"Joko & Klaas gegen ProSieben": 15 Minuten Sendezeit zur freien Verfügung

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf treten in "Joko & Klaas gegen ProSieben" gegen ihren Heimatsender an und erstreiten – sofern sie siegreich hervorgehen – 15 Minuten Sendezeit. Diese können sie so füllen wie auch immer sie möchten. So lustig es dienstags mit den beiden auch zugeht, so ernst sind jedoch oft die Themen, die sie in ihren 15 Minuten ansprechen.

Auch am 16. September 2020 nutzten sie ihre Zeit, um auf ein massives Problem aufmerksam zu machen: Auf die Zustände im Flüchtlingslager Moria. "Ganz wichtig: Wenn sie das jetzt mit Kindern schauen, machen Sie das bitte nicht", beschwört Klaas Heufer-Umlauf im Vorfeld.

"Wir wollen, dass zukünftig jeder weiß, welche Zustände mitten in Europa existieren", erklärt Joko Winterscheidt, bevor die beiden "A Short Story Of Moria" mit ihren Zuschauern teilen.

Hinweis: Die Aufnahmen und Recherchen dazu hatten bereits vor einem Monat und dem Brand in Moria begonnen.

Die Bedingungen im Flüchtlingslager Moria: Viele Menschen auf engem Raum

Das Flüchtlingslager Moria lag auf der griechischen Insel Lesbos, bei der Ortschaft Moria, nahe der Stadt Mytilini. Eigentlich war das Lager für 2.800 Personen ausgelegt – zeitweise lebten dort aber um die 20.000 Menschen.

Dementsprechend schlecht waren auch die Bedingungen, die dort herrschten. Hygienische Standards konnten nicht eingehalten werden. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln oder der Zugang zu medizinischem Personal war knapp.

Ein Brand macht viele obdachlos

Anfang September brach ein Brand aus, der das Lager fast vollständig zerstörte. Viele Menschen verloren alles, was sie besaßen. Eine Schlange der Evakuierten, die nun obdachlos waren, begab sich auf den Weg nach Mytilini, wurde jedoch von der griechischen Regierung gestoppt.

Milad Ebrahimi auf Afghanistan schildert das Leid der Flüchtlinge

Einer dieser Flüchtlinge, die das Grauen von Moria am eigenen Leib erlebt haben, ist der 21-jährige Milad Ebrahimi aus Afghanistan. Er lebt seit Januar, also bereits seit neun Monaten in dem Lager – und bereut seine Entscheidung zutiefst. "Das ist der größte Fehler meines Lebens, dass ich entschieden habe zu kommen", erklärt er.

Schon der Weg nach Europa war alles andere als leicht, als er es endlich geschafft hat, landete er in Moria. Die Zustände dort waren katastrophal. Die Menschen lebten in improvisierten Zelten. Es gab keine Sanitäranlagen, kein fließendes Wasser, keinen Strom. Ebrahimi schildert, dass es keine Ärzte gab und keine Essensversorgung. "Wir waren gebrochen", sagt er und fragt: "Ist das Europa? Ist das Realität? Oder nur ein schlechter Traum?"

Tränengas gegen Kinder und Familien

Dann kam der Brand und mehrere tausend Menschen verloren alles, was sie noch hatten, ihre Unterkunft, ihren Schlafplatz. "Ich habe alles verloren. Mein Zelt, mein Zuhause", schildert auch Ebrahimi.

Obdachlos suchten die Menschen nach einem neuen Ort, an dem sie Unterschlupf finden konnten. Darunter viele Familien mit Kindern. Zu Tausenden machten sich auf den Weg nach Mytilini, doch das griechische Militär blockierte die Straßen. Und schoss mit Tränengas.

"A Short Story of Moria" zeigt das alles. Nicht nur die Zustände im Lager, sondern auch wie mit den Flüchtlingen umgegangen wurde. Kinder weinen und schreien, während Eltern ihre Gesichter mit Wasser waschen, um das Tränengas fortzuspülen. "Ich weiß nicht, warum", kritisiert Ebrahimi das Verhalten des Militärs. "Für mich war es völlig sinnlos."