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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:

  • Durch Russlands Krieg in der Ukraine sind die Kosten für Gas astronomisch gestiegen.
  • Wegen milder Temperaturen und voller Gasspeicher hat sich die Lage aber aktuell etwas entspannt.
  • Der Gaspreis ist jetzt sogar unter die 100-Euro-Marke gefallen.

 

Ein fallender Gaspreis mag für viele angesichts der derzeitigen Energiekrise eine Überraschung sein. Doch genau das ist momentan der Fall: Europäisches Gas ist auf unter 100 Euro pro Megawattstunde gefallen – der niedrigste Stand seit vier Monaten.

Doch wie kommt es zu dieser zwischenzeitlichen Erleichterung? Der milde Herbst, sowie die gut gefüllten Gasspeicher sind laut Analysten ein Grund für die sinkenden Gaspreise. Letztere konnten in Deutschland laut "BR 24" schneller gefüllt werden, als geplant: Die durchschnittlichen Speicherstände liegen deutlich über 95 Prozent.

Des Weiteren konnte sich der Markt durch die Aussicht auf baldige Flüssiggas-Lieferungen entspannen. Dadurch wurden die Sorgen vor schwierigen Wintermonaten etwas abgefedert. Auch arbeitet die EU derzeit an Maßnahmen zur Begrenzung des Gaspreises: Verpflichtende gemeinsame Gaseinkäufe sind nur eine Maßnahme in einem kürzlich von der EU-Kommission vorgeschlagenen Paket.

Gaspreisbremse erst später?

Doch alles ist damit lange nicht geregelt: Die Einführung einer Gaspreisbremse wird sich wohl nach hinten verschieben: Zuletzt hatte Bundeskanzler Olaf Scholz die Diskussion befeuert, dass diese anstatt im April oder März schon im Januar kommen könnte. Diesen Zeitplan hält die Bundesregierung nun jedoch für schwer umsetzbar. Bis es zu einer Umsetzung kommt, wird es also wohl noch etwas länger dauern. 

Regierungssprecher Steffen Hebestreit dämpfte die Hoffnungen auf die Gaspreisbremse ab Januar: "Der Wunsch, eine sehr schnell wirksame Gaspreisbremse zu installieren, steht ein bisschen der Realität entgegen." Die EU sucht wegen der durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine entstandenen Energiekrise fieberhaft einen Weg aus der Abhängigkeit von russischem Gas.

Habeck: Sinkende Gaspreise erst "mittelfristig gute Nachricht"

Der starke Rückgang der Großhandelspreise für Gas wird nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erst mit einiger Verzögerung bei Bürgern und Unternehmen ankommen. "Das ist für die Verbraucher erst eine mittelfristig gute Nachricht, weil die hohen Preise aus dem letzten Jahr im nächsten Jahr noch anfallen werden", sagte Habeck am Dienstag am Rande von Beratungen der für Energie zuständigen Minister in Luxemburg. Für die Märkte sei dies allerdings dennoch ein starkes Zeichen. Man habe zuletzt einen regelrechten Preissturz erlebt.

Als Gründe für die positiven Enwicklungen an den Gasmärkten nannte Habeck unter anderem die gefüllten Speicher und die klaren Signale aus der Politik, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Alleine die Ankündigung, dass man etwas machen werde, habe dazu geführt, dass die Preise runtergingen, erklärte er.

Noch vor kurzem lag der Gaspreis bei 300 Euro 

Tschechiens Industrieminister Jozef Sikela sagte, er hoffe, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Entwicklung ebenfalls beobachte und begreife, dass sich die Waffe Energie nun gegen ihn selbst richte. Dass der Gaspreis an der TTF-Gasbörse am Montag unter die 100-Euro-Marke pro Megawattstunde gesunken war, nannte der derzeitige Vorsitzende des Energieministerrats eine "extrem positive Nachricht". Noch im August hatte er zeitweise bei deutlich mehr als 300 Euro gelegen.

In der Diskussion über mögliche weitere europäische Maßnahmen gegen die Energiekrise machte Habeck bei dem Treffen deutlich, dass er im Bemühen um ein angemessenes Preisniveau gemeinsame Gaseinkäufe für das effizienteste Instrument halte. "Europa hat eine große Marktmacht. Wenn sich die großen Akteure absprechen dürfen, Einkaufsgemeinschaften bilden sollen oder dürfen, dann wird sich die Marktmacht Europas auswirken", sagte Habeck. Diese konkurrierten dann nicht mehr miteinander und trieben den Preis dadurch nicht mehr nach oben.

Ein fixer Preisdeckel sei hingegen "nicht das richtige Instrument", betonte Habeck. Deswegen sollte derzeit lediglich an dynamischen Obergrenzen gearbeitet werden, die spekulative Ausschläge an den Börsen verhindern könnten.

Verwendete Quellen:

  • eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa