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Sie haben ihre eigene Sprache, die Experten aus Epidemiologie, Virologie und Medizin. Einige Begriffe und Kennzahlen sind aus der politischen Debatte aber nicht mehr wegzudenken. Ein Überblick:

NEUINFEKTIONEN: Gesundheitsämter melden an das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin, wie viele Menschen sich neu mit dem Coronavirus infiziert haben. Ausschlaggebend ist ein positiver Labortest (PCR). Mit 33 777 gemeldeten Neuinfektionen war am 18. Dezember der höchste Wert eines Tages in Deutschland erreicht worden. Wenn jemand infiziert ist, heißt das nicht zwangsläufig, dass derjenige auch erkrankt, also Covid-19 entwickelt. Verläufe ohne Krankheitsanzeichen sind möglich. Es gibt aber auch eine vermutlich hohe Zahl an nicht erkannten Fällen, die nie in eine Statistik einfließen.

Wenn man die täglichen Neuinfektionszahlen in der Zeitung liest oder im Radio hört, muss man bedenken, dass es sich in der Regel um Ansteckungen von vor ein bis zwei Wochen handelt. Nach einer Infektion dauert es ein paar Tage, bis sich Symptome entwickeln, bis man beim Arzt war, getestet wird und das Ergebnis bekommt - und dies dann auch den Behörden gemeldet wird. Insbesondere auch nach Feiertagen und Wochenenden kommt es zu Verzug. Es nimmt auch Zeit in Anspruch, bis Kontaktpersonen von Infizierten ermittelt und getestet sind.

Experten betonen, dass die Werte einzelner Tage nicht überbewertet werden sollten, aussagekräftiger ist die Tendenz über mehrere Tage oder Wochen. Da die Testkriterien seit Pandemiebeginn mehrfach geändert und die Laborkapazitäten massiv ausgebaut wurden, sind die Zahlen verschiedener Phasen nur eingeschränkt miteinander vergleichbar.

INZIDENZ: Auf eine Zahl schaut die Politik besonders oft: die Sieben-Tage-Inzidenz. Damit ist die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche pro 100 000 Einwohner gemeint. 50, 35, 10 - um diese Größenordnungen ging oder geht es im Moment bei den Ideen für Öffnungskonzepte.

Kritiker warnen aber vor einer Fokussierung auf den bundesweiten Wert. Denn zum einen könne diese Inzidenz regional sehr unterschiedlich ausfallen. Zum anderen müssten neben Intensivpatienten und Neuinfektionen auch Parameter wie die Orte eines Ausbruchsgeschehens und betroffene Altersgruppen mit in den Blick genommen werden. Treibt also allein ein Ausbruch in einem Altenheim oder einer Schule die Inzidenz in die Höhe, muss das bei einer effektiven Nachverfolgung der Fälle keinen Lockdown für alle Menschen in der Region bedeuten.

R-WERT: Die sogenannte Reproduktionszahl gibt Auskunft darüber, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt - und damit über die Dynamik der Fallzahlenentwicklung. Die Angabe bezieht sich allerdings nicht auf die Ist-Situation, sondern auf das Infektionsgeschehen vor rund ein bis zwei Wochen.

Der R-Wert wird mit statistischen Verfahren geschätzt. Dabei geht es um feine Abstufungen bei den Werten: Ob der Wert etwa bei 0,7 oder 1,3 liegt, macht einen riesigen Unterschied für die Zahlen: Entweder stecken 1000 Infizierte 700 weitere Menschen an - oder 1300. Die täglichen Infektionszahlen gehen also entweder zurück oder die Weitergabe des Virus beschleunigt sich stark. Beim R-Wert von 1 bleibt die Zahl gleich hoch.

Um die Pandemie zu bremsen, werden daher Werte deutlich unter 1 angestrebt. Je niedriger die Zahl, desto besser: Der Virologe Christian Drosten gab einmal folgendes Beispiel: Liege der R-Wert bei 0,9, dauere es etwa einen Monat, bis sich die Zahl der Neuinfizierten halbiere - bei einem R-Wert von 0,7 nur eine Woche. Ohne Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Lockdown und bei einer empfänglichen Bevölkerung würde ein mit Sars-CoV-2 Infizierter nach RKI-Angaben im Schnitt drei bis vier Menschen anstecken.

IMPFQUOTE: Sie gibt den Anteil der bisher bereits geimpften Menschen an der Gesamtbevölkerung an. Je geringer dieser Wert ist, desto weiter der Weg bis zur Herdenimmunität. Genau genommen spielen zwei Zahlen eine Rolle: die Erst- und die Zweitimpfung, mit der ein vollständiger Immunschutz aufgebaut wird. Das heißt nicht, dass ein Infizierter überhaupt nicht mehr erkranken kann. Die Infektion verläuft dann aber in der Regel milder und führt nicht zum Tod.

Solange noch nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, werden nur ausgewählte Gruppen nacheinander geimpft. Die Impfquote entwickelt sich täglich weiter. Rund 3,5 Millionen Menschen haben die erste Impfung erhalten. Das sind nach RKI-Angaben 4,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund 1,8 Millionen Menschen sind in Deutschland zum zweiten Mal geimpft und damit über 2,2 Prozent.

ITS-BETTEN: Hier geht es um die Lage auf den Intensivstationen, wo Mediziner teils mehrere Wochen um das Leben von Covid-19-Erkrankten kämpfen. Im Zuge der Ansteckungswellen ging die Zahl dieser Patienten zweimal in die Höhe: Höchstwerte waren im April 2020 mit knapp 3000 erreicht und im Januar 2021 mit mehr als 5700. Am Mittwoch lagen erstmals seit Anfang November wieder etwas weniger als 3000 Covid-19-Patienten in Intensivbetten.

Die Betten an sich und Technik wie Beatmungsgeräte gelten mittlerweile allerdings weniger als das Nadelöhr, wenn es um die Versorgung großer Patientenzahlen geht: Es fehlt vielmehr an Pflegepersonal in den Krankenhäusern. In Berlin zum Beispiel ist die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten auch ein wichtiges Kriterium beim Frühwarnsystem namens Corona-Ampel, mit der anhand von mehreren Indikatoren die Lage bewertet wird.

TODESFÄLLE: Es werden Fälle gezählt, in denen Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind. Zwischen Symptombeginn und dem Tod liegen im Median elf Tage. Der Tod der Betroffenen wird häufig mit zeitlichem Verzug ans RKI gemeldet. Das ist ein Grund dafür, warum die täglichen Opferzahlen der Pandemie auch noch in Phasen weiter ansteigen können, in denen die Neuinfektionszahlen bereits lange wieder sinken. Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Mit zunehmender Zahl an verabreichten Impfungen hoffen Experten, dass weniger Menschen so schwer erkranken, dass sie schließlich sterben.