Die Corona-Krise in Deutschland

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 breitete sich in ganz Deutschland aus. Alle Bundesländer waren betroffen. Nach einem mehrmonatigen Lockdown gibt es jetzt wieder einzelne Lockerungen, die aber je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen.


Wie stark breitete sich der Coronavirus Sars-CoV-2 bislang in Deutschland aus?

Obwohl die erste Welle der Coronavirus-Pandemie weniger stark war, als von Experten befürchtet, gehen diese von zwei bis drei weiteren Wellen aus.

Mit Stand Mitte Juli 2020 infizierten sich in Deutschland rund 199.000 Menschen, davon starben bislang knapp über 9.000 Patienten, rund 185.000 sind wieder genesen. Derzeit gibt es etwa 4.800 aktive Corona-Fälle in Deutschland.


Was bedeutet die Epidemie durch Corona für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft?

Das hängt maßgeblich von einem Faktor ab: der Geschwindigkeit der Ausbreitung. Je besser es gelingt, die Rate der Ansteckungen kleinzuhalten, desto geringer dürfte der Druck auf das Gesundheitssystem und die Gesellschaft sein.

 

Problematisch wird das Infektionsgeschehen vor allem dann, wenn es komprimiert in kurzer Zeit auftritt. Dann drohen volle Wartebereiche und Arztpraxenknapp werdende Intensivbetten und vollkommen überlastete Ärzte, Pflegekräfte und Gesundheitsämter.


Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Zum Stand Mitte Juli beziffert das Robert-Koch-Institut (RKI) die Reproduktionszahl des Coronavirus in Deutschland auf um die 1,0. Das heißt, dass ein Erkrankter im Durchschnitt eine weitere Person ansteckt. Solange die Reproduktionszahl unter 1 liegt, gehen die Infektionen auf Dauer gesehen zurück.

Das Virus vermehrt sich im Rachen und verbreitet sich vor allem durch Tröpfchen, etwa beim Husten und Sprechen

"Die fliegen vielleicht so eineinhalb Meter weit und fallen relativ schnell zu Boden", erklärt Drosten. "Es ist das Einatmen einer solchen Wolke, die einen infiziert in den meisten Fällen." Nur in Kontaktsituationen gibt es demnach ein reales Risiko - etwa, wenn man mit einem Infizierten ungefähr eine Viertelstunde oder länger gesprochen habe.

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt in der Regel nach derzeitigem Stand bis zu 14 Tage.


Ist Corona mit einer Grippe vergleichbar? Wie gefährlich ist Corona wirklich?

Die meisten Menschen haben nur leichte Erkältungssymptome mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber und Husten, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich.

 

Laut RKI-Präsident Wieler kommt es in etwa einem von fünf Fällen zu einem schwereren Verlauf. Patienten bekommen unter anderem Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Betroffen sind zumeist Menschen aus Risikogruppen wie Krebskranke in Chemotherapie, alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auf Diabetes zurückgehende Organschäden.

 

Todesfälle - etwa durch Atemstillstand, septischen Schock oder Multiorganversagen - sind selten.

 

Grippe und Corona sind von einem Virus verursachte Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich.

  

Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen, etwa beim Sprechen oder Husten, oder auch direkten Kontakt übertragen. Allerdings kann sich laut WHO Influenza (Grippe) rascher ausbreiten als das Corona-Krankheitsbild Covid-19.

 

Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es jedoch nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Anders als bei der Grippe gibt es gegen Sars-CoV-19 noch keine Impfung und auch keine zielgerichteten Medikamente.


Wie lässt sich die neue Lungenkrankheit Covid-19 behandeln?

Eine spezielle Therapie für die Erkrankung Covid-19 gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. In Einzelfällen werden auch antivirale Medikamente getestet.


Gibt es eine schützende Impfung gegen Sars-CoV-2?

Stand Mitte Juli 2020 noch nicht. Aber aktuell forschen weltweit etwa 150 Labors an Impfstoffen, wie es sie auch für die Grippe gibt. Die Entwicklung einer Schutzimpfung nimmt aber viel Zeit in Anspruch. Dennoch stehen aktuell einige Pharma-Konzerne in China, England, den USA und auch in Deutschland kurz vor einem Durchbruch. Das heißt mitunter, dass erste Tests an Menschen durchgeführt werden. Bis so ein Impfstoff jedoch die benötigte Massentauglichkeit erreicht, dürft es wohl 2021 werden. 


Wie kann ich mich derzeit vor einer Ansteckung durch Corona schützen?

Zum Schutz vor diesem wie auch anderen Viren empfehlen Experten gewöhnliche Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen und Abstand zu Erkrankten. Entgegen anfänglicher Einschätzungen der Experten sind außerdem Atemmasken für Mund und Nase unerlässlich. Zudem hilft es, Kontakte wie Umarmungen und Händeschütteln zu unterlassen und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe nicht anzufassen.

 

Beim Aufenthalt in öffentlichen Räumen sollte man das Berühren der Nasenschleimhäute und das Reiben der Augen vermeiden, sagte der Greifswalder Hygienefacharzt Günter Kampf. "Das Virus will in die Atemwege." Zu Hause angekommen sollte man als erstes unbedingt die Hände gründlich waschen.

 

Zudem raten Experten dazu, Veranstaltungen mit vielen Menschen möglichst zu meiden. "Die großen Versammlungen, die Vergnügen darstellen, auf die müsste man verzichten wie Fußball und Schützenfest", sagt Drosten.


Was tue ich, wenn ich fürchte, mich mit Corona angesteckt zu haben?

Auf keinen Fall direkt in eine Praxis oder Notaufnahme gehen. Wer Symptome hat und - etwa wegen des Kontakts zu einem nachweislich Infizierten - befürchtet, an Covid-19 erkrankt zu sein, soll sich zunächst telefonisch bei seinem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt melden.

 

Wenn man nun wirklich daran erkrankt sein sollte, dann müsse man das Virus ja nicht unbedingt in ein voll besetztes Wartezimmer mit möglicherweise ohnehin schon immungeschwächten Menschen hineintragen, erklärt der Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands, Christian Schmuck. Möglich ist es auch, die bundesweite Service-Telefonnummer 116 117 zu wählen.


Wie wird sich die Situation im Laufe des Jahres entwickeln?

Die Grippe und andere Erkältungskrankheiten haben im Winter Hauptsaison. Die Ausbreitung des neuen Virus Sars-CoV-2 dürften das Frühjahr und der Sommer mit wärmeren Temperaturen aus Expertensicht aber nicht sehr stark verlangsamen.

Es sei wohl damit zu rechnen, "dass wir direkt in eine Epidemiewelle hineinlaufen", sagte Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité. "Wir müssen damit rechnen, dass ein Maximum von Fällen in der Zeit von Juni bis August auftreten wird." 

 

Er verwies auf eine neue, verfeinerte Modellrechnung einer Studie aus den USA. Noch in der vergangenen Woche war er von einer Verminderung der Infektionen im Sommer ausgegangen.