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Das Wichtigste in Kürze:

  • Selenskyj kündigt neue Offensiven an
  • Auch die Krim soll zurückerobert werden
  • Ukrainischer Präsident wirft Russen "Nazi"-Praktiken vor

Die Ukraine setzt auf weitere Offensiven. Verhandlungen mit dem Angreifer Russland seien wegen der aktuellen militärischen Situation und zahlreicher Kriegsverbrechen Russlands sinnlos, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er kündigte neue Angriffe auf das von russischen Truppen besetzte Gebiet in der Ukraine an. "Vielleicht erscheint es irgendjemandem unter Ihnen so, dass nach einer Reihe von Siegen Stille eingetreten ist, doch das ist keine Stille", sagte Selenskyj am Sonntag in seiner täglichen Videoansprache. Vielmehr sei es die Vorbereitung auf die nächste Offensive, deren Ziel die Rückeroberung von Mariupol, Melitopol und Cherson sei.

Selenskyj kündigt weitere Angriffe an

Nach Angaben Selenskyjs wird sich die Ukraine dabei nicht nur auf die Gebiete konzentrieren, die es vor dem russischen Überfall im Februar kontrollierte. Auch die Territorien der von Moskau unterstützten Separatisten im Osten des Landes und Städte auf der seit 2014 von Russland annektierten Krim würden zurückerobert, kündigte der 44-Jährige an. "Denn die gesamte Ukraine muss frei sein."

Russland hat nach seinem Einmarsch in der Ukraine am 24. Februar große Gebiete im Süden und Osten des Landes erobert. Derzeit hält Moskau immer noch rund 125 000 Quadratkilometer besetzt - das ist etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebietes inklusive der Halbinsel Krim.

Russen wenden Nazi-Methoden an

Selenskyj verglich das Vorgehen der russischen Besatzer in seinem Land mit den Nazi-Gräueln im Zweiten Weltkrieg. Es gebe grausamste Folter, Deportationen, verbrannte Städte, bodenlosen Hass und nichts Lebendiges mehr unter russischer Besatzung, sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft am Samstag.

Der ukrainische Präsident sagte, die Russen würden anders als die Nazis keine Seife aus den getöteten Ukrainern machen - und keine Lampenschirme aus ihrer Haut. "Aber das Prinzip ist das gleiche», meinte Selenskyj fast sieben Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs. Selenskyj bezeichnete die aus Charkiw geflohenen Besatzer als "Raschisten" und sagte, so hätten sich auch die "Nazis" verhalten. "Raschismus" vereint die Wörter Russland und Faschismus und wird von vielen Ukrainern als Begriff für "russischer Faschismus" benutzt. Wie die "Nazis" würden auch die "Raschisten" auf dem Schlachtfeld und vor Gericht zur Verantwortung gezogen, sagte er.

"Raschisten" foltern mit Stromschlägen

"Wir werden die Identitäten aller ermitteln, die gefoltert und misshandelt haben, die diese Grausamkeiten von Russland hier auf ukrainisches Gebiet gebracht haben", betonte der 44-Jährige. Bei ihrer Flucht hätten die Besatzer Foltergeräte zurückgelassen. Ukrainische Behörden veröffentlichten Fotos, die Folterkammern und -geräte zeigen sollen. Es seien inzwischen mehr als zehn solche Kammern in Städten des großen befreiten Gebiets entdeckt worden, sagte er. "Folter war eine weit verbreitete Praxis in dem besetzten Gebiet."

Selenskyj zufolge wurden Menschen mit Drähten und Stromschlägen gequält. So sei etwa auf einem Bahnhof in Kosatscha Lopan ein Folterraum mit elektrischen Folterwerkzeugen entdeckt worden.