nach Hause geht, fühle er sich "geschafft und glücklich", verrät er Jörg Pilawa. Der findet diesen Einsatz natürlich klasse. Andererseits sieht er aber, dass hier die Politik eine ihrer ureigenen Aufgaben – die Versorgung der Bürger:innen – an einen Verein abgeschoben hat. "Die Politik schläft meiner Meinung nach", klagt Pilawa.

Das, was die Tafeln jährlich in Sachen Grundsicherung leisten, würde im Jahr einen Betrag von rund drei Millionen Euro ausmachen. "Was sind in einem Land wie Deutschland drei Millionen Euro, wo wir momentan Milliarden raushauen?" Die Politik müsse endlich handeln, findet Pilawa. Nur drüber diskutieren? "Reicht nicht."

Ricarda Lang im ProSieben-Journal

Was sagt die Politik dazu? #ZOL schaltet zur Politikerin Ricarda Lang von Bündnis 90 / Die Grünen. Die verweist auf Versäumnisse in den letzten Jahren hinsichtlich der Grundversorgung der Menschen. Und auf geplante Maßnahmen wie die Bekämpfung der wachsenden Armut in Deutschland durch Kindergrundsicherung und Erhöhung des Mindestlohns. 

Im Clip: Ricarda Lang: "Die Menschen müssen mehr auf dem Konto haben."

Was die Regierung jetzt tun könnte. Und wie jeder helfen kann

Jörg Pilawa geht all das zu langsam, er hat eine bessere und vor allem schnellere Idee: Was wäre, wenn 10.000 Haushalte in Deutschland, die nicht finanziell angewiesen sind auf die vom Staat versprochenen 300 Euro Energiepauschale, dieses Geld den Tafeln spenden? "Super Vorschlag", sagt Ricarda Lang: "Ich bin dabei."

Pilawa fordert außerdem ein Gesetz, das Lebensmittelvernichtung unter Strafe stellt. Eine Regelung, die es so beispielsweise bereits in Frankreich gibt: "Das kann man ganz, ganz schnell umsetzen." Aber auch das Ehrenamt müsse besser unterstützt werden, etwa durch die Möglichkeit, kostenfrei mit dem Personennahverkehr zur Tafel zu kommen. Und: Man müsse dringend Wege finden, dass der Gang zur Tafel nicht mehr als Schande empfunden wird. Wenn diese umgewandelt würden zu Orten der Begegnung für alle Menschen, würden sich auch diejenigen am Rand der Gesellschaft eher angenommen fühlen.

Den Tafeln helfen: So geht's

Du möchtest die Tafeln unterstützen, etwa mit einer Geld- oder Sachspende oder mit ehrenamtlichem Engagement? Unter www.tafel.de/spenden/ kannst du nachlesen, wie du helfen kannst.

Welche Themen und Gäst:innen Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel in der nächsten Folge präsentieren, erfährst du am kommenden Mittwoch, 25. Mai 2022, bei "Zervakis & Opdenhövel. Live." um 21:25 Uhr auf ProSieben und auf Joyn.