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Das Wichtigste in Kürze:

  • Viele Haushalte müssen ihr komplettes Einkommen pro Monat ausgeben
  • Kanzler Scholz stellt neue Hilfen für Unternehmen in Aussicht
  • Arbeitgeber rechnen mit Rezession in Deutschland

Die stark gestiegenen Preise machen immer mehr Menschen in Deutschland zu schaffen. Jetzt haben die Sparkassen alarmierende Zahlen vorgelegt. 60 Prozent der Haushalte verbrauchen nach Berechnung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands für die laufenden Ausgaben ihre gesamten monatlichen Einkünfte und teils auch Ersparnisse. Für den deutschen Mittelstand sei dies ein besonders wichtiger Faktor. Vor allem Gastgewerbe, Tourismus, Einzelhandel und andere Dienstleister müssen sich darauf einstellen, dass Kunden weniger ausgeben.

Die hohen Energiepreise könnten darüber hinaus Firmen an den Rand der Existenz geraten, sagte Verbandspräsident Helmut Schleweis. Sein Verband forderte, die Strom- und Gaspreise zu begrenzen. Auch müssten Haushalte und Unternehmen mindestens 20 Prozent Energie einsparen und in erneuerbare Energien investieren.

Viele Haushalte verbrauchen komplettes Einkommen

"Wir sehen im Moment noch keine Krisensignale", sagte Schleweis mit Blick auf die Auswertung der Bilanzen von mehr als 300 000 Firmenkunden. Der Ausblick sei aber schwierig: "Vor uns allen liegen anstrengende und in Teilen auch entbehrungsreiche Jahre." Mit einer Eigenkapitalquote von durchschnittlich knapp unter 40 Prozent stehe den Unternehmen aber das Kapital zur Verfügung, um in den Umbau der Energieversorgung zu investieren. Auch die Kreditversorgung sei gesichert.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat derweil zur gemeinsamen Überwindung der Energie- und Preiskrise in Deutschland aufgerufen. Beim Deutschen Arbeitgebertag in Berlin sagte Scholz, er sei froh, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften in dieser Woche erneut in der konzertierten Aktion zusammenkämen, um gemeinsam zu beraten, was zu tun sei. Ziel der Zusammenkunft von Spitzenvertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften an diesem Donnerstag sei es, dass das Unterhaken in den Betrieben gelinge. 

Scholz: Werden Unternehmen helfen

Er erinnerte daran, dass die Regierung mögliche Unterstützungszahlungen der Unternehmen an die Beschäftigten bis zu 3000 Euro steuer- und abgabenfrei stellen wolle.

Zugleich stellte Scholz mehr Hilfen für Unternehmen in Aussicht. "Wir arbeiten jetzt (…) mit Hochdruck daran, dass wir die bestehenden Fördermöglichkeiten ausweiten", so der Kanzler. "Es ist eine Gemeinschaftsanstrengung, diese Zeit zu überstehen, und wir werden das auch gemeinsam tun."

Arbeitgeber rechnen mit Rezession

Besorgt über die wirtschaftliche Entwicklung zeigte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. Er sagte: "Eine Rezession ist wahrscheinlich, als mittelständischer Unternehmer spüre ich das jeden Tag." Dulger verwies auf die "dramatische Konjunkturlage" infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und die "heftigen Lieferengpässe".

Der Bundesregierung warf Dulger vor, mit ihrem Kurs bei der Atomkraft die Energieversorgung aufs Spiel zu setzen. "Es fühlt sich so an, wie wenn auf der Titanic alle Rettungsboote über Bord geworfen werden, die Musikkapelle spielt im Speisesaal weiter, und man verlässt sich darauf, dass vielleicht doch nicht so viel Wasser eindringt."