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Nach dem Verzicht von CSU-Chef Markus Söder und der Ausrufung von CDU-Chef Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten der Union verzeichnet die CSU einen sprunghaften Anstieg von Anfragen nach Online-Mitgliedschaften. Man komme bei der Bearbeitung derzeit kaum hinterher, teilte die CSU auf Nachfrage mit. CSU-Generalsekretär Markus Blume bestätigte der "Bild"-Zeitung, dass in der Münchner CSU-Landesleitung allein am Donnerstag mehr als 1000 Anträge auf Online-Mitgliedschaft eingegangen seien.

 

Söder ist "Kandidat der Herzen"

Die CDU erklärte dazu auf Anfrage, grundsätzlich freue man sich über jede Unterstützung für die Union, "denn nur zusammen und engagiert werden wir den anstehenden Bundestagswahlkampf erfolgreich bestreiten". Nachdem sich Laschet im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur gegen Söder durchgesetzt hatte, hatte Blume seinen Parteichef als "Kandidaten der Herzen" bezeichnet.

Die CSU bietet schon seit September 2020 Online-Mitgliedschaften an, für die man keinem Ortsverband angehören muss. CSU-Online-Mitglieder haben damit zwar kein innerparteiliches Stimmrecht, können sich aber digital in die Parteiarbeit einbringen. So bekommen sie nach Parteiangaben einen exklusiven Zugang zu Informationen, können sich an Online-Umfragen und -Schulungen beteiligen und an digitalen Parteievents teilnehmen.

Merz appelliert an Mitglieder

Der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz appellierte an die CDU-Mitglieder, in der Partei zu bleiben. "Wir haben derzeit sehr viele Austritte in den Kreisverbänden der CDU. Ich möchte deshalb an dieser Stelle sagen: Bitte bleiben Sie in der CDU, es kommen auch wieder bessere Zeiten. Jetzt müssen wir gemeinsam für ein gutes Bundestagswahlergebnis kämpfen", twitterte er am späten Donnerstagabend. Merz war Laschet im Rennen um den Parteivorsitz unterlegen, hatte den CDU-Chef jedoch im Kampf um die Kanzlerkandidatur unterstützt.

Eine breite Bewegung ist bei der CDU bisher nicht feststellbar. So gab es zum Beispiel in der niedersächsischen CDU nach dem Votum für Laschet zwar mehr Aus- als Eintritte. Von einer Austrittswelle könne aber keine Rede sein, sagte ein Parteisprecher in Hannover. Konkrete Zahlen gab es nicht. CDU-Landeschef Bernd Althusmann hatte sich früh für Laschet positioniert - Beratungen mit den CDU-Kreisvorsitzenden hatten am Sonntagabend aber ein anderes Stimmungsbild ergeben.

In der schleswig-holsteinischen CDU gab es 20 Parteiaustritte im Zusammenhang mit der K-Frage, weitere werden noch erwartet, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage mitteilte. Die hessische CDU stellte nach eigenen Angaben keinen Anstieg an gekündigten Mitgliedschaften fest. Dort herrsche Einigkeit, dass der Bundestagswahlkampf geschlossen mit CDU und CSU gestartet werde, hieß es.