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Das Wichtigste in Kürze:

  • Der sächsische Ministerpräsident forderte, nach dem Krieg wieder Gas aus Russland zur Energieversorgung nutzen.
  • Etliche Politiker kritisierten den CDU-Politiker scharf für diese Aussage.
  • Grünen-Mann Hofreiter erwartet von CDU-Parteichef Merz eine Reaktion.

Michael Kretschmers (CDU) Vorstoß nach einer Wiederaufnahme von russischen Gaslieferungen nach dem Krieg schlägt hohe Wellen. Am Wochenende hatte der sächsische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag" gesagt, "wenn der Krieg vorbei ist, sollten wir auch wieder Gas aus Russland nutzen".

Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisierte diese Forderung jetzt scharf. "Ich kann nur sagen, dass Herr Kretschmer wirklich komplett falsch abgebogen ist", sagte Strack-Zimmermann im Podcast "Wach & Wichtig" des rbb-Senders Radioeins am Dienstag (25. Oktober). Der CDU-Politiker bewege sich auf sehr gefährlichem Terrain. "Ich kann nur sagen, dass die Zukunft des russischen Gases erledigt ist."

Hofreiter fordert: Merz muss Kretschmer zur Verantwortung rufen

Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken warnte vor einer Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen. "Wir werden auch nach dem Krieg ganz klar unsere Abhängigkeit von russischen Energielieferungen nicht wieder aufbauen. Da sind wir froh, dass wir jetzt die wichtigsten Schritte gemacht haben, um da rauszukommen", sagte Esken am Montag (24. Oktober) in der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv. Es sei ein großer Fehler gewesen, sich in der Energieversorgung von einem Staat abhängig zu machen. "Da sollten wir nicht darüber nachdenken, den wieder zu begehen."

Grünen-Politiker Anton Hofreiter wurde noch deutlicher. Er nannte die Forderung nach einer Rückkehr zu russischem Gas "populistisch und unverantwortlich". Wer das fordere, müsse dann auch sagen, dass er "Lust habe, Russland Geld zu geben, damit es noch mehr Drohnen im Iran einkaufen kann, um noch mehr in der Ukraine zu zerstören", sagte Hofreiter dem Fernsehsender Phoenix. Wenn die Union es ernst meine, dass sie an der Seite der Ukraine stehe, dann müsse CDU-Parteichef Friedrich Merz Ministerpräsident Kretschmer zur Verantwortung rufen.

Stephan Weil: Zukunft liegt in erneuerbaren Energien

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil reagierte etwas diplomatischer, aber dennoch skeptisch auf Kretschmers Worte. "Das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland ist, so fürchte ich, auf Jahre zerrüttet. Ich sehe derzeit leider nicht, dass das durch den brutalen Krieg zerstörte Vertrauen in absehbarer Zeit wiederhergestellt werden kann", so der SPD-Politiker am Sonntag (23. Oktober) gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Auch wenn sich alle "so schnell wie möglich" Frieden für die Ukraine wünschten, liege die Zukunft der deutschen Energieversorgung nicht im Gas, sondern in erneuerbare Energien.

Kretschmer hatte mit seinen Äußerungen über Putins Angriffskrieg in der Vergangenheit viel Kritik einstecken müssen, auch in den eigenen Reihen. So hatte er sich wiederholt für Verhandlungen über ein Ende des Kriegs in der Ukraine ausgesprochen. Es müsse so schnell wie möglich eine diplomatische Lösung geben, die Ukraine aber nicht auf Staatsgebiete verzichten.

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