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Mit Kampfgeist und demonstrativer Einigkeit will die neue Doppelspitze aus Horst Seehofer und Markus Söder die CSU im Landtagswahljahr 2018 aus der Krise führen. Der CSU-Parteitag in Nürnberg besiegelte am Samstag die Schicksalsgemeinschaft der beiden Rivalen und zog einen Schlussstrich unter einen langen und quälenden Machtkampf.

Zugleich schaltete die Partei auf Wahlkampfmodus: Söder, der Seehofer demnächst als bayerischer Ministerpräsident ablösen wird, schwor die CSU auf einen harten Kampf um die Verteidigung der absoluten Mehrheit in Bayern ein. «Wer glaubt, wir geben auf, wer glaubt, wir haben Angst, der wird sich täuschen», rief er den jubelnden Delegierten zu.

Söder wurde in einer offenen Abstimmung und bei nur einigen wenigen Gegenstimmen zu Seehofers Nachfolger als Regierungschef gekürt. Die offizielle Stabübergabe soll im ersten Quartal 2018 stattfinden: Dann soll Söder im Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden.

Seehofer wiederum wurde mit einem angesichts der historischen CSU-Pleite bei der Bundestagswahl respektablen Ergebnis als Parteivorsitzender bestätigt. Er musste zwar mit 83,7 Prozent sein bislang schlechtestes Resultat hinnehmen. Nach dem CSU-Absturz auf nur noch 38,8 Prozent bei der Bundestagswahl und dem erbitterten Machtkampf der vergangenen Wochen hatten führende CSU-Politiker die Messlatte aber nur noch auf 80 Prozent gelegt.

CSU muss um Mehrheit fürchten

Söder wollte kein konkrete Zielmarke für die Landtagswahl im Herbst nennen, gab aber erstmals eine Fortsetzung der Alleinregierung als Wunsch und «Anspruch» des CSU aus. Seehofer, der die Partei durch die bevorstehenden Koalitions-Sondierungen mit der SPD in Berlin führen soll, sagte Söder unter dem massiven Druck weiter Teile der Partei seine Unterstützung zu: «Er kann es und er packt es.»

Söder rief den Delegierten in einer kämpferischen Rede zu: «Ich werde mich mit ganzer Kraft, mit ganzer Leidenschaft für dieses Land und die CSU einsetzen.» Eine Prozentzahl könne er nicht versprechen. Söder betonte aber, Bayern sei «wie ein großer Baum: tiefe Wurzeln in der Tradition, aber unsere Äste wachsen nach oben». Diesen bayerischen Baum habe die CSU gepflanzt. «Wir wollen ihn auch weiter pflegen - und am allerliebsten allein. Das ist unser Anspruch.»

Derzeit muss die CSU um die absolute Mehrheit im Landtag fürchten: In Umfragen war sie zuletzt zeitweise bis auf 37 Prozent abgesackt. Erst in einer neuen Erhebung waren es wieder 40 Prozent.

Söder schlug in seiner Rede durchaus markige Töne an, etwa in der Sicherheits- und Asylpolitik. Andererseits nannte er explizit auch sozialpolitische Schwerpunkte, ganz besonders die Pflegepolitik.

Seehofer versicherte, er wolle mithelfen, dass das Landtagswahljahr zu einem großen Erfolg für die CSU werde: «Das werde ich tun, Markus, und darauf kannst du dich verlassen.» Er selbst wolle angesichts der unklaren Lage und der schwierigen Regierungsbildung in Berlin mithelfen, dass die CSU ihrer Verantwortung für Deutschland gerecht werde.

Seehofer trotz Tiefstwert zufrieden

In der Kür der Doppelspitze sieht Seehofer eine Zeitenwende: «Mit dem heutigen Tag läuten wir eine neue Ära in der Christlich-Sozialen Union ein», sagte er. Die beiden Spitzenämter würden zwar getrennt. «Aber die Aktionseinheit der CSU bleibt.»

Seehofer hatte seit 2008 beide CSU-Führungsposten inne, war aber nach der Wahlpleite vor drei Monaten intern massiv unter Druck geraten. Weite Teile der Partei forderten seinen Rückzug mindestens vom Ministerpräsidentenamt und die Stabübergabe an Söder. Seehofer schlug aber erst Anfang Dezember die Ämtertrennung vor und bot Söder die Nachfolge als Ministerpräsident an. Offen ist, ob Seehofer in einer neuen Bundesregierung ein Ministeramt übernehmen will oder nicht.

Söder zollte Seehofer demonstrativ Respekt. Weil die Zeit schwierig sei, müssten «die Stärksten an einem Strang ziehen», sagte er. Beide bemühten sich, Streitigkeiten der Vergangenheit herunterzuspielen.

Tatsächlich sieht die Partei die Doppelspitze mehrheitlich als einzigen Weg aus der Krise - wobei beide aufeinander angewiesen sind: Söder gilt bei der Bayern-Wahl als mit Abstand aussichtsreichster Spitzenkandidat. Er braucht aber Seehofer für die Sondierungen in Berlin - und auch, um die Seehofer-Anhänger hinter sich zu vereinen.

Seehofer erhielt bei seiner Wiederwahl 664 von 793 gültigen Stimmen. Damit landete er unter seinem bisherigen Tiefpunkt von 87,2 Prozent im Jahr 2015 - abgesehen von der Niederlage bei einer Kampfabstimmung gegen Erwin Huber 2007. Er zeigte sich aber zufrieden: «Das ist eine gute Grundlage für das, was auf uns wartet in München und Berlin.»

Gewählt wurden auch fünf stellvertretende Parteivorsitzende: Mit 90,4 Prozent erzielte der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl das beste Ergebnis. Ebenfalls wiedergewählt wurden die EU-Parlamentarier Manfred Weber (84,6 Prozent) und Angelika Niebler (80,5 Prozent). Neu gekürt wurden die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (87,6 Prozent) und die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (79,2 Prozent). Barbara Stamm und Christian Schmidt hatten nicht wieder kandidiert.