Terror und Ausnahmezustand in München: Bei einem bundesweit beispiellosen Anschlag in der bayerischen Landeshauptstadt sind am Freitag nach Polizeiangaben mindestens neun Menschen ums Leben gekommen, drei weitere wurden teilweise schwer verletzt. Insgesamt ist von zehn Verletzten die Rede.

Die Polizei warnte nach den Schüssen im Einkaufszentrum vor einer "akuten Terrorlage". Es gebe aber noch keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Bis zu drei Männer mit "Langwaffen" seien auf der Flucht, teilte ein Polizeisprecher am späten Abend mit.

Man suche im gesamten Stadtgebiet und im Umland nach den Tätern. Die Landeshauptstadt rief den "Sonderfall" wegen einer "Amoklage" aus.

GSG9 angefordert

Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an. In Teilen der Stadt herrschte Panik.

Die Polizei fand etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt einen neunten Toten. Die Ermittler prüfen, ob es sich um einen Täter handelt. Der Mann sei durch Gewalteinwirkung gestorben, hieß es.

Der öffentliche Nahverkehr - U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen - wurde komplett eingestellt, ebenso der Zugverkehr. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert.

Bundespräsident Gauck schockiert

Ärzte und Schwestern wurden in die Krankenhäuser gerufen. Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen.

Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich bestürzt: "Der mörderische Angriff in München entsetzt mich zutiefst." In Gedanken sei er bei allen Opfern und bei allen, die um einen geliebten Menschen trauerten oder fürchteten. Er fühle sich "allen verbunden, die im Einsatz sind, um Menschen zu schützen und Leben zu retten".

Unklar war zunächst, ob es in der Innenstadt eine weitere Schießerei gab. Auch dort kam es zu einem Großeinsatz schwer bewaffneter Polizisten, nachdem Menschen schreiend und in Panik in Richtung Stachus geflohen waren.

Marienplatz wie leergefegt

Ein Polizeisprecher sagte später, Hinweise von Bürgern per Notruf über Schusswechsel an anderen Stellen der Stadt hätten sich nicht bestätigt. Der Marienplatz im Herzen der Stadt war am Abend wie leer gefegt.

Die Landeshauptstadt forderte die Bürger über das Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

"Wir wissen derzeit nicht wo sich die Täter befinden. Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit", schrieb die Polizei rund zwei Stunden nach Beginn der Schießerei auf Twitter.

Krisentreffen in der Staatskanzlei

"Starke Polizeikräfte in der gesamten City. Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern", twitterte die Polizei später. dpa-Reporter berichteten von Panik in Teilen der Stadt. Nach der Sperrung des Hauptbahnhofs seien die Menschen über die Gleise geflohen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) setzten ein Krisentreffen in der Staatskanzlei an. Auch die Bundesregierung stellte sich auf eine Krisenlage ein.

Am Freitagabend kamen nach dpa-Informationen im Kanzleramt Mitarbeiter zusammen, um die Geschehnisse in der bayerischen Landeshauptstadt zu verfolgen und Kontakt mit allen zuständigen Stellen zu halten. Alle von den Angriffen thematisch betroffenen Regierungsmitglieder seien alarmiert, hieß es.

Shopping-Meile mit 135 Geschäften

Nach den Schüssen eilten von überall in der Stadt Polizei- und Rettungskräfte zu dem Einkaufszentrum. Die Gegend war abgeriegelt. Über der ganzen Stadt kreisten Hubschrauber. Die Polizei rief Autofahrer auf, die Autobahnen in Richtung München für Einsatzfahrzeuge freizumachen.

Der Anschlag begann nach Angaben der Polizei bei einem Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum. Es sei um 17.52 Uhr losgegangen, sagte Thomas Baumann, stellvertretender Sprecher des Polizeipräsidiums.

Das Olympia-Einkaufszentrum liegt mitten in einem Wohngebiet, zwei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt. Mit 135 Geschäften ist es eine der größten Shopping-Meilen in München.

Facebook aktiviert "Safety Check"

Die Polizei rief dazu auf, keine Bilder vom Tatort zu veröffentlichen. "Bitte keine Fotos/Filme von polizeilichen Maßnahmen online stellen. Unterstützt nicht die Täter!", twitterte sie.

Facebook aktivierte am Freitagabend den "Safety Check" ("Sicherheitscheck") für München, womit Bewohner mitteilen können, dass sie in Sicherheit sind. Zudem twitterten etliche Bewohner der Stadt den Hashtag #OffeneTür im Kurznachrichtendienst Twitter, um Menschen in München Unterschlupf zu gewähren oder zu suchen.