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Andrij Melnyk, bis Freitag (14. Oktober) ukrainischer Botschafter in Deutschland, geht zurück in seine Heimat. Mehr als sieben Jahre war der Diplomat in Berlin - seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine gab er sich immer wieder laut - und erstaunlich undiplomatisch. Im exklusiven Interview mit ProSieben Newstime erklärt der 47-Jährige, warum er auch mal schärfere Töne anschlagen musste. 

"Als der Krieg ausbrach, war das für mich ein Alarmsignal" so Melnyk. Er habe nicht weitermachen können, wie bisher. "Wenn ich weiter so bleibe, wie ich immer war, höflich einen Termin anfragen und dann in ein paar Wochen bekommen", das sei für ihn nicht vorstellbar gewesen. Präsident Selenskyj habe ihn häufig gefragt, was die Deutschen tun und wie sie die Ukraine unterstützen werden. "Was sollte ich berichten? Dass ich jetzt einen Termin angefragt habe und dann hoffe ich, dass ich Verständnis bekomme? Das war leider nicht möglich." Lauter zu werden, sei eine spontane Entscheidung gewesen. "Das war ja keine Kalkulation, kein Masterplan, es waren keine Anweisungen aus Kiew, sondern das war mein persönliches Gefühl der Lage hier in Deutschland. Und man musste wirklich schreien." 

"Wir haben dazu beigetragen, dass die deutsche Politik viele Tabus gebrochen hat"

Doch bedeutet schreien auch beleidigen? Immerhin bezeichnete Melnyk Bundeskanzler Olaf Scholz als "beleidigte Leberwurst", Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warf er zu enge Beziehungen zu Russland vor. Bereut er das? "Natürlich sind wir alle Menschen und jeden Tag versuche ich, zurückzuschauen, was war gut, was war vielleicht nicht so gelungen?" In vielen Fällen sei er vielleicht "oft zu harsch gewesen", gibt sich der Ex-Botschafter kritisch. 

Auf seine Amtszeit in Deutschland blickt er aber trotzdem positiv zurück. "Wir haben dazu beigetragen, dass die deutsche Politik viele Tabus gebrochen hat, vor allem keine Waffen in die Kriegsgebiete zu liefern", so Melnyk. "Das war für mich die wichtigste Aufgabe." Er sei froh, dass Deutschland heute zu den größten Unterstützern der Ukraine gehöre. "Und darauf bin ich stolz und froh." 

Das komplette Interview von ProSieben Newstime mit dem scheidenden ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk seht ihr im Video.