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Anhaltende Spekulationen, deutliches Dementi - Hans-Joachim Watzke hat letzte Zweifel ausgeräumt, dass Jadon Sancho auch in der kommenden Saison für Borussia Dortmund stürmt. "Der Sancho-Verbleib ist in Stein gemeißelt", sagte der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

"Definitiven Entscheidung"

Sportdirektor Michael Zorc hatte zu Beginn des Trainingslagers in Bad Ragaz (Schweiz) am vergangenen Montag schon von einer "definitiven Entscheidung" gesprochen. Dennoch wurde vor allem in englischen Medien weiter über einen Wechsel des 20 Jahre alten Bundesliga-Topscorers zu Manchester United noch in dieser Transferperiode bis Anfang Oktober spekuliert. "Da gibt es nullkommanull Interpretationsspielraum", kommentierte Watzke.

Watzke sieht kein Risiko

Die Gefahr, dass Sancho mit dieser Entscheidung nicht einverstanden ist und seinen Abgang - wie schon andere ehemalige BVB-Profis wie Ousmane Dembélé oder Pierre-Emerick Aubameyang - erzwingen will, sieht Watzke nicht: "Wir haben einen guten Austausch mit seinen Beratern. Wir erkennen an, dass Jadon sehr gut reagiert. Und er erkennt an, dass wir eine gute Mannschaft haben, in der man viel Freude hat, Fußball zu spielen. Er zeigt diese Freude zurzeit jeden Tag." Das Thema Sancho dürfte medial aber spätestens im kommenden Sommer wieder aufkommen - der englische "Mirror" spekulierte bereits, dass dann auch Real Madrid und FC Barcelona in den Wechselpoker einsteigen wollen.

Dank des Sancho-Verbleibs hält sich die Fluktuation im BVB-Kader diesmal in Grenzen. In Achraf Hakimi (Inter Mailand) ging nur ein Stammspieler verloren. Nach den Verpflichtungen von Thomas Meunier (Paris Saint-Germain) und Jude Bellingham (Birmingham City) sowie der Beförderung von Youssoufa Moukoko aus dem eigenen Junioren- in den Profibereich sieht Watzke keinen großen Handlungsbedarf mehr, um das Team zusätzlich zu verstärken - nicht nur aus sportlichen Gründen.

Kein Geld für Ablöse da

"Es ist Stand jetzt kein Geld mehr für Ablösesummen da. Wenn man in jedem Spiel ohne Zuschauer vier Millionen Euro verliert, dann muss man kein Prophet sein, um auszurechnen, in welche Richtung das geht. Es sind definitiv keine großen Sprünge mehr drin", sagte der 61-Jährige mit Verweis auf die anhaltende Corona-Krise und den dadurch bedingten Ausschluss der Zuschauer.

Trotz der jüngsten Signale aus der Politik, wonach die Rückkehr der Fans in die Stadien zum Saisonstart Mitte September angesichts wieder steigender Infektionszahlen zu riskant sein könnte, ist Watzke zuversichtlich. "Ich sehe diese Signale gar nicht so negativ. Markus Söder hat in der vergangenen Woche etwas gesagt, was meiner Meinung nach nicht richtig interpretiert wurde. Er hat gesagt, dass er sich momentan Spiele vor 20 000 oder 25 000 Zuschauern nicht vorstellen kann. Da gehe ich zu 100 Prozent mit."

Geringere Zuschauerzahlen sind aber aus Sicht von Watzke durchaus vorstellbar. "5000 oder auch 6000, 7000 Zuschauer wären in unserem Stadion - von den Abläufen her und unter Hygiene- und Abstands-Gesichtspunkten - kein Problem. Mir wären 5 000 lieber als keiner", befand Watzke, obwohl bei dieser Zahl angesichts des hohen organisatorischen Aufwandes kaum Geld verdient werden kann. "Diesen Aufwand würden wir gern in Kauf nehmen, um 5 000 Zuschauern die Möglichkeit zu geben, Spiele wieder live sehen zu können", sagte Watzke.

Diskussion über Veranstaltungsformate

In der Stadt Dortmund werde derzeit diskutiert, "welche Veranstaltungsformate unter welchen Rahmenbedingungen zukünftig doch wieder möglich sind, ohne dadurch eine deutliche Erhöhung der Infektionsgefahr zu verursachen", sagte Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes Dortmund, der "Bild" (Freitag).

Der Fußball habe sich schon in den Geisterspielen als absolut verlässlicher Partner der Politik erwiesen, sagte Watzke. "Nicht ein einziger Bundesliga-Profi hat sich in den vielen Spielen der vergangenen Saison infiziert. Wir haben Wort gehalten und eine Vertrauensbasis geschaffen."

Anders als am Ende der vorigen Saison wird es die strenge häusliche Quarantäne der Spieler jedoch nicht mehr geben. Damit steigt die Gefahr, dass es auch in der Bundesliga einen Fall Dynamo Dresden mit infizierten Spielern geben und der ohnehin enge Terminplan in Gefahr geraten könnte. Watzke verwies auf die konsequenten Maßnahmen der Clubs: "Die Spieler sind weiterhin in der Dauertestung. Wenn es einen Fall geben würde, könnte der entsprechende Spieler sofort isoliert werden. Dass diese Situation so gut es denn geht beherrschbar ist, haben wir gezeigt."