- Bildquelle: imago © imago

Tayfun Korkut dürfte nach dem nächsten Rückschlag im Kampf gegen den Bundesliga-Abstieg nicht mehr lange Trainer von Hertha BSC sein. Am Samstagabend verloren die erneut lange harmlosen und in diesem Jahr noch sieglosen Berliner das Krisen-Duell bei Borussia Mönchengladbach 0:2 (0:1) und rutschten am 26. Spieltag auf den vorletzten Tabellenplatz ab. Ein von Alassane Plea (24. Minute) verwandelter Foulelfmeter und ein Kopfball von Matthias Ginter (59.) besiegelten dagegen für die zuletzt ebenfalls arg taumelnden Borussen vor 30 675 Zuschauern den so wichtigen Sieg.

Vor allem für Korkuts Kollegen Adi Hütter war der erste Drei-Punkte-Erfolg seit einem Monat wohltuend - der Österreicher war ebenfalls in die Kritik geraten. Im Stadion erlebte er den Sieg aber nicht, Hütter befand sich wegen einer Coronainfektion in Quarantäne. Mit nun 30 Zählern haben die Gladbacher acht Spiele vor dem Saisonende sieben Punkte Vorsprung auf die Hertha und die Abstiegsränge.

Unter der Verantwortung von Co-Trainer Christian Peintinger zeigte der abgestürzte langjährige Spitzenclub gegen erneut lange Zeit schwache Herthaner einen engagierten und vor allem soliden Auftritt. Zum ersten Mal seit dem 4:0 am zwölften Spieltag gegen Aufsteiger Fürth blieb die drittschwächste Defensive der Liga ohne Gegentor.

Hertha sehr defensiv

Die Gäste wurden von Korkut extrem defensiv eingestellt, hatten mit dem schnellen Marcus Thuram dennoch extreme Probleme und fanden offensiv erst nach der Pause für kurze Zeit statt. Das dürfte es für den Hertha-Coach wohl gewesen sein. Geschäftsführer Fredi Bobic hatte Korkut zuvor unmissverständlich Punkte gefordert. "Mich interessiert vor allem die Art und Weise, wie wir spielen", sagte Bobic vor dem Spiel bei Sky und ergänze: "Was es für Konsequenzen und Folgen hat, werden wir sehen." Die Art und Weise war bis auf ein kurzes Aufbäumen in der zweiten Halbzeit nicht gut - Hertha bleibt das schlechteste Rückrunden-Team.

Unter Druck war auch Gladbachs Trainer Hütter nach dem desaströsen 2:3 nach 2:0-Führung beim VfB Stuttgart geraten. Borussias Sportchef Roland Virkus hatte dem Österreicher anschließend den Rücken gestärkt und verkündet, nur "einen Plan A" verfolgen zu wollen. "Der Plan ist, dass wir auch am Freitag in Bochum mit Adi Hütter auf der Bank spielen", sagte Virkus nun noch einmal kurz vor dem Spiel. Dafür muss der Österreicher dann aus seiner Corona-Isolation heraus.

Sein Assistent Peintinger schickte seine ganze verfügbare Offensiv-Wucht auf den Platz. Das Team setzte dabei die Marschroute von Sportchef Virkus ("Die Mannschaft muss heute liefern") entschlossen um. Von Beginn an engagiert drängten die Borussen die Berliner in die Defensive. Breel Embolo setzte die erste Chance des Spiels an den Pfosten (9.) und auch Thuram (14.) blieb gefährlich. Der wegen seiner lethargischen Spielweise gegen Stuttgart noch arg kritisierte Franzose holte nach gut 20 Minuten auch den Foulelfmeter heraus, den Plea zur Führung verwandelte.

Ginter sorgte für den Sieg

Marc Oliver Kempf kam gegen Thuram im Strafraum klar zu spät, was Schiedsrichter Florian Badstübner erst nach Studium der Videobilder sah. Für Plea war sein Elfmeter-Tor der siebte Scorerpunkt im sechsten aufeinanderfolgenden Spiel. Dabei war auch Marcel Lotka, der etwas überraschend erneut im Tor stand, chancenlos. Nach einer Corona-Infektion war Stammkeeper Alexander Schwolow gar nicht im Kader. Lotka war dabei noch bester Berliner.

Das Zwischen-Hoch der Gäste, die durch die Hereinnahme von Suat Serdar nach dem Wechsel auch angriffslustiger wurden, verpuffte schnell. Nationalspieler Ginter besorgte nach einer Ecke des früheren Berliners Luca Netz die beruhigende Vorentscheidung für die Borussia.