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Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach dem gewaltsamen Tod einer jungen Frau nach deren Festnahme durch die Sittenpolizei halten die Proteste im Iran an.
  • Die Regierung geht hart gegen die Demonstranten vor.
  • Nun wurde auch die Tochter des Ex-Präsidenten festgenommen.

Die Tochter eines Ex-Präsidenten des Iran wurde von Sicherheitskräften wegen Unterstützung der Proteste verhaftet. Die 59 Jahre alte Faezeh Haschemi - eine bekannte Frauenrechtlerin - wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim von Mittwoch in Teheran festgenommen. Sie habe versucht, weitere Frauen zur Teilnahme an den Protesten zu motivieren. Dies gilt im Iran derzeit als illegal. Haschemis Vater war der 2017 verstorbene und damals einflussreiche iranische Ex-Präsident Ali Akbar Haschemi-Rafsandschani.

Die durch den Tod einer jungen Frau ausgelösten Demonstrationen in dem Land gingen derweil nach Angaben von Augenzeugen auch in der Nacht zum Mittwoch weiter. Medienberichten zufolge kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften sowie zu Festnahmen in verschiedenen Teilen des Iran. Die iranische Polizei erklärte, sie werde landesweit konsequent gegen "Randalierer" vorgehen.

Internationale Reaktionen: Guterres hinsichtlich der Situation im Iran "zunehmend besorgt"

International wird die Situation im Iran mit Sorge verfolgt: UN-Generalsekretär António Guterres sei nach Angaben eines Sprechers "zunehmend besorgt" mit Blick auf Berichte über eine steigende Zahl von Todesopfern, "darunter Frauen und Kinder". Guterres fordere die Sicherheitskräfte auf, keine unnötige oder unverhältnismäßige Gewalt anzuwenden. Zur Zahl der Toten und Verhafteten gibt es weiter keine genauen Angaben. Der iranische Staatssender spricht von mehr als 40, andere Quellen von mehr als 70 Toten. Festnahmen soll es landesweit Tausende gegeben haben.

Auch das Auswärtige Amt reagierte und verschärfte angesichts der Situation im Iran seine Reisehinweise. "Polizei- und Sicherheitskräfte gehen zunehmend gewaltsam gegen Demonstrierende vor, es gibt Tote und Verletzte", hieß es. Es käme zudem im Umfeld von Demonstrationen zu willkürlichen Verhaftungen, auch unbeteiligter ausländischer Staatsangehöriger. Von Reisen in den Iran werde dringend abgeraten.

Grünen-Chef Omid Nouripour rief die Europäische Union angesichts der Gewalt zu neuen Sanktionen gegen Vertreter der iranischen Führung auf. Irans Präsident Ebrahim Raisi bezeichnete die Proteste unterdessen erneut als "Verschwörung" gegen sein Land. "Das sind Verschwörungen der Feinde gegen Irans Führung, weil sie sich von der Dominanz, dem Einfluss und Fortschritt des Systems bedroht fühlen", sagte Raisi in einer Kabinettssitzung am Mittwoch.

Tod einer 22-Jährigen Auslöser der Proteste

Auslöser der nun seit elf Tagen anhaltenden Proteste im Iran ist der Tod der 22 Jahre alten Mahsa Amini. Die junge Frau war von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden und am 16. September unter ungeklärten Umständen verstorben. Die Demonstranten sprechen von Polizeigewalt, die Behörden dementieren dies vehement. Die Regierung des Iran schränkt derzeit das Internet wegen der landesweiten Proteste weiterhin ein.

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften. Insbesondere in den Metropolen sehen viele Frauen die Regeln inzwischen aber lockerer und tragen beispielsweise ihr Kopftuch nur auf dem Hinterkopf - zum Ärger erzkonservativer Politiker.

Haschemi seit Jahren Kritikerin des Systems 

Die nun festgenommene Aktivistin Haschemi gehört schon seit Jahren zu den Kritikern des islamischen Systems. Die ehemalige Abgeordnete und Frauensportfunktionärin steht zudem auf einer sogenannten schwarzen Liste des Systems und wurde bereits mehrmals verhaftet.

Haschemi war als Frauenaktivistin stets gegen den Kopftuchzwang, obwohl sie selbst Kopftuchträgerin ist. Sie war auch Herausgeberin der Tageszeitung "San" (zu Deutsch: Frau), die jedoch 1999 aufgrund ihrer feministischen Ansichten schließen musste. Haschemis Vater galt als moderater Politiker und Mentor des früheren Präsidenten Hassan Ruhani.

Die in Paris lebende persische Ex-Kaiserin Farah Pahlavi rief unterdessen den Westen dazu auf, die Iraner zu unterstützen. "Der Westen kann ihnen helfen, indem er all die Schrecken erzählt, die im Iran unter diesem Regime passieren", sagte sie dem Sender i24News in Paris und weiter: "Ich hoffe, dass dieses Regime gestürzt wird." Die 83-Jährige ist die Ehefrau des 1979 gestürzten persischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi.