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Das Theater hat ein Ende. Wenige Tage vor dem direkten Duell der beiden Traditionsclubs ist der Wechsel von Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter zum Bundesliga-Rivalen Borussia Mönchengladbach in diesem Sommer perfekt. Während der Österreicher am Niederrhein einen Vertrag bis 2024 unterschrieb und dort eine Erfolgsgeschichte schreiben will wie zuvor am Main, steht den Frankfurtern trotz der möglichen Champions League-Premiere in der neuen Saison ein in höchstem Maße komplizierter Sommer bevor.

Erfolgscoach Hütter geht, Sportdirektor Bruno Hübner geht und Sportvorstand Fredi Bobic will gehen. Bleibt die Frage: Wer soll den neuen Trainer dann eigentlich holen? Selbst die üppige Summe, die die Hessen für den eigentlich bis 2023 gebundenen Chefcoach von der Borussia kassieren dürfte, wird dabei nur mäßig helfen. Details zur Ablöse teilten die beiden Vereine am Dienstag nicht mit.

"Die Entscheidung, zur neuen Saison ein neues Kapitel aufzuschlagen, habe ich mir nicht leicht gemacht", sagte Hütter, der in Gladbach Nachfolger des zukünftigen Dortmund-Trainers Marco Rose wird und von "drei unglaublich erfolgreichen und intensiven Jahren" in Frankfurt schwärmte. Mit sechs verbleibenden Bundesliga-Spielen gilt Hütters Fokus nun aber den Frankfurtern: "Wir haben eine historische Chance. Alles, was für mich jetzt zählt, ist der Erfolg der Eintracht."

 

Ironischerweise beginnt der Endspurt, für den Hütter am Dienstag so deutlich wie nie das Ziel Champions League ausgab, am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Borussia-Park, wo Hütter sich seinen künftigen Arbeitsplatz gleich mal genau anschauen kann. "Wir wollen unseren Vorsprung verteidigen und uns für die Champions League qualifizieren. Diesem Ziel ordnen wir alles unter", sagte Hütter. Die Königsklassen-Perspektive, die er mit Frankfurt hat, ist mit Gladbach in der kommenden Saison definitiv nicht gegeben. Im Gegenteil, dort droht sogar eine Saison ohne Europapokal-Teilnahme.

Die Borussia um Manager Max Eberl hat die lange Trainersuche erfolgreich zum Ende gebracht. In Hütter wurde der Wunschkandidat verpflichtet und gleich für drei Jahre gebunden. "Er ist für unsere Mannschaft und unseren Verein der beste Trainer für die ab dem Sommer vor uns liegenden Herausforderungen und Ziele", sagte Eberl. Man freue sich "sehr" über die Zusage des 51-Jährigen, die sich in den vergangenen Tagen immer mehr angebahnt hatte.

Hütters klare Aussage von Ende Februar ("Ich bleibe!") wiederholte er demonstrativ nicht mehr, entsprechenden Nachfragen wich er seit Bekanntwerden des ersten Gladbach-Gerüchts vor knapp zwei Wochen immer wieder aus - er tat dies eher ungeschickt. So hatte die Eintracht drei Jahre nach Niko Kovac ("Stand heute"), der zum FC Bayern ging, sein nächstes Trainerbekenntnis, das schon kurze Zeit später nicht mehr viel wert war.

Angebote von Spitzenclubs erhalten

Für die Eintracht brechen nun kuriose Monate an. Sportlich ist das Team um Top-Torjäger André Silva (23 Saisontreffer) so stark wie lange nicht, der erstmalige Königsklassen-Einzug ist angesichts eines komfortablen Polsters auf Dortmund und Leverkusen greifbar. Auf der anderen Seite werden Silva, Luka Jovic, Amin Younes und Co. im Sommer begehrt sein und Angebote von Spitzenclubs erhalten.

Derzeit ist nicht absehbar, wer für die Hessen dann die Verhandlungen führt, wie das Team dann für die Europa-Prüfung aufgestellt ist und wer es als nächster Coach nach Hütter überhaupt trainieren soll. Sportvorstand Bobic sagte, dem Ziel Champions League gelte nun "die gesamte Aufmerksamkeit". Das ist kein Wunder, denn der wechselwillige Funktionär plant derzeit nicht, über den Sommer hinaus die Verantwortung in Frankfurt zu tragen und bei Hertha BSC im Gespräch ist.

Bei der Borussia, die am Ende doch nicht wie kolportiert Xabi Alonso verpflichtete, dürfte hingegen Ruhe einkehren. Die Rose-Thematik hat zuletzt an Schärfe verloren, Offensivfanatiker Hütter hingegen ist ein Versprechen für attraktiven und erfolgreichen Fußball in den kommenden Jahren. Auf dem aggressiven Pressing, das Rose in Gladbach begründete, dürfte Hütter aufbauen.

Für Spieler wie Denis Zakaria, Florian Neuhaus und Marcus Thuram, die auf dem internationalen Markt begehrt sein dürften, könnte Hütter ein weiteres Argument sein, zunächst bei der Borussia zu bleiben. Unter dem Österreicher könnten die Profis die nächste Entwicklungsstufe nehmen, bevor dann höhere Aufgaben rufen. Jetzt, wo die wichtigste Personalie geklärt ist, kann Eberl die Vertragsgespräche mit seinen Leistungsträgern intensivieren und ihnen konkrete Perspektiven aufzeigen.