Wenn sie doch Wort halten würden. Seit Jahren formulieren die Verfolger des FC Bayern mehr oder weniger deutlich ihre hehren Ziele. Punkten, wenn der Rekordmeister verliert. Attackieren, wenn die Bayern in die Defensive gedrängt werden. Und nun? Wie in den vergangenen Jahren scheiterten die Herausforderer am Wochenende krachend. "Bayern interessiert mich einen Scheißdreck", sagte Bayer Leverkusens Torwart Lukas Hradecky im ZDF nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg. RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann wurde fast zynisch.

"Wenn wir alles verlieren und Bayern alles verliert, sind sie weiter vor uns", sagte der 33-Jährige, der mit den Sachsen zuletzt als größter Titelaspirant außerhalb von München gehandelt worden war. Am Samstag verlor Leipzig beim Abstiegskandidaten FSV Mainz 05 mit 2:3. Borussia Dortmund patzte schon am Freitag (2:4 bei Borussia Mönchengladbach). Ein bekanntes Bild.

 

Der BVB schickt sich seit Jahren an, die Münchner Dominanz zu brechen. "Wir wollen da sein, wenn die Bayern mal schwächeln", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Sommer 2015. Drei Jahre später bekräftigte er: "Wenn die Bayern einmal schwächeln, dann werden wir sie auch wieder packen."

Derzeit aber bangt der BVB sogar um die Champions-League-Plätze. Dortmund kassierte nach 18 Spielen schon so viele Niederlagen wie in der gesamten vergangenen Saison - und braucht im Moment an die Bayern keine Gedanken zu verschwenden. Und steht damit nicht alleine.

Auch die Verfolger des FC Bayern München schwächeln

Statt den Rückstand auf die Münchner zu verkürzen als Tabellendritter, startete auch Leverkusen mit einer Niederlage in die Rückrunde. Dabei hatte Ende vergangenen Jahres, also vor nicht so langer Zeit, Bayer-Sportdirektor Simon Rolfes noch verlauten lassen: "Platz eins ist ein schöner Platz". Er sei wieder angriffslustig. Nach dem 11. und dem 12. Spieltag hatte die Leverkusener Mannschaft von Trainer Peter Bosz die Tabelle angeführt.

Seit dem 13. Spieltag sind die Bayern aber nun schon wieder an der Spitze. Einen Mini-Hänger der Münchner mit drei Unentschieden in vier Spielen Mitte November bis Mitte Dezember konnten die Konkurrenten nicht entscheidend nutzen. Und der Titelverteidiger selbst rappelte sich - auch mit Dusel - nach der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach und dem sicher schmachvolleren Aus im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Holstein Kiel im neuen Jahr wieder auf.

Sieben Punkte Vorsprung: Die Statistik spricht für den FCB

"Grundsätzlich müssen wir über Bayern nicht sprechen, wenn wir die Spiele nicht gewinnen", sagte Nagelsmann nach der Mainz-Pleite. Von einem ähnlichen Ausrutscher der Bayern am Sonntag beim Schlusslicht FC Schalke 04 ging er nicht aus und rechnete schon hoch: "Klar, sieben Punkte Vorsprung - das gab es statistisch noch nicht, dass sie das noch verspielt haben, soweit ich weiß."

Seit der Saison 2011/2012 beendeten die Bayern achtmal die Hinserie auf Rang eins - in den vergangenen beiden Spielzeiten allerdings nicht. Meister wurden sie trotzdem. 2019/2020 holten sie - damals als Dritter - vier Punkte auf RB Leipzig auf. 2018/2019 reichten den Dortmundern nicht mal sechs Punkte mehr zur Saison-Halbzeit. Das bis dato letzte Mal, dass die Bayern nach der Herbstmeisterschaft am Ende nicht auch den Titel holten, liegt neun Jahre zurück - drei Punkte Vorsprung reichten nicht aus, Dortmund wurde Meister.

Welche Hoffnungen sich die Verfolger auf weitere Bayern-Ausrutscher machen können, sei dahingestellt, die Mannschaft von Triple-Trainer Hansi Flick schaffte vor dem Schalke-Spiel fünf Siege in den zurückliegenden sechs Ligapartien.

Leipzig ließ dagegen zuletzt bei zwei Unentschieden Punkte liegen und unterlag daheim den Dortmundern wie nun bei den bis dahin erst einmal in dieser Saison siegreichen Mainzern. "Da hast du keinen Anspruch drauf, wenn du gegen einen Abstiegskandidaten verlierst und drei Gegentore bekommst, dann brauchst du nicht von irgendwas vorne reden", betonte RB-Kapitän Marcel Sabitzer.