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Dank Anthony Modeste und Florian Kainz hat Steffen Baumgart den Debüt-Fluch beim 1. FC Köln gebannt und als erster Trainer seit Volker Finke seine Premiere in der Fußball-Bundesliga mit dem FC gewonnen. Beim 3:1 (1:1) gegen Hertha BSC drehte der im Vorjahr torlose und in der Rückrunde gar verliehene Modeste das Spiel mit einem Tor und einer Vorlage. Kainz traf am Sonntag doppelt.

Nach dem 0:1 durch Herthas Neuzugang Stevan Jovetic (6.) gelang Modeste, der die Kölner 2017 mit 25 Toren in die Europa League geschossen hatte, sein erster Liga-Treffer seit 14 Monaten (41.). Das 2:1 von Kainz bereitete er vor (52.), dann traf der Österreicher erneut (55.). Der Sieg der beherzt aufspielenden Gastgeber, die sich im Vorjahr erst in der Relegation gerettet hatten, war verdient, die 16.500 Zuschauer begeistert.

Baumgart hatte neben Rückkehrer Mark Uth (Schalke 04) und Innenverteidiger Timo Hübers (Hannover 96) in Dejan Ljubicic (Rapid Wien) statt Ondrej Duda einen dritten Sommer- Zugang in die Startelf beordert. Die Berliner mussten kurzfristig ohne Davie Selke (Gehirnerschütterung) auskommen. In Rückkehrer Kevin-Prince Boateng (AC Monza), Nationalspieler Suat Serdar (Schalke 04) und Jovetic begannen ebenfalls drei Neuzugänge.

Hertha-Neuzugang Jovetic schockt Köln früh

"Es gibt nur einen Weg: Nach vorne", hatte Baumgart angekündigt. Seine Spieler beherzigten dies und rannten sofort an. Die fatale Standard-Schwäche aus der Vorsaison hat aber auch der neue Trainer in der Vorbereitung noch nicht abstellen können. Nach einem Freistoß von Marvin Plattenhardt hielt Kölns Keeper Timo Horn den Kopfball von Matheus Cunha. Der brasilianische Olympiasieger leitete den Ball aber gedankenschnell zu Jovetic weiter, der ihn über die Linie drückte.

Nach kurzer Schockphase spielten die Kölner weiter engagiert vorne. Uth vergab die große Gelegenheit zum Ausgleich (18.). Glück hatte der FC, als Schiedsrichter Robert Hartmann nach einem vermeintlichen Handspiel von Rafael Czichos im Strafraum die TV-Bilder ansah, aber keinen Strafstoß gab. Im Vorjahr hätte es den gegeben, nach neuer Regelung, in der die Absicht im Vordergrund steht, war die Entscheidung okay. Auch Modestes Ausgleich wurde geprüft, VAR Patrick Alt sah aber kein klares Foul beim Zweikampf mit Trainer-Sohn Marton Dardai.

Nach dem Wechsel überrumpelten die Kölner die Hertha. Schon Ellyes Skhiri hätte das 2:1 erzielen können (48.), dann traf Kainz innerhalb von drei Minuten doppelt. Obwohl die Hertha danach nur bedingt Druck machte, ging Baumgart an der Seitenlinie jede Sekunde engagiert mit, tigerte die Seitenlinie auf und ab. In der Schlussphase war sein Team mit Kontern näher am 4:1 als die Berliner am Anschluss.

Mainz legt gegen Leipzig furios los

Eine Enttäuschung hatte im ersten Sonntagsspiel RB Leipzig erlebt. Der Meisteranwärter verlor gegen die Corona-Notelf des FSV Mainz 05 überraschend 0:1. Das entscheidende Tor für die schwer von Quarantäne-Fällen gebeutelten 05er erzielte vor 10.500 Zuschauern Abwehrchef Moussa Niakhaté (13. Minute).

Während das Team von Trainer Bo Svensson ohne zehn Profis ein echtes Rumpfteam aufs Feld schickte, verzichtete Jesse Marsch zunächst auf Marcel Sabitzer, der immer wieder mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wird. "Ich habe mir gedacht, dass die Mannschaft in der vorigen Woche ja gut und souverän gespielt hat", kommentierte der Chefcoach. "Aber Sabi ist bereit von der Bank." Die eigentlich gesetzte Führungsfigur aus Österreich einfach draußen zu lassen wirkte trotzdem wie ein Signal vor den letzten beiden Wochen des Transferfensters.

 

Schon nach fünf Minuten setzte Jae Sung Lee einen Kopfball an den Pfosten, beim folgenden Nachschuss zielte Paul Nebel nur haarscharf daneben. Zunächst war überhaupt nicht zu merken, wer hier der ambitionierte Champions-League-Starter mit dem 28-Tore-Mann André Silva und wer der gerupfte Abstiegskandidat ist. "Der Nachteil ist riesig", befand Chefcoach Svensson, nachdem insgesamt 14 Personen des Teams in dieser Woche in Quarantäne geschickt worden. Das Chaos schweißte die Mainzer aber offenbar nur noch stärker zusammen.

Niakhaté vollendet nach Mukieles Querschläger im Strafraum

So war das Führungstor durch Kapitän Niakhaté nur folgerichtig, nachdem Leipzig bei hohen Temperaturen uninspiriert und fehlerhaft kickte. Nach einer Ecke leistete sich Nordi Mukiele im Strafraum einen verhängnisvollen Querschläger, am zweiten Pfosten musste der bestens postierte Niakhaté nur noch vollenden. Das 05er-Publikum feierte fortan jede gelungene Aktion und vor allem eine wagemutige  Grätsche von Niklas Tauer, der Tempodribbler Christopher Nkunku im letzten Moment und mit höchstem Risiko vom Abschluss in bester Position abhielt.

Das Halbzeitfazit des Vize-Meisters aus Sachsen fiel dementsprechend ernüchternd aus. Ohne Kapitän Sabitzer und Spaniens Dauerspieler Dani Olmo fehlten die kreativen Momente, Neuzugang Silva war bis dato nur in das temporeiche Fußballspiel involviert, wenn er für Mainzer  Standards in den eigenen Sechzehner zurückeilen musste.

Nach dem Wechsel drückten die Gäste ihren Gegner mehr und mehr in die Defensive, doch dem Offensivtrio mit Silva, Nkunku und Schwedens EM-Star Emil Forsberg fehlte schlichtweg die Räume. Gelang der seltene Durchbruch doch mal, war immer wieder 05-Schlussmann Robin Zentner zur Stelle. Erst in der 64. Minute brachte Marsch bei einem Dreifachwechsel seinen Kapitän. Kurz danach kam Silva (72.) zu seiner ersten richtigen Chance, doch Zentner reagierte glänzend. In der Nachspielzeit köpfte der Portugiese nur knapp übers Tor - danach war Schluss.