Endlich wieder Fans und Stimmung in den Stadien, aber gleich zum Start heftige Irritationen um die Bosse des FC Bayern auf der Tribüne. Dass die Funktionäre des Rekordmeisters bei der 8:0-Gala zur Saison-Eröffnung der Münchner und auch die des FC Schalke 04 in der leeren Allianz Arena dicht und ohne Maske nebeneinander saßen, brachte ihnen eine Rüge von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml ein. Zugleich rief das wenig vorbildliche Verhalten auch die Deutsche Fußball Liga auf den Plan.

Die DFL teilte mit, sie sei wegen der Sache "im direkten Gespräch mit dem FC Bayern". Liga-Boss Christian Seifert konnte das Szenario aus nächster Nähe verfolgen: Er sah das Spiel - allerdings getrennt durch einen Aufgang mit Stufen - neben der Bayern-Führungsriege unter anderem mit Herbert Hainer, Oliver Kahn, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Und getrennt durch eine leere Sitzreihe über den Schalke-Funktionären. Der CSU-Politikerin Huml zufolge wäre es für die Münchner Führungsriege "klüger gewesen, wenn sie nicht so eng aufeinander gesessen wären – weil auch ausreichend Platz war", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Keine Vorbildfunktion

Gemäß des DFL-Konzepts sind alle Personen in "Zone 2" des Stadions, zu der die Tribüne zählt, "zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet, sofern der Mindestabstand von 1,50 m nicht einzuhalten ist". Rummenigge sprach am Sonntag bei Sky von einem Missverständnis. "Wir sind uns alle einig, dass das Bild nicht unbedingt vorbildlich war", sagte der Vorstandsvorsitzende und versprach: "Beim nächsten Spiel werden wir wieder den Abstand halten."

Huml wiederum verwies darauf, dass bei bundesweiten Sportereignissen grundsätzlich 1,5 Meter Mindestabstand vorgesehen seien. Daher habe es das Ministerium "mit Blick auf die Vorbildfunktion" überrascht, dass die Bayern-Funktionäre weder an Abstand noch an Maske dachten.

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen in München musste die Auftaktpartie doch ohne Publikum ausgetragen werden. Zunächst sollten 7500 Fans erlaubt sein. Kurzfristig blieb auch das Stadion des 1. FC Köln leer. "Wir brauchen Planungssicherheit, sonst wird es schwierig", sagte Kölns Geschäftsführer Alexander Wehrle vor der Partie gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Zuvor hatte er aber betont, der Club sei bereit, mit einer leeren Arena seinen Beitrag für sinkende Fallzahlen zu leisten.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert rechnet mit weiteren kurzfristigen Entscheidungen zur Rückkehr der Fans. "Wir werden uns ein Stück weit daran gewöhnen müssen, dass die Flexibilität, die diese Saison erfordert, auch bedeutet, dass wir nicht von vornherein sagen können, wie jeder Spieltag stattfinden wird", sagte der Spitzenmanager. "Es gilt, besonnen zu sein und kleine Schritte zu gehen. Und wenn diese Schritte bedeuten, dass man zwei Schritte nach vorne geht und einen zurück, einfach weil es das Infektionsgeschehen erfordert, dann werden wir uns dieser Situation stellen müssen."

Auch Schalke droht für seine erste Heimpartie gegen Werder Bremen am kommenden Wochenende ein Ausschluss der Fans, da die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Gelsenkirchen massiv angestiegen ist.

Die größte Kulisse am ersten Spieltag hatte das Top-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Mönchengladbach mit rund 10 000 Zuschauern. "Schön, dass ihr wieder hier seid. Darüber freue ich mich riesig", rief Stadionsprecher Norbert Dickel den Fans zu. Vor allem die Südtribüne, sonst die berühmte "Gelben Wand" mit knapp 25 000 Menschen auf Stehplätzen, bot mit Sitzschalen ein ungewohntes Bild.

"Fühlt sich wieder nach richtigem Fußball an"

Dank der kurzfristigen Einigung der Bundesländer auf eine Testphase mit bis zu 20 Prozent der Kapazität gefüllten Arenen waren wieder jeweils tausende Zuschauer zugelassen. Über größere Störfälle bei der Anreise oder in den Stadien wurde nichts bekannt. "Es ist wunderschön, es fühlt sich wieder nach richtigem Fußball an", sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Rund 8400 Fans saßen in Bremen gut verteilt auf den Tribünen.

Eine Rückkehr zur Normalität ist es noch lange nicht. Die kurzfristigen Entscheidungen über die Zulassung von Zuschauern, das schwierige Ticketing, die Angst vor Ansteckung, die Weigerung vieler Ultra-Fans, ins Stadion zu gehen, weil sie nicht nur Kulisse für das große Geschäft sein wollen - mit all dem müssen die Clubs erst einmal zurecht kommen.

So waren statt der erlaubten 8000 nur 7123 Zuschauer zum ersten Bundesliga-Auftritt des VfB Stuttgart nach dem Wiederaufstieg gekommen. So etwas gab es auch im DFB-Pokal und am Freitagabend zum Auftakt der 3. Liga: Da schöpften die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern gegen Dynamo Dresden nicht einmal das Kontingent von knapp 5000 Plätzen voll aus: In der vergangenen Spielzeit begrüßte der Traditionsclub durchschnittlich über 19 000 Fans im Fritz-Walter-Stadion.