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Der Mörder der Londonerin Sarah Everard wurde am Donnerstag zur Höchststrafe verurteilt: Lebenslange Haft ohne Aussicht auf vorzeitige Freilassung. Der Mann hatte gestanden, die 33-jährige Everard am 3. März in Südlondon verschleppt sowie anschließend vergewaltigt und getötet zu haben.

Vorgetäuschte Corona-Kontrolle

Seiner Darstellung zufolge nutzte der Angeklagte seinen Polizeiausweis, um Everard im März bei einer vorgetäuschten Kontrolle missachteter Corona-Regeln zu stoppen, zu fesseln und zu verschleppen. Schließlich habe er die 33-Jährige vergewaltigt und mit seinem Polizeigürtel erdrosselt. Der Polizist soll die Leiche dann mit Benzin übergossen, angezündet und in einem Tümpel geworfen haben. Erst eine Woche später wurden die sterblichen Überreste der jungen Frau entdeckt.
Mit emotionalen Worten schilderten Everards Eltern und Schwester vor Gericht ihre Trauer. "Keine Strafe, die Sie erhalten, wird jemals dem Schmerz und der Folter gleich kommen, die Sie uns zugefügt haben", sagte Vater Jeremy Everard an den Angeklagten gerichtet. "Wir haben es geliebt, ein Teil von Sarahs Welt zu sein, und haben erwartet, dass sie ein erfülltes und fröhliches Leben führen wird. Nun kommen wir ihr nur noch bei täglichen Besuchen an ihrem Grab nahe", sagte Jeremy Everard. Mutter Susan sagte: "Er hat meine Tochter behandelt, als wäre sie ein Nichts und sie entsorgt, als wäre sie Müll."

Mord an Everard kein Einzelfall

Der Fall hatte zu einem landesweiten Aufschrei über Gewalt an Frauen geführt. In der Folge demonstrierten zahlreiche Frauen bei Mahnwachen für mehr Schutz und bessere Maßnahmen der Regierung. Auch Herzogin Kate legte Blumen nieder. In London geriet aber auch Polizeichefin Cressida Dick in die Kritik, weil Beamte eine Mahnwache mit Verweis auf geltende Corona-Regeln teils mit Gewalt auflösten.
Aktivistinnen kritisieren, dass sich die Situation trotz des öffentlichen Aufschreis nicht gebessert habe. Seit dem Mord an Sarah Everard seien landesweit Dutzende Frauen mutmaßlich von Männern getötet worden. Zuletzt sorgte der Mord an der 28-jährigen Sabina Nessa in Südostlondon für Aufsehen. Ein 36-Jähriger wurde mittlerweile angeklagt.