- Bildquelle: Steven Paston/PA Wire/dpa © Steven Paston/PA Wire/dpa

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg fällt Wimbledon aus. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wird das bedeutendste Tennis-Turnier der Welt in diesem Jahr auch nicht zu einem anderen Termin nachgeholt, wie die Organisatoren am Mittwoch mitteilten. Ursprünglich sollte der Rasen-Klassiker vom 29. Juni bis 12. Juli in London ausgetragen werden. Nun soll die 134. Auflage der prestigeträchtigen Veranstaltung vom 28. Juni bis 11. Juli 2021 stattfinden.

Die Tennis-Organisationen ATP und WTA teilten kurz nach der Absage von Wimbledon mit, dass der komplette Tour-Betrieb bis zum 13. Juli ausgesetzt wird. Damit fallen auch die vier deutschen Rasen-Turniere in Stuttgart, Halle/Westfalen (beide Herren) sowie Berlin und Bad Homburg (beide Damen) aus.

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagte Ian Hewitt, Vorsitzender des All England Lawn Tennis Club. Angesichts der dramatischen Auswirkungen der Pandemie sei es aber im Sinne der öffentlichen Gesundheit die richtige Entscheidung.

Was wird aus den US Open?

Zuvor war bereits die komplette Sandplatz-Saison inklusive der French Open in Paris, die Ende Mai starten sollten, abgesagt worden. Der französische Tennisverband hatte die French Open eigenmächtig und offenbar ohne Absprache auf 20. September bis 4. Oktober verlegt - und dafür mächtig Kritik eingesteckt. Nur eine Woche zuvor enden die US Open, die angesichts der dramatischen Coronavirus-Situation in New York aber ebenfalls fraglich erscheinen.

"Natürlich hatten wir uns alle riesig auf die Premiere der Bad Homburg Open in wenigen Monaten im historischen Kurpark gefreut. Aber angesichts der aktuellen Lage rücken sportliche Belange erst einmal komplett in den Hintergrund. Momentan gibt es andere Prioritäten", sagte Angelique Kerber, die als Turnierbotschafterin des neuen Rasenevents fungiert.

"Es ist ein bedauerlicher Schritt. Aber er ist vor dem Hintergrund der aktuellen Situation alternativlos", sagte Ralf Weber, Turnierdirektor der Noventi Open in Halle, bei denen seit Jahren Roger Federer das Zugpferd ist. "Wir erleben schwierige Zeiten, wir werden jedoch daraus gestärkt hervorgehen", sagte der Schweizer Tennis-Star.

Boris Becker muss Kritik einstecken

Der dreimalige Wimbledon-Champion Boris Becker hatte sich dafür ausgesprochen, die Wimbledon-Entscheidung bis Ende April hinauszuziehen. "Geduld ist eine Tugend", hatte der 52-Jährige gesagt und dafür via Twitter deutliche Kritik eingesteckt.

Wann die Tennis-Tour überhaupt wieder zu einer Normalität zurückfinden kann, ist in der Tat fraglich. In kaum einer anderen Sportart sind Spieler, Trainer und Schiedsrichter so sehr auf weltweite Reisefreiheit angewiesen. Der Boss der Australian Open zeichnete bereits ein Horrorszenario. "Meine persönliche Sicht ist, dass es für das Tennis schwer wird, in diesem Jahr noch mal zurückzukommen", sagte Craig Tiley dem "Sydney Morning Herald". "Wir müssen für den schlechtesten Fall planen und auf das Beste hoffen."

Becker dagegen meinte: "Wir sollten mit der Schwarzmalerei aufhören...natürlich wird dieses Jahr noch Tennis gespielt.". Doch wann das sein wird, ist mehr denn je offen.