- Bildquelle: IMAGO / SNA © IMAGO / SNA

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die russischen Besatzer haben eine Sperrstunde für Cherson angeordnet.
  • Die Bewohner riefen sie mit Nachdruck zur Flucht auf.
  • Präsident Putin verteidigte die Evakuierungen.

In der von russischen Truppen besetzten ukrainischen Stadt Cherson gilt ab sofort eine Sperrstunde. Die Sperrstunde gelte rund um die Uhr für "Nazis und Helfer des Faschismus", sagte der Vize-Chef der Besatzungsverwaltung, Kirill Stremoussow, am Freitagabend (4. November) in einer Videobotschaft in seinem Telegram-Kanal. Zuvor hatte neben Stremoussow auch die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass gemeldet, dass die Sperrstunde für alle Bewohner gelte. Das Video wurde später offenbar wieder gelöscht.

Russische Besatzer fordern Bewohner auf, Cherson zu verlassen

Die Behörden forderten die Menschen zudem auf, zu ihrer eigenen Sicherheit aus der Stadt zu flüchten. "Möglich sind Terroranschläge und Provokationen", sagte Stremoussow. "Deshalb bitten wir noch einmal die Einwohner von Cherson, die Stadt zu verlassen (…) und den Militärs die Möglichkeit zu geben, ihre Sache ohne Zivilisten zu erledigen." In der umkämpften Region wachse die Gefahr. 

Cherson war bereits rund vier Wochen nach Kriegsbeginn gefallen. Nach einem Scheinreferendum wurde das Gebiet Ende September von Kremlchef Wladimir Putin in die Russische Föderation eingegliedert. Zuletzt gab es Vermutungen, russische Truppen würden sich aus dem Gebiet Cherson zurückziehen. Die Ukraine führt seit Wochen eine Offensive zur Befreiung der Region. Wegen des ukrainischen Vormarschs begann Russland im Oktober, Menschen aus Cherson zu schicken.

Wladimir Putin verteidigt Evakuierung von Cherson

Der russische Präsident Wladimir Putin verteidigte die Evakuierung der Stadt, zu der am 18. Oktober aufgerufen worden war. "Natürlich sollten jetzt jene, die in Cherson leben, sich aus der Zone der gefährlichen Handlungen entfernen", sagte der Kremlchef bei einem Treffen mit Freiwilligen in Moskau, die Flüchtlingen aus der Ukraine helfen.

Offiziellen Angaben zufolge sollen schon 80.000 Menschen das Gebiet Cherson verlassen haben. Die Ukraine spricht von Verschleppung der Menschen. In den umkämpften Teilen der Region sollen weiter 170.000 Menschen ausharren, die bisher nicht fliehen wollten oder konnten.

Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa