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Das Wichtigste in Kürze:

  • Selenskyj ruft Russen zu Widerstand gegen Einberufungen auf
  • Ukrainischer Außenminister greift Lawrow vor UN an
  • Scheinreferenden in besetzten Gebieten in Ostukraine starten

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Russen dazu aufgefordert, gegen die Teilmobilmachung Widerstand zu leisten und sich der Einberufung ins Militär zu entziehen. "Protestiert! Kämpft! Lauft weg! Oder begebt Euch in ukrainische Kriegsgefangenschaft! Das sind die Varianten für Euch zu überleben", sagte Selenskyj in seiner auf Russisch gehaltenen Videobotschaft am Donnerstag. 

Selenskyj ruft Russen zu Protesten auf

Laut Selenskyj sind bereits 55.000 russische Soldaten im Angriffskrieg gegen die Ukraine gestorben. Moskau selbst spricht von knapp 6.000 Toten. Der ukrainische Staatschef appellierte besonders an die Mütter und Ehefrauen der Einberufenen: "Zweifelt nicht daran, dass die Kinder der Führung Eures Staats nicht am Krieg gegen die Ukraine teilnehmen. Diejenigen, die die Entscheidungen in Eurem Land treffen, schützen ihre Kinder. Und Eure Kinder werden nicht einmal beerdigt."

Vor der UN-Vollversammlung in New York ging derweil der verbale Schlagabtausch zwischen der vom Westen unterstützten Ukraine und Russland weiter. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sagte vor dem UN-Sicherheitsrat, Moskau habe keinerlei Interesse an Friedensgesprächen und "sucht nur nach einer militärischen Lösung". 

"Diplomaten fliehen wie russische Soldaten"

Russischen Diplomaten warf er ein "außergewöhnliches Maß an Lügen" vor. Mit Blick auf den russischen Außenminister Sergej Lawrow, der den Saal bei dem Treffen zur Ukraine rund 90 Minuten zu spät betreten und dann direkt nach seiner Rede wieder verlassen hatte, sagte Kuleba: "Ich habe heute auch bemerkt, dass russische Diplomaten genauso fliehen wie russische Soldaten."

Lawrow wiederum warf dem Westen wegen dessen Waffenlieferungen und der Unterstützung für Kiew eine direkte Einmischung in den Krieg vor. "Diese Politik, Russland zu zermürben und zu schwächen, bedeutet die direkte Einmischung des Westens in den Konflikt und macht ihn zu einer Konfliktpartei", sagte Lawrow bei seinem Kurzauftritt in der Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Die Position jener Staaten, "die die Ukraine mit Waffen vollpumpen und ihre Soldaten ausbilden", sei besonders zynisch. Ziel dieser Unterstützung sei offensichtlich, die Kämpfe "trotz der Opfer und der Zerstörung so lange wie möglich hinauszuzögern", sagte Lawrow.

Scheinreferenden in Ostukraine beginnen

In den ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja starten am Freitag die erzwungenen Abstimmungen über einen Beitritt zu Russland. Sie sollen bis Dienstag abgeschlossen sein. Russland will sich mit Hilfe des Ergebnisses die Gebiete einverleiben und beruft sich auf das "Selbstbestimmungsrecht der Völker". Weder die Ukraine noch die internationale Gemeinschaft erkennen die Abstimmung unter der Besatzungsmacht Russland an. Es handelt sich um Scheinreferenden, weil sie ohne Zustimmung der Ukraine, unter Kriegsrecht und nicht nach demokratischen Prinzipien ablaufen. Auch eine freie Arbeit internationaler unabhängiger Beobachter ist nicht möglich.

Verwendete Quellen:

  • dpa