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Das Gespenst der Inflation geht um in Deutschland - nur an den Ticketschaltern der 18 Fußball-Bundesligisten ist es noch nicht angekommen. Während allgemein der rasante Kostenanstieg für Gas, Strom und Lebensmittel beklagt wird, haben nur wenige Vereine für die neue Saison ihre Preise für Eintritts- und Dauerkarten erhöht. Und wenn doch, dann zumeist moderat.

"Grundsätzlich sind die Clubs bestrebt, ihre Stadien möglichst voll auszulasten. Steigende Ticketpreise können dieses Ziel ab einem gewissen Grad gefährden, sodass die Clubs es möglichst vermeiden, zu exzessiv an der Preisschraube zu drehen", sagt Kim Lachmann, Experte in der Sport Business Gruppe des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte, der Deutschen Presse-Agentur.

 

Auch langfristig betrachtet ist die Teuerungsrate für den Besuch eines Bundesliga-Spiels eher gering. Von der Saison 2013/14 bis zur jetzt anstehenden Spielzeit 2022/23 stiegen die Kosten für die günstigste Dauerkarte bei den Bundesligisten im Schnitt jährlich um 1,3 Prozent, so eine aktuelle Deloitte-Analyse. In der teuersten Kategorie fiel der Anstieg im selben Zeitraum mit durchschnittlich 0,8 Prozent jährlich noch flacher aus. Nicht berücksichtigt wurden in der Analyse zusätzliche Rabatte und VIP-Plätze.

Ticketverkauf immer weniger entscheidend

Ohnehin ist der Anteil der Spieltagserlöse am Gesamterlös der Vereine laut Daten des Deloitte Annual Review of Football Finance in den zehn Jahren vor der Corona-Pandemie weiter gesunken. Während die Gesamteinnahmen im Schnitt um 7,9 Prozent angestiegen waren, waren die Erlöse am Spieltag nur um 3,2 Prozent gewachsen.

Vor dieser Spielzeit setzen beispielsweise der FC Augsburg, der VfL Wolfsburg, Mainz 05, die TSG 1899 Hoffenheim oder Bayer Leverkusen zur Freude ihrer Fans auf Preisstabilität bei den Tickets. Andere Clubs wie Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt oder Hertha BSC haben die Preise in einigen Kategorien nur geringfügig erhöht.

Erstliga-Rückkehrer Werder Bremen nimmt hingegen fünf Prozent mehr. "Die Preisanpassung war aufgrund stetig steigender Inflation und wachsender Kosten in nahezu allen Geschäftsbereichen, die die Durchführung der Heimspiele betreffen, leider unausweichlich", hieß es vom Verein. Auswirkungen auf die Preise hätten unter anderem gestiegene Energiekosten, die schrittweise Mindestlohnerhöhung und Preissteigerungen bei Dienstleistern gehabt.

RB Leipzig passt die Preise an

Der FC Schalke 04 kehrt als weiterer Bundesliga-Comebacker zu seinen Erstliga-Preisen aus der Abstiegssaison 2020/21 zurück. Die in der 2. Bundesliga eingeführten Kinder- und Jugendpreise würden aber beibehalten, teilte der Revierclub mit.

Die Fans von Pokalsieger RB Leipzig müssen erstmals seit langem mehr für das Fußball-Vergnügen zahlen. "Nachdem wir die Ticketpreise seit dem Bundesliga-Aufstieg 2016/17 dauerhaft konstant halten konnten, war nun eine Anpassung der Preise notwendig", hieß es von den Sachsen. Demnach stiegen die Dauerkartenpreise im Schnitt um 35 Euro.

Auch der VfB Stuttgart verlangt mehr von seinen Fans ebenso wie der SC Freiburg. Das Erlebnis in dem im vergangenen Oktober eröffneten Europa-Park-Stadion wird auf dem günstigsten Saison-Stehplatz fünf Euro teurer und kostet 200 Euro, für den günstigsten Sitzplatz werden 369 Euro in der Spielzeit und damit zehn Euro mehr berechnet. Der teuerste Sitzplatz ist 709 Euro (+ zehn Euro) wert.

Top-Spiele bleiben teuer

Borussia Mönchengladbach hat eine ganz neue Preisstruktur eingeführt. "Wir erhoffen uns davon, dass die erfahrungsgemäß weniger stark nachgefragten Duelle durch kostengünstigere Tickets attraktiver werden", erläuterte Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers auf der Webseite des Vereins. Danach werden die Tickets für die Top-Spiele gegen Bayern München und Borussia Dortmund teurer, die Karten gegen weniger hochkarätige Gegner günstiger.

Bei einer historischen Betrachtung auf die Bundesliga lässt sich grundsätzlich erkennen, dass Clubs ihre Ticketpreise in der Regel nur alle paar Jahre verändert haben. Zur aktuellen Saison ist zwar ein etwas stärkerer Anstieg festzustellen, was sich aber aus der Zusammensetzung der Clubs innerhalb der Bundesliga erklärt. Zur aktuellen Saison sind vor allem Vereine mit kleineren Stadien in Bielefeld und Fürth abgestiegen, während die Aufsteiger über größere Stadien mit hochwertigeren Dauerkartenkategorien verfügen.

Das Gespenst der Inflation am Ticketschalter

Ob angesichts der allgemeinen Preisentwicklung mit einer Inflationsrate von mehr als sieben Prozent die Vereine ihre moderate Ticketpreis-Politik langfristig beibehalten, ist aktuell noch schwer zu sagen. "Es ist zu erwarten, dass die Clubs die Steigerungen bis zu einem gewissen Grad abfedern können", meint Deloitte-Manager Lachmann. Die Energiekosten hätten im Spieltagsbetrieb ohnehin einen verhältnismäßig geringeren Anteil als andere Aufwandspositionen. Allerdings sei aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise sicherlich im Catering mit höheren Aufwendungen zu rechnen, welche grundsätzlich etwas schneller an Fans weitergegeben werden.

Irgendwann wird das Gespenst der Inflation aber auch an den Ticketschaltern anklopfen. "Es ist davon auszugehen, dass ab einem gewissen Punkt die gestiegenen Kosten im Bereich des Spieltags auch an die Zuschauer weitergegeben werden", sagt Lachmann. "Dies hängt aber in erster Linie mit der weiteren Entwicklung der Inflation zusammen."