- Bildquelle: Gavriil Grigorov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa © Gavriil Grigorov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Das Wichtigste in Kürze:

  • Putin will völkerrechtswidrige Annexionen im Kreml feiern.
  • Gleichzeitig steht die Ukraine vor wichtigem militärischem Erfolg im Gebiet Donezk.
  • Russische Truppen in Lyman sind praktisch eingekesselt.

Die Kleinstadt Lyman im Gebiet Donezk im Osten des Landes hat für die ukrainischen Truppen strategisch eine enorme Bedeutung. Würde sie zurückerobert, droht den russischen Truppen dort eine Abschneidung der Verbindungswege von Lyman nach Kreminna und Swatowe im Luhansker Gebiet. Genau das steht nun offenbar kurz bevor.

Russische Truppen in Lyman fast eingekesselt

Nach russischen Angaben konnte das ukrainische Militär mehrere Orte östlich von Lyman einnehmen. "Gegen Mitternacht ist es der ukrainischen Truppen gelungen, Lyman faktisch einzukesseln", berichtete der nationalistische Militärblog "Rybar" am Freitag. Die Ortschaft Stawky im Norden Lymans sei gefallen, östlich von Lyman, in Saritschne, gebe es Straßenkämpfe. Auch der russische Militärblogger Semjon Pegow bestätigte die ukrainische Eroberung von Stawky.

"Die Straße zwischen Lyman und Torske befindet sich unter ständigem Feuer des Gegners", teilte Rybar weiter mit. Die Straße nach Torske war nach dem Vorstoß der ukrainischen Kräfte westlich und nördlich von Lyman die einzige Nachschub-Verbindung der russischen Garnison in der Stadt. Zudem berichtet der Blog von einem ukrainischen Sturm auf die Stadt Jampil südöstlich von Lyman. "Rybar" warnt: "Wenn nicht innerhalb von 24 Stunden entschiedene Maßnahmen vonseiten der russischen Militärführung getroffen werden, erwartet Lyman das Schicksal von Balaklija."

Die Rückeroberung von Balaklija leitete eine Großoffensive im Gebiet Charkiw ein. Infolge der Befreiung der Stadt brachte die Ukraine fast das ganze Gebiet wieder unter seine Kontrolle und zwang die russischen Truppen zu einem hastigen Rückzug. Sollte der Ukraine die Eroberung von Lyman gelingen, öffnet sich für das ukrainische Militär der Weg nach Swatowe und Kreminna und damit tief in das Gebiet Luhansk hinein, das Moskau seit dem Sommer weitgehend unter eigene Kontrolle gebracht hatte.

Putin will Annexionen im Kreml feiern

Für Russlands Präsident Wladimir Putin kommen die jüngsten Erfolge der von seinen Truppen überfallenen Ukraine zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. In einem Festakt will Putin am Freitag im Kreml die Annexion von Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja offiziell verkünden.  In der Nacht schon erkannte der Kremlchef in einem weiteren völkerrechtswidrigen Akt die besetzten ukrainischen Gebiete Cherson und Saporischschja als unabhängige Staaten an. Aus Moskaus Sicht gilt dies als Voraussetzung dafür, dass die Regionen ihre Aufnahme in die Russische Föderation beantragen können. 

In Scheinreferenden hatten die Gebiete zuvor über einen Beitritt zu Russland abstimmen lassen. Damit will Moskau erstmals seit der Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim 2014 wieder gewaltsam Grenzen in Europa verschieben. Kein Staat erkennt das Vorgehen an.

Am 21. Februar hatte Putin bereits die Unabhängigkeit der ukrainischen Regionen Luhansk und Donezk, die sich "Volksrepubliken" nennen, anerkannt. Danach begann er seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die von Moskau eingesetzten Führungen in den okkupierten Gebieten wollen nun im Großen Kremlpalast Verträge über den Beitritt zur Russischen Föderation unterzeichnen. Die Annexionen gelten als Bruch des Völkerrechts, den die Ukraine nicht hinnehmen will.

Verwendete Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa