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Wirklich glücklich sah Heiko Herrlich trotz des gerade erlebten Fußball-Spektakels nicht aus. Sein Team hatte sogar die Serie auf zwölf Spiele ohne Niederlagen ausgebaut, doch dem Trainer von Bayer Leverkusen wollte mehr. Das mitreißende 4:4-Torfestival bei Hannover 96 war für neutrale Zuschauer ein höchst unterhaltsames Bundesliga-Spiel zum Abschluss der Hinrunde, doch für Herrlich fühlte es sich eher wie eine Niederlage an. «Für uns Trainer ist ein 4:4 ein Leidensweg», sagte der Bayer-Coach.

«Die Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen»

Der Trainer der Leverkusener, die auf einem Europacup-Platz in die Winterpause gehen, sagte aber auch: «Die Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen.» Herrlich war auch ehrlich genug, um festzustellen: «Insgesamt geht das Unentschieden heute in Ordnung.»

Dass der Coach sich nicht freute, lag an dem späten Ausgleich. «Mit der Führung müssen wir gewinnen», kommentierte Leon Bailey, der die Leverkusener nach seiner Einwechslung mit zwei Toren (47./67.) in Front geschossen hatte. «Wir können nicht zufrieden sein», sagte der Jamaikaner, der ein drittes Tor hätte erzielen können. Mit den Bayer-Treffern von Julian Brandt (11.) und Admir Mehmedi (25.) wäre der mögliche Bailey-Hattrick die Entscheidung gewesen. «Das war von der ersten Minute an völlig verrückt», sagte Bailey: «Wir hatten genug Möglichkeiten, dieses Spiel für uns zu entscheiden.»

Stattdessen kam Hannover durch Julian Korb (83.) noch zum Ausgleich. Nach Ihlas Bebou (12.), Niclas Füllkrug (21./Foulelfmeter) und Felix Klaus (45.) war der Außenverteidiger der vierte 96-Torschütze in dem unterhaltsamen Spiel. «Ich freue mich und hoffe, dass es in der Rückrunde so weitergeht», sagte 96-Torwart Philipp Tschauner.

Hannover 96 mit starker Hinrunde

Hannover erkämpfte sich zum Schluss noch verdient den 23. Zähler einer bemerkenswerten Hinserie. «Das war ein Wahnsinnsspiel, ein schöner Jahresabschluss», sagte Torschütze Korb. Tschauner nahm als Erkenntnis mit in die Winterpause: «Wir können zu Hause punkten, egal wer kommt.»

Beide Mannschaften spielten von Anfang an mutig und munter nach vorn und boten beste Unterhaltung. Dass es bei dem offenen Schlagabtausch auch Abwehrfehler gab, war zumindest den neutralen Zuschauern egal.

Breitenreiter glücklich über Punktgewinn

Auch André Breitenreiter war - im Gegensatz zu seinem Kollegen  Herrlich - rundum glücklich. «Das war der i-Punkt auf ein erfolgreiches Jahr», sagte der Trainer von Hannover 96. «Es gab viele Emotionen über das Jahr, und dann so einen Abschluss gegen eine absolute Spitzenmannschaft.»

Der Coach der Gastgeber erinnerte daran, dass seine Mannschaft neben Augsburg die große Überraschung der ersten Hälfte der Bundesligasaison ist. «Wir waren Abstiegskandidat Nummer eins», sagte der Coach: «Was die Mannschaft geleistet hat, ist bemerkenswert.»

Die Aufholjagd und das späte Unentschieden zeige «die Willenskraft», lobte Breitenreiter sein Team: «Das macht mir Spaß und es macht mich stolz, wie die Mannschaft das gemacht hat.» Über die Abwehrfehler bei dem irren Spiel mochte er nicht groß reden. «Wir brauchen nach so einem Spiel kein Haar in der Suppe zu suchen», betonte der 96-Trainer.