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Im Geburtstagsflieger von Kapitän Manuel Neuer blieb der Sitz von Abwehrhüne Niklas Süle frei. Den zweiten Schritt zum von Joachim Löw geforderten Neun-Punkte-Start in die WM-Qualifikation muss die Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag (20.45 Uhr) gegen Rumänien ohne den Münchner Abwehrspieler bewältigen. Süles Zerrung im linken Oberschenkel lasse "einen Einsatz derzeit noch nicht zu", teilte der DFB am Samstag kurz vor dem Abflug nach Bukarest mit.

Süle fehlt nach dem Ausfall beim gelungenen 3:0-Auftakt gegen Island damit auch im Spiel gegen den stärksten Gruppengegner. Und Löw musste den für die Europameisterschaft im Sommer eigentlich als Abwehrchef vorgesehenen Triple-Gewinner auch gleich für das dritte Länderspiel am Mittwoch gegen Nordmazedonien aus seinen Planungen streichen.

Gosens wieder fit

Löws Wunsch, schon in den drei März-Länderspielen weitgehend eine EM-Formation "einzuspielen und zu finden", wird in einem wichtigen Teilbereich wie der Abwehr durchkreuzt. Auch in der Arena Națională, wo Deutschland bei der EM-Endrunde als Gruppensieger sein Achtelfinale bestreiten würde, dürften in der Innenverteidigung nun wie gegen Island wieder Matthias Ginter und Antonio Rüdiger auflaufen. Anders als Süle konnte der gegen Island ebenfalls wegen muskulärer Probleme aussetzende Außenverteidiger Robin Gosens mit nach Rumänien fliegen.

Großartig rotieren wird Löw wohl nicht. "Ich denke nicht an eine Verteilung der Kräfte", hatte er vor dem Länderspiel-Dreierpack angekündigt. 18 Feldspieler und vier Torhüter um Geburtstagskind Neuer (35 Jahre) umfasst sein anfangs 26 Spieler zählender Kader nach Süles Ausfall noch. Eine Nachricht sorgte nicht nur bei Löw vor der Abreise nach Bukarest für erhebliche Erleichterung: Alle Spieler waren vor Antritt des Kurztrips - der Rückflug erfolgt direkt nachts nach dem Spiel - insgesamt dreimal negativ auf Corona getestet worden. Nach dem Positivtest von Jonas Hofmann scheint die DFB-Blase wieder dicht.

Dynamik hat gefehlt

Gegen die Rumänen, die mit einem 3:2 gegen Nordmazedonien ebenfalls erfolgreich in die WM-Ausscheidung gestartet waren, will Löw neben weiteren drei Punkten auch weitere Fortschritte seiner Mannschaft sehen. Gegen Island gefiel ihm vieles, "aber logischerweise sehe ich Verbesserungsmöglichkeiten". Löw monierte ein paar Schludrigkeiten, die sich nach der flotten 2:0-Führung einschlichen. "Wir haben zu viele Pässe nach hinten gespielt, manche Momente verpasst, Dynamik auszulösen, Tempo aufzunehmen", schilderte Löw.

Das Schwungrad im deutschen Spiel sollen wieder "Die Drei von der Leitstelle" (ARD) bilden, also das Mittelfeld-Trio Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Ilkay Güdongan, das auch der Bundestrainer als "Pfund" bezeichnete. Gündogan skizzierte, worauf es bei Taktik und Zusammenstellung ankommt. "Man muss versuchen, die Stärken des individuellen Spielers dem Team anzupassen und dementsprechend das Spiel anzugehen", sagte der 30-Jährige von Manchester City.

Da es auswärts gegen die Rumänen mehr Räume als gegen die doch sehr tief stehenden Isländer geben dürfte, spricht einiges dafür, dass Löw in der Offensive neben dem Bayern-Duo Serge Gnabry und Leroy Sané diesmal für Kai Havertz dessen Chelsea-Kollegen Timo Werner aufbietet. Der ehemaliger Leipziger bringt mehr Tempo mit.

Geschenk für Neuer

Manuel Neuer wünscht sich als Torwart natürlich ein nachträgliches Geschenk in Form ein weiteres Zu-Null-Spieles. "Es war eine gute Leistung gegen Island, darauf können wir aufbauen", sagte Neuer, der auch mit 35 Jahren nicht ans Abdanken als Deutschlands Nummer 1 denkt. Zum 98. Mal könnte er in Bukarest im DFB-Tor stehen, die Hunderter-Marke winkt noch vor dem EM-Start.

Der Ehrgeiz des Weltmeisters von 2014 ist ungebrochen. "Die drei Länderspiele jetzt sind auch wichtig für die Europameisterschaft, damit wir gesettet sind. Wir haben da von Anfang an Finals", sagte Neuer mit Blick auf die Einstiegsgegner Frankreich (Weltmeister) und Portugal (Europameister). Der EM-Titel fehlt Neuer noch in seiner Titelsammlung. Seine Nationalmannschafts-Zukunft über den Sommer hinaus macht er in erster Linie von seiner Gesundheit und seiner Form abhängig. Auch die Lösung der Löw-Nachfolge wird für Neuer eine Rolle spielen: "Ich brauche auch das Gefühl, in der Mannschaft gebraucht zu werden." Immerhin ist Neuer seit elf Jahren bei Löw die Nummer 1.