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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:

  • Russland gibt die strategisch wichtige Stadt Lyman auf.
  • Laut Militärexperten hatte Kremlchef Putin den Rückzug selbst angeordnet.
  • Zudem sicherte Bundesverteidigungsministerin Lambrecht der Ukraine weitere Waffenlieferungen zu.

Die Stadt Lyman sei "vollständig geräumt", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntagmittag. Nach Einschätzung von Militärexperten hatte Kremlchef Wladimir Putin den Rückzug selbst angeordnet, um die Front in anderen Gebieten zu stärken. Für Kiew war es ein weiterer militärischer Sieg. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) kündigte nach einem Besuch in der Ukraine weitere Waffenlieferungen für das Land an.

Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums hatte am Samstag den Rückzug aus Lyman in der Ostukraine bekanntgegeben und den Schritt mit der Gefahr einer Einkesselung begründet. Zuvor hatten ukrainische Behörden von rund 5000 eingekesselten russischen Soldaten gesprochen. Nach Einschätzung britischer Geheimdienste erlitten die Russen bei dem Rückzug hohe Verluste.

Lambrecht kündigt schnelle Waffenlieferungen an

Lambrecht kündigte für das kommende Jahr die Lieferung von 16 Radpanzerhaubitzen aus slowakischer Produktion an die Ukraine an. Die Systeme vom Typ Zuzana würden in der Slowakei produziert und gemeinsam mit Dänemark, Norwegen und Deutschland finanziert, sagte die SPD-Politikerin der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" nach der Rückkehr von ihrer ersten Reise in die Ukraine seit Kriegsbeginn am 24. Februar. Lambrecht hatte der Ukraine bei ihrem Besuch in der Schwarzmeerstadt Odessa die rasche Lieferung einer ersten Einheit des Luftabwehrsystems Iris-T SLM zugesichert. Deutschland will Kiew zunächst vier der jeweils 140 Millionen Euro teuren Systeme zur Verfügung stellen. Die Finanzierung von drei Weiteren ist gesichert.

Putin hat den Rückzug aus Lyman selbst angeordnet

Die Militärexperten des renommierten Institute for the Study of War sehen in dem Rückzug russischer Truppen aus Lyman "mit ziemlicher Sicherheit" eine bewusste Entscheidung Putins. Nicht die Kommandeure hätten entschieden, dass die Frontlinien nahe der Städte Kupjansk oder Lyman nicht verstärkt werden, sondern der Präsident selbst. Es deute darauf hin, dass sich Putin vielmehr um die Sicherung strategischer Gebiete in den Regionen Cherson und Saporischschja bemühen wolle. Lyman liegt in der Region Donezk.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste erlitten die Russen beim Rückzug aus Lyman hohe Verluste. Die Stadt sei zuvor mutmaßlich von unterbesetzten russischen Einheiten sowie Reservisten verteidigt worden. Beim Rückzug über die einzige Straße aus der Stadt, die noch unter russischer Kontrolle sei, seien wohl viele Soldaten gefallen. Offizielle Angaben dazu gab es weder aus Kiew noch aus Moskau.

Mehr als sieben Monate nach Kriegsbeginn hatte Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag neben Donezk auch die ukrainischen Gebiete Luhansk, Cherson und Saporischschja annektiert – obwohl Moskaus Truppen diese nur teilweise kontrollieren. International wird dieser völkerrechtswidrige Schritt nicht anerkannt.

Verwendete Quellen

Nachrichtenagentur dpa