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Der für unvergessliche Filmmusiken bekannte italienische Komponist Ennio Morricone ist tot. Der Oscar-Preisträger starb am frühen Montagmorgen in Rom im Alter von 91 Jahren, wie ein Anwalt der Familie am Montag der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Die Kulturwelt bekundete tiefe Trauer über den Tod des legendären Künstlers, der bis ins hohe Alter neue Lieder schuf.

Italiens Kulturminister Dario Franceschini sprach von einem großen Meister, "der mit seinen Melodien Emotionen erzeugen und die Welt zum Träumen bringen konnte". Staatschef Sergio Mattarella schrieb, er trauere um einen brillanten und populären Künstler, "der die Musikgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tief geprägt" habe. Ministerpräsident Giuseppe Conte würdigte ihn auf Twitter als künstlerisches Genie.

Die Welt zum Träumen gebracht

Der Familienanwalt Giorgio Assumma erklärte, Morricone habe sich bis zu seinem Tod "seine volle Klarheit und große Würde" erhalten und sich von seiner "geliebten Frau Maria" verabschiedet. Er nannte keine Todesursache. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa schrieb, der Komponist sei an den Komplikationen eines Sturzes gestorben. Den Angaben zufolge soll er in große Stille im Kreis der Familie beigesetzt werden. Ein Datum gab es zunächst nicht.

Der am 10. November 1928 im römischen Stadtteil Trastevere geborene Morricone, der auch gerne als Dirigent auf Tournee ging, war in den 1960er Jahren zu Weltruhm gelangt, als er seine Zusammenarbeit mit Sergio Leone begann. In den Folgejahren schrieb er den Soundtrack zu den großen Spaghetti-Western des Regisseurs - von "Spiel mir das Lied vom Tod" über "Eine Handvoll Dollar" bis hin zu "Zwei glorreiche Halunken".

Auch für Klassiker wie "The Mission" und "Es war einmal in Amerika" - mit Hollywoodstar Robert de Niro in der Hauptrolle - ersann der Mann mit der markanten Brille ebenso eindrucksvolle wie bewegende Melodien. Die zarten Oboen-Klänge, mit denen Jeremy Irons alias Pater Gabriel in "The Mission" Kontakt zu dem Volk der Guaraní aufnimmt, brachten dem vielfach ausgezeichneten Morricone eine seiner mehrfachen Oscar-Nominierungen und einen Golden Globe ein.

Später Oscar

Trotz aller Nominierungen erhielt der Komponist, der am römischen Konservatorium Santa Cecilia studiert hatte, erst im Alter von 87 Jahren die begehrte Oscar-Statue - für seinen Soundtrack zu Quentin Tarantinos Western "The Hateful 8", dessen verschneite Landschaften er stimmungsvoll in Szene gesetzt hatte. 2007 hielt er den Oscar bereits einmal in Händen, allerdings nicht für eine Filmmusik, sondern für sein Lebenswerk.

"Ich arbeite nur mit Regisseuren zusammen, für die ich Freundschaft und Achtung empfinde", hat Morricone einmal gesagt. Dazu gehörten auch Bernardo Bertolucci, Brian De Palma und Roman Polanski. Wichtig sei aber letztlich nur eins, meinte der Maestro, nämlich "dass der Komponist sich immer selbst treu bleibt".

Noch Anfang Juni hatte Morricone zusammen mit dem US-Künstler John Williams den angesehenen spanischen Prinzessin-von-Asturien-Preis zuerkannt bekommen. Einer spanischen Zeitung sagte er danach, dass er trotz seines Alters versuchen wolle, zur Verleihung im Herbst zu kommen.