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Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Vormarsch der ukrainischen Truppen bei Cherson schreitet voran.
  • Präsident Selenskyj spricht von sehr hohem Tempo.
  • US-Militärexperte sieht abziehende Russen in tödlicher Falle sitzen.

Nach dem Rückzug der russischen Truppen aus Cherson rücken die ukrainischen Truppen dort offenbar immer weiter vor. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Donnerstag (10. November) bei seiner allabendlichen Videobotschaft, das Tempo des ukrainischen Vormarschs habe sich derart erhöht, dass die Bewohner Chersons "nun fast jede Stunde überprüfen, wo unsere Einheiten hingekommen sind und wo sonst unsere Nationalflagge gehisst worden ist". Nach Meinung eines US-Militärexperten begehen die Truppen von Kremlherrscher Wladimir Putin bei ihrem Abzug einen "riesigen logistischen Fehler".

Abziehende Russen sitzen in der Falle

Ex-Generalleutnant Mark Hertling beschreibt auf Twitter die seiner Ansicht nach desaströse Lage der russischen Armee: "Sie haben 40.000 Soldaten über den Fluss Dnipro nach Cherson gebracht. Dadurch wurden die Truppen voneinander abgeschnitten, ohne die Möglichkeit für Nachschub. Die Ukrainer haben die dafür benötigten Brücken gesprengt. Und nun sind die russischen Truppen auf der Westseite des Flusses von den Ukrainern umzingelt. 10.000 bis 25.000 russische Soldaten - oder sogar noch mehr - sitzen in einer Falle ohne Ausweg."

Am Donnerstag hatten Russlands Streitkräfte nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau in Cherson mit dem Rückzug begonnen. Militäreinheiten würden auf die Ostseite des Flusses Dnipro verlegt. Weite Teile Chersons und der gleichnamigen Regionalhauptstadt hatten die russischen Angriffstruppen kurz nach Beginn der Invasion in die Ukraine Ende Februar besetzt.

Rückzug von Putins Truppen verläuft chaotisch

Der russische Plan sieht eigentlich vor, am Ostufer des Flusses Dnipro neue Verteidigungslinien aufzubauen. So soll ein ukrainischer Vormarsch in Richtung besetzter Krim unterbunden werden. Wie der "Focus" unter Berufung auf russische Soldaten und Militärbeobachter berichtet, verläuft der russische Rückzug aber absolut chaotisch. Der ungeordnete Rückzug mache Putins Truppen zu einem leichten Ziel für die Artillerie der Ukraine. Die Russen stünden demnach unter massivem Beschluss. Wie US-Experte Hertling sähen auch die russischen Beobachter die flüchtenden Soldaten in einer tödlichen Falle.

Selenskyj: Bereits 41 Ortschaften befreit

Präsident Selenskyj sagte, in dem Gebiet rund um die südukrainische Stadt Cherson seien bereits 41 Ortschaften befreit. Die Zahl der ukrainischen Flaggen, die im Rahmen der laufenden Verteidigungsoperation "an ihren rechtmäßigen Platz" zurückkehrten, gehe in die Dutzende. Allein seit Mittwoch seien ukrainische Verbände bis zu sieben Kilometer tief in ehemals von Russen besetztes Gebiet vorgestoßen, berichtete der Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj. Nach Darstellung des Generalstabs in Kiew zogen die russischen Militärs nur langsam ab, um ihre Verteidigungslinien am linken Ufer des Dnipro zu verstärken.

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