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Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Suchmaschinenauswertung erweckt den Eindruck, dass sich die Stimmung in Russland dreht.
  • Das von Propaganda gebeutelte Land sucht inzwischen immer mehr nach Begriffen wie "Rückzug".
  • Für einen Experten sind solche Statistiken der "zuverlässigste Indikator" auf das Stimmungsbild im Land.

Fangen die Russen etwa an, Putins Propaganda zu hinterfragen? Dieses Bild deutet sich mit Blick auf eine Suchmaschinenauswertung zumindest an. Daten-Analysen der ukrainischen Zeitung "Kyiv Post" zeigen offenbar, wonach die Bevölkerung in Russland auf Google und dem russischen Pendant Yandex in den vergangenen zwölf Monaten gesucht hat.

Demnach war das meistgesuchte Wort "Mobilisierung". Ebenso populäre Suchanfragen waren "Ukraine - Menschen", "Ukraine - Land in Europa" und "VPN". VPN steht für Virtual Private Network und bezeichnet eine private und geschützte Netzwerkverbindung, die von Unbeteiligten nicht einsehbar ist. Sie hilft außerdem geografisch bedingte Zensuren zu umgehen und im eigenen Land blockierte Webseiten zu besuchen.

Suchmaschinenauswertung sind der "zuverlässigste Indikator"

Der britische Journalist und Propaganda-Experte Peter Pomerantsev sagte dem Medium, solche Netzauswertungen seien der "zuverlässigste Indikator" für das tatsächliche Stimmungsbild der russischen Gesellschaft. Wirft man also, wie von Pomerantsev empfohlen, einen Blick auf Statistiken der in Russland meistgenutzten Suchmaschine, ergibt sich, dass "Mobilisierung" in Russland ab Mitte August stark gesucht wurde - im September waren es mehr als 50 Millionen Anfragen.

Auch der Begriff "Atomkrieg" erreichte auf Yandex im September eine halbe Million Anfragen. Das sei der bisherige Höchststand seit Beginn des Angriffskrieges. Weniger Interesse habe die Bevölkerung der Auswertung nach an den Zielen, die Russlands Machthaber Wladimir Putin der Bevölkerung für die Invasion genannt hatte.

Russische Bevölkerung sucht nach "Rückzug"

Also die "Entnazifizierung" und "Entmilitarisierung" in der Ukraine. Die Suchanfragen nach beiden Begriffen seien Anfang 2022 rapide angestiegen und hätten sich ab Mai auf einem eher niedrigen Wert eingependelt. Während das Wort "Entmilitarisierung" Mitte Februar beispielsweise 1,5 Millionen Anfragen hatte, sind es im September nur noch 69.000.

Bedeutender seien für die russische Bevölkerung jetzt Themen wie "Rückzug" und "wie man sich ergibt". Beide Schlagwörter hätten im Sommer 2022 jeweils einen Ausreißer in den Anfragen gehabt. Die Anfragen erinnern an Berichte aus dem September, als nach Putins Verkündung der Teilmobilisierung besonders oft die Begriffe "Russland verlassen", "Hand zu Hause brechen" oder "Armee umgehen" gesucht wurden.

Die Auswertung zeigt also, dass sich neben der Weltbevölkerung auch die russische Bevölkerung um die Entwicklung dieses Krieges sorgt. Wichtig ist für die Russen inzwischen weniger die "Entnazifizierung" der Ukraine als vielmehr das mögliche Risiko eines "Atomkrieges".

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