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Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Kreml lässt neuerdings die Drohungen sein und warnt selbst vor einer atomaren Eskalation.
  • Experten sehen in diesem Kurswechsel einen Hinweis darauf, dass Putins Taktik nicht aufgegangen ist.
  • Dennoch warnen Experten davor, Putins Atom-Poker als beendet zu erklären.

Noch im September drohte Wladimir Putin, man werde "alle zur Verfügung stehenden Mittel" einsetzen, um Russland zu schützen. Das sei "kein Bluff". Jetzt mildert der Kreml plötzlich seine Rhetorik – und rudert zurück. Anfang November veröffentlichte das russische Außenministerium gar eine Erklärung zur "Verhinderung eines Atomkriegs".

Laut den Militärexperten des US-Thinktanks "Institute for the Study of War (ISW)" rührt die Kehrtwende daher, dass Putins vorherige Einschüchterungstaktiken nicht aufgegangen sind. Demnach hatte der Kreml die Ukraine mit seinen Drohungen zu Verhandlungen drängen und die Unterstützung des Westens für Kiew verringern wollen. Auch der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, sagte kürzlich, Putin ziele mit der Atomwaffen-Drohung "in erster Linie auf Deutschland".

Nato soll mit massivem Gegenschlag gedroht haben

Das ISW befindet, dass genau diese Taktik nicht aufgegangen sei. Stattdessen sei den russischen Militärkommandeuren bewusst geworden, dass der Einsatz von Atomwaffen gegen die Ukraine zwar "massive Kosten" mit sich brächte, aber nur "geringen operativen Gewinn". Zudem soll die Nato für den Fall einer nuklearen Eskalation einen zwar nicht nuklearen, aber dennoch umfangreichen Gegenschlag in Aussicht gestellt haben.

Laut dem deutschen Militärexperten Nico Lange, der bis Ende 2021 Chef des Leitungsstabs im Bundesverteidigungsministerium war, sind diese Entwicklungen ermutigend. Dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" sagte er, das alles zeige: "Wenn man Putins Drohungen und Einschüchterungsversuchen geschlossen und ruhig widersteht, zieht er zurück."

Experten: "Sie werden es im Zweifel wieder tun"

Der Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik ist ähnlicher Meinung, wie er dem ZDF mitteilte. Auf dem Schlachtfeld bringe der Einsatz einer solchen Waffe nur einen kurzzeitigen Effekt, so Christian Mölling. Aber Russland müsse die politischen Kosten dagegen rechnen. "Alle Staaten der Welt werden dazu eine Position beziehen müssen." Insbesondere China habe inzwischen deutlich gemacht, dass es einen Atomwaffen-Einsatz gegen ein Land, das selbst keine Nuklearwaffen hat, nicht akzeptieren würde.

Dennoch glauben die Forscher des US-amerikanischen Thinktanks laut einem Bericht nicht, dass Putin die Atomdrohungen künftig ganz sein lassen wird. Etwa um die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zu veranlassen, die Ukraine zu Verhandlungen zu drängen, könne er weiterhin auf diese Methode zurückgreifen. Auch Mölling glaubt nicht an eine Entwarnung, wie er dem ZDF zu verstehen gibt. Der Kreml habe gesehen, dass die Drohung bei uns funktioniert. "Und deshalb werden sie es im Zweifel wieder tun", so der Außenpolitik-Experte.

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