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Mareike Peters, Gründerin von Naturkosmetik München, und ich treffen uns via Teams Meeting online – wie man das in (After-)Covid Times eben so macht. Sie ist eine Minute zu spät und entschuldigt sich. Ich bin erleichtert, dass wir direkt so locker starten. Ich hole sie kurz inhaltlich ab, erzähle ihr, wer ich bin und wofür sie gleich ein Interview gibt. Sie nickt mir happy zu und wirft noch ein „Ich kann die Fragen gerade nicht am Screen einsehen, aber ich lass mich einfach überraschen.“, ein. Das ist die 24-jährige Gründerin der Online-Kosmetikbrand NKM? Mit 116 Tausend Followern auf Instagram und zwei Shops? Es geht los, die erste Frage ist raus und es sprudelt mir nur so entgegen. Bereits während der ersten Sätze entschuldigt sich die junge Geschäftsführerin zweimal, dass sie so lange antwortet. Und das wird nicht das letzte Mal in der nächsten Stunde sein. Es gibt einfach so viel zu erzählen. Und da ist so viel Energie. Wie NKM so erfolgreich werden konnte, frage ich mich bereits ab Minute eins nicht mehr. Aber sei gespannt und lies selbst.

Unsere Beauty-Heldin: Eine Studentin aus München! Wir berichten wie Mareike d...
Unsere Beauty-Heldin: Eine Studentin aus München! Wir berichten wie Mareike die Naturkosmetik-Branche aufwirbelt und stellen euch ihre nachhaltige Beauty-Marke vor.  © David Kern

Waren Selbstständigkeit und Unternehmertum Themen, mit denen du durch Familie und Freunde bereits vertraut warst?

Mareike: Das dachte ich, ja. Stellte sich aber kürzlich witzigerweise als Irrtum raus. Als Kind war für mich immer klar, mein Papa ist Gründer. Er hat selbstständig gearbeitet und dass das seine Ideen waren, hab ich nie hinterfragt. Irgendwann mit 24 hab ich dann zu ihm gesagt: Wir sind uns ja so ähnlich, Papa, du und ich – beide Unternehmer:innen. Da meinte er, aber Mareike, du hast was völlig Neues gemacht, ich hab damals bereits existierende Strukturen übernommen und fortgesetzt. Papa war also kein Gründer. Trotzdem war er, was das Thema Unternehmertum angeht, Vorbild für mich – nur eben nicht realitätsbasiert.

Wann ist die Idee zu Gründen in dir gewachsen?

Mareike: Ich hatte nie die Ambitionen so was Großes zu machen.Als Studentin hab ich 2019 bei L’Occitane im Store gejobbt – das war noch einer dieser alten, gemütlichen Läden – um einen Bezug zu Kosmetik zu haben. Während der Vorweihnachtszeit, die ich supergerne mag, lief den ganzen Tag Bing Crosby (White Christmas), das Geschäft war festlich dekoriert, herrlich, ich hab’s einfach geliebt. Dort hab ich mich dann in die Idee eines eigenen kleinen Ladens verliebt. Die Kunden zu beraten und für jeden das Richtige rauszusuchen hat mir richtig viel Spaß gemacht. Dass ich mal eine große Firma haben möchte, war da nicht der Plan. Und auch nicht, dass mein erster Laden in München mit 170 qm2 gar nicht mal so klein sein wird. Gerade als Mareike mit dem NKM-Instagram-Kanal online ging, um erst mal privat ihre Leidenschaft für Beauty mit der Welt zu teilen, ist sie das erste Mal an dem perfekten Laden vorbei spaziert. Als sie nämlich zu ihrem Freund Alex nach München, in die Müllerstraße 10 zog. Ihre Wohnung war im 4ten Stock. Im Erdgeschoß der wunderschöne, damals noch anderweitig vermietete Laden. Beim ersten Blick wusste sie direkt: Sollte ich wirklich mal einen eigenen Laden haben, dann der hier. Wahrscheinlich ist der etwas zu groß und auch etwas zu teuer, aber den Stil mag ich total gerne. Als nur wenige Monate später der Traum Realität werden sollte, schickte Mareike ihrer Vermieterin ein zwölf Monate altes Video, um sie zu fragen, ob sie so was ähnliches in petto hätte – wie eben diesen Laden unter ihrer Wohnung, an dem sie seit Monaten mehrmals täglich vorbei lief. Was für ein Zufall, dass diese, neben der Wohnung, auch noch den Laden vermietete, welcher nach zwölf Jahren Geschäftstätigkeit genau dann frei wurde, als NKM ein Geschäft suchte. Mareike und ich lachen uns über die Screens hinweg zu, als wir gleichzeitig „Schicksal!“ rufen. Manche Dinge müssen eben genau so kommen im Leben.

Thema Hautpflege: Deine Leidenschaft hast du gefunden. Aber wie bist du Expertin auf dem Gebiet geworden?

Mareike: 2014 hab ich angefangen mich für Hautpflege zu interessieren. 2015 ging’s dann los mit Selberrühren – aus einem Hautproblem heraus. Der Selbstrührgedanke ist ja ein ganz anderer als der des Konsumenten. Im Vergleich zur Instagram-Szene ist die der Selbstrührer wesentlich näher an Inhaltsstoffen dran. Wir wollen an die Primärquelle, keine Info von einem Influencer, die bereits gefiltert ist. Das heißt, die Motivation eines Selbstrührers ist schon mal wesentlich größer. So was macht nur, wer wirklich nicht zufrieden mit den Produkten auf dem Markt ist, beziehungsweise seine Werte da nicht vertreten sieht. So war es bei mir und diese Denkweise erkennt man bei NKM immer noch. Mit 18 hab ich angefangen Kommunikationswissenschaften zu studieren. Fand ich jetzt an sich nicht so spannend. Aber was jede:r im Studium lernt, ist wie man sich umfassend zu einem Thema informieren kann. Ich bin ja eher so der Typ Nerd. War viel auf Google Scholar (Suchmaschine für wissenschaftliche Quellen) unterwegs und hab in einer Studentenbude mit 12 qm2 gelebt – inklusive Küche und Bad. In meinem Minizimmer war dann die eine Hälfte das Bett, die andere bestand aus Edelstahlregalen, für meine Wirkstoffe. Ja klar, du mischst da Kosmetik, haben Freund:innen da gern mal augenzwinkernd rausgelassen. Anfangs ist das meiste schief gegangen. Aber irgendwann hatte ich’s raus. Was meine Unreinheiten anging, hatte ich festgestellt, dass es drei Hauptursachen dafür gibt: 1. Talgüberproduktion, 2. Bakterien, Hefe, Pilze, 3. Entzündungen – und verstanden, dass wenn ich diese drei behandle, müsste ich meine Unreinheiten in den Griff bekommen und so wars dann auch. Als es dann richtig mit NKM losging, hab ich mein Diplom in Organic Skincare Formulation gemacht, weil ich dachte, oh Gott, ich bin ja Autodidaktin. Diese Produktentwicklungsausbildung hab ich dann in 3 Monaten online durchgetackert. Ich konnte ja nicht weg und hatte null Zeit, NKM startete da gerade richtig. Da die Inhalte für mich aber nichts Neues waren, musste ich sozusagen nur die Prüfungen bestehen und konnte da in High Speed durchsuchen. 

Wer NKM auf Instagram folgt, bekommt Mareikes Arbeitsalltag und die Werte, die sie und ihr Team vertreten, hautnah mit. Sie versucht jeden ungefiltert hinter die Kulissen blicken zu lassen: Alles soll transparent und ehrlich kommuniziert werden. Gibt es Probleme, werden diese angesprochen. So fühlt sie sich sicher und kann nachts gut schlafen, verrät sie mir. Denn Angriffsflächen minimiert man durch Ehrlichkeit. Auf meine Frage zum Thema Sichtbarkeit von Nachhaltigkeit im Unternehmen antwortet sie direkt, „Ein Pain Point“. Ehrlicher geht’s nicht. Aber dazu später mehr.

Woher hast du den Mut zur Gründung genommen?

Mareike: Ich denke, dass ich ein großes Bedürfnis hatte, viel Zeit in Hautpflege zu investieren. Es war eine Leidenschaft, die ich ausleben wollte. Also ob ich jetzt damit reich werde oder nicht, ob das groß wird oder nicht – war nie vordergründig. Hauptsache, ich kann das machen. Deshalb bin ich ja schon zwei Monate nachdem es NKM gab, voll rein gegangen, da ich ab dem Moment mit dem Einkommen über die Runden gekommen bin und das hat mir gereicht. Mehr brauch ich nicht. Die Leute sagen oft, Mareike du warst ja noch so jung (21), als du gegründet hast. Aber ich würde im Nachhinein sagen, für mich war es das beste Alter, denn man geht mit einer gewissen Naivität an die Sache ran und denkt nicht in festen Strukturen. Ich kam damals gerade aus einem Auslandsjahr aus Paris zurück, wo ich in einem Wintergarten geschlafen hab, bin bei meinem Freund eingezogen und hatte keine hohen Fixkosten. Hätte ich gewusst, was da alles auf mich zukommt, hätte ich wahrscheinlich kalte Füße bekommen. Vieles war mir ja gar nicht bewusst, wie das zum Beispiel mit der Rente bei Selbstständigen läuft. Als ich mich damals entschieden hab, mit NKM all in zu gehen, hab ich mir ein halbes Jahr als Limit gesetzt, um zu sehen, wie es läuft und raus zu finden ist es das, wie ich mir mein Leben vorstelle. Und wäre es das nicht gewesen, dann hätte ich auch einen harten Cut gemacht. Und mal ehrlich, andere gehen ein halbes Jahr ins Ausland. Das ist also keine Zeit, vor der man Angst haben muss, sie zu verlieren. Lieber man probiert es aus und verfolgt seinen Traum und wenn es schief geht, orientiert man sich eben um. Mareike gibt mir noch einen sehr praktischen, aber den vielleicht wichtigsten Tipp zum Thema Gründen mit auf den Weg: „Wenn das nicht meine Leidenschaft wäre, hätte ich das niemals ausgehalten.“, antwortet sie auf meine Frage, wie sie mit dem heftigen Workload klar kam und immer noch klar kommt. Zusammenbrüche sind trotzdem normal sagt sie, aber wenn man nicht wirklich dran glaubt, den Schlüssel für ein Problem zu haben, ist dieser Kraftakt ihrer Meinung nach kaum möglich. „Um nicht irgendwann die weiße Fahne zu heben, wenn‘s schwierig wird, muss man echt Fan der eigenen Sache sein.“

Lieblingsprodukte: Eine Studentin aus München wirbelt die Naturkosmetik-Branc...
Naturkosmetik aus München – eine Studentin wirbelt die Beauty-Branche auf! Wir zeigen euch unsere Lieblingsprodukte aus ihrem Produktsortiment. © David Kern

Wie hast du rausgefunden wie du deine Passion zum Beruf machen kannst?

Mareike: Als ich zu Alex nach München zog, wusste ich, ich will Hautpflege machen. Zu dem Zeitpunkt habe ich schon fünf Jahre selbst gerührt, aber wusste nicht so genau, wo hin mit mir. Nachdem ich dann für mich ausgeschlossen hatte, in die PR oder zu einem Unternehmen in die Produktentwicklung zu gehen, dachte ich, dann werde ich eben Beauty Journalistin, bei einem renommierten Magazin. Ich könnte mir einen sehr technischen Schreibstil aneignen und mich in Fachtexten über Inhaltsstoffe und Einsatzkonzentrationen auslassen. Als ich mich um ein Praktikum bewarb, war nur eine Stelle bei einem Interior-Magazin beim selben Verlag frei. Das hab ich mir erst mal geschnappt, um dann von dort in die Beauty wechseln zu können. Auf dem Weg zum Beauty-Praktikum hab ich dann mit NKM angefangen. Denn Spaß hat mir das Praktikum schon gemacht, aber es ging halt eben um Möbel. Aus dem Bedürfnis raus über Dermatologie zu schreiben, hab ich dann den Instagram-Kanal gegründet. Hier kann ich mir Leute suchen, die auch Lust auf Hautpflege haben und mit denen teile ich dann alles, was ich zum Thema Hautpflege loswerden muss. Und so hat alles angefangen zu wachsen. Sehr organisch. Nach kürzester Zeit war die Community schon so groß wie ein Dorf (3.000 Follower). 

Das heißt NKM hat sich natürlich entwickelt? Ohne festen Plan?

Mareike: Einen Business-Plan gab es nie. Gibt es bis heute nicht. Auch keinen Finanz-, 5-Jahres-, oder Marketing-Plan. Zuerst war es ja eben nur dieser Instagram-Kanal mit 3.000 Followern. Und die Leute haben angefangen Fragen zu stellen: Wie kann ich meine eigene Hautpflege machen? Wie kann ich wissen was ich kaufen soll? Also hab ich angeboten, Päckchen zu verschicken, mit den Sachen, die mir geholfen haben, meine Unreinheiten in den Griff zu bekommen. Das sah dann so aus, dass ich nach 12 Stunden Praktikum noch stundenlang Päckchen gepackt und mit handgeschriebenen Gebrauchsanleitungen verschickt hab. Ich hatte es ja versprochen und ich hatte das Bedürfnis den Menschen zu helfen, da ich ja die Lösung kannte. Es wurden immer mehr Päckchen bestellt und ich war immer mehr am Packen und mehrmals täglich zur Post laufen (4ter Stock, Altbau, ohne Aufzug). Und eh ich mich versehen hatte, war es auch schon zu spät (lacht). Ich gründe jetzt, war da nicht der führende Gedanke.

Wie fühlt es sich an Gründerin und Geschäftsführerin einer so großen erfolgreichen Firma zu sein?

Mareike: Also ich hab von Anfang an gesagt, egal wie groß das wird, ich bin total zufrieden, wie es jetzt ist und aus dieser Attitude raus ist NKM gewachsen und dann musste man ja irgendwie hinterherkommen. Und so ist es heute noch. Ich glaube, das passt manchmal nicht zusammen: Meine Selbst- und Fremdwahrnehmung stimmen nicht überein, weil in meiner Vorstellung NKM immer noch ein kleines, gemütliches Unternehmen ist. Aber das muss auch irgendwie so sein, denke ich: Ich muss bodenständig sein, damit NKM funktioniert. Wenn ich plötzlich total abgedreht wäre, würden die Menschen die Sachen auch nicht mehr gerne mögen. Online-Firmen sind normalerweise vollkommen anonym. Bei NKM kann man mit der Gründerin und Geschäftsführerin sprechen. Ich bin meistens im Laden, um die Stimmungen einzufangen. Leute kommen dann auf mich zu und sagen, Mareike, das gefällt mir oder das verstehe ich nicht. Das ist auch bestimmt ein Punkt, der NKM ausmacht. 

Als Mareike auf ihrem Kanal das erste Mal angeboten hat Gesichtspflege-Päckchen zu verschicken, haben sich direkt 30 Leute angemeldet. Der kleine Rohstoffladen, bei dem sie auch immer für sich selbst eingekauft hatte, half ihr, indem die Mitarbeitenden alle nötigen Inhaltsstoffe portionierten und nach Ladenschluss vor der Türe bereitstellten. Währende der Öffnungszeiten war Mareike ja immer bei ihrem Praktikum. Mareike erzählt, wie die Käufer:innen ihr Trinkgeld gepaypalt haben und meinten, "du machst das ja alles viel zu günstig.“ Wie sie seitenlange Anleitungen von Hand schrieb. „Das war eine wirklich schöne Zeit.“, erinnert sie sich.

Bist du ein Digital Nativ? Und dein Alter Grund für den Erfolg des NKM-Instagram-Kanals?

Mareike: Die NKM-Produkte sind ja aus einer hautphysiologischen Sicht gedacht, nicht aus Konsumentensicht. Ich hab das ja ursprünglich alles für mich entwickelt und niemals gedacht, dass auch andere Menschen die Anwendung verstehen müssen. Ein ölbasiertes Reinigungsprodukt beispielsweise, das auf trockene Haut auftragen wird, was die meisten gar nicht mögen, dann mit Wasser einmassiert, und einem Toner, der noch mal 30 Sekunden einwirken muss, abgenommen wird. Das ist ja total kompliziert. Das hab ich dann auf dem Account erklärt und den Leuten gesagt, ihr müsst das machen, dann wird eure Haut besser. So sind wir organisch gewachsen, da Leute, bei denen das funktioniert hat, ihre Erfolge weiter erzählt haben. Wir haben nie mit Influencer Marketing gearbeitet. Mittlerweile ist die Hürde ja viel geringer, da Produkte bereits fertig gemischt erhältlich sind. Ich erkläre aber immer noch viel, aus der Angst raus, die Leute wenden die Produkte nicht richtig an. Außerdem hat der Großteil einen falschen Umgang mit der eigenen Haut und ich wünsche mir, dass sie allgemein Besserung verspüren und verstehen, was bei der Hautpflege passiert. Warum Hautschüppchen eben doch einen Sinn haben und nicht täglich mit einer Gesichtsreinigungsbürste entfernt werden sollten.

Wie groß ist dein Social Media Team? Der NKM Account hat ja mittlerweile 116 Tsd. Follower?

Mareike: Genau wie im Laden fange ich auch online die aktuelle Stimmung ein, was mir sehr wichtig ist. Außerdem bin ich ja Expertin auf dem Gebiet der Hautpflege und kann fundiert direkt antworten – das geht eben einfach am schnellsten. Teilweise hat das Team verschiedene Instagram-Aufgaben (Posts oder Direct Messages) übernommen, aber ich hatte das Gefühl, ich verliere den Grip dadurch. Als einmal eine Followerin aus Stunde eins meinte, sie war sich bei der Antwort auf ihre Direct Message nicht sicher, ob die tatsächlich von mir kommt, hab ich wieder alle Aufgaben selbst übernommen. Wenn ein Kunde eine unzufriedenstellende Antwort vom Kundenservice bekommt und das dann per DM über Instagram reklamiert, bekomme ich die Nachricht auf mein Privathandy und kann sofort reagieren. Ich will gerne, dass die Leute, wenn sie den Account sehen, wissen, das ist Mareike. Wenn sich jemand an die Firma wenden will (Hautberatung, Bestellprobleme) dann kann man das direkt via Mail. 

Ok krass, eine Geschäftsführerin die neben der Produktentwicklung auch noch Instagram selbst betreut. Das alleine ist doch schon ein Full Time Job? Mareike gibt zu, dass sie viel am Handy ist und es natürlich einen Aufwand bedeutet, ihr der enge Kontakt aber viel zurückgibt und sie so dankbar ist, NKM beruflich machen zu können, dass das nur eine logische Konsequenz für sie ist

Wie gehst du mit Hate in den sozialen Netzwerken um?

Mareike: Zum Glück bekommen wir superwenig negative Kommentare, gefühlt so etwa  1 %. Wenn das passiert, versuche ich die Person zu verstehen, begründe aber, warum etwas so ist, wie es ist. Es gibt nichts, was mich persönlich angreifen kann und an NKM kann nur konstruktive Kritik geäußert werden. Wir sind sehr transparent und sagen immer die Wahrheit. Ich stehe hinter den Produkten und kann alle Inhaltsstoffe begründen. Deshalb schlafe ich nachts auch gut.

Auffallend, wie intuitiv Mareike das alles meistert. Andere haben ein ganzes Social Media Team mit mehreren Angestellten, die sich um Storys, Posts, Beantworten von Kommentaren und Nachrichten kümmern. Vorallem so große Firmen arbeiten mit internen Policies, wie mit Kritik umgegangen wird und wie Antworten auszusehen haben um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und bloß keinen Shitstorm zu provozieren. NKM hat keine Social Media Firewall nötig. Fragen werden beantwortet, Kritik gehört und versucht umzusetzen.

Thema Nachhaltigkeit: Wie transportiert ihr als Unternehmen, was ihr für die Umwelt tut?

Mareike: Was mich ärgert, ist das viele Firmen aktuell nach außen gut formulieren, ansonsten aber auf gar nichts achten. Daher bin ich auch gegen Bio-Sigel, denn dafür müssen einfach ein paar Bedingungen erfüllt werden und that’s it. Für Firmen sind Strategien wie, „ein Produkt ein Baum“ natürlich einfach. Das verstehen alle. Ob das dann wirklich toll fürs Klima ist, kann niemand nachvollziehen. Wir sprechen intern viel über diesen Pain Point: Wie schaffen wir’s, dass die Menschen mitbekommen, was wir tun. Das große Ganze besteht aus vielen kleinen Teilen. Jeder Mitarbeitende bei uns hat eine Patenschaft. Die Kinder chillen nachmittags bei uns im Laden, wenn sie wollen. So was kommunizieren wir zum Beispiel gar nicht. Oder Spielzeugspenden, der grüne Stromanbieter, Klimaausgleichszahlung, kurze Transportwege, das Mehrwegsystem das wird gerade etablieren. Solche Dinge versuche ich auf Instagram zu kommunizieren. Sodass die Leute sehen, wie mein Arbeitsalltag ist und womit ich mich beschäftige und merken, dass sie mir vertrauen können, da ich nach diesen Werten handle. 

Wir stellen fest, dass das Thema Nachhaltigkeit sehr komplex ist und Verbraucher daher oft auf Sigel gehen – die die Thematik scheinbar vereinfachen. Leider ist es aber ähnlich wie bei den Bioeiern. Dass die Hühner, die die gelegt haben, glücklich und frei waren, ist eine Annahme aber deshalb noch keine Tatsache.

Welches ist dein absolutes Lieblingsprodukt?

Mareike: Das, was ich gerade entwickle, ist eigentlich immer mein Lieblingsprodukt. Denn da kann ich dann all meine Gedanken reinstecken und dann lange davon profitieren. Später muss ich dann nicht mehr darüber nachdenken, sondern profitiere von den Gedanken, die ich schon mal da reingesteckt hab. Und natürlich meine Gesichtspflege-Routine, denn wenn ich der nicht nachgehe, bekomme ich schlechte Haut. Sie besteht aus: Intensivöl, Mildem Reiniger und Antimikrobiellem Toner.

Gibt es das eine Rezept für schöne Haut – für alle?

Mareike: Man unterscheidet zwischen Hautzuständen und Hauttypen. Was alle gemein haben, ist die Hautalterung und die hängt von zwei Faktoren ab:

  • Nährstoffe: Müssen immer umfassend für den Regenerationsprozess vorhanden sein
  • Feuchtigkeit: Machen viele falsch, dass sie immer feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe (z.B. Glyzerin) wollen, aber was die Haut eigentlich braucht sind feuchtigkeitsbindende Substanzen, denn meistens sind es die die fehlen. Sind diese beiden Needs bedient haben wir also schon mal die Basis für schöne Haut geschaffen. Leidet die Haut unter einem akuten Problem, muss das immer zuerst gelöst werden. Denn in diesem Zustand stoppt sie den Regenerationsprozess und kümmert sich erst mal darum. Das heißt, man sollte die Haut zuerst wieder in einen Normalzustand bringen, damit sie dann den Regenerationsprozess starten kann. On top kommen dann Nährstoffe und Feuchtigkeit.

Wie die Industrie dieses neue (Konsumenten-) Wissen über den Nutzen von Nährstoffen verwendet, ärgert Mareike ein wenig. Noch vor drei Jahren hatte niemand Ahnung von Hautpflege, sagt sie mir. Jetzt sind wir umgeben von Skincare-Experten, die erklären, welche Nährstoffe die Haut braucht. Das hat zur Folge, dass alle auf Nährstoffe achten und nun 10-%-Niacinamid-Booster am Markt sind, obwohl alle Studien mit 3 – 5 % Einsatzkonzentration gemacht wurden. Viel hilft viel – das denken auch die Konsumenten. Aber so eine hohe Konzentration kann zu einer Überreaktion führen. Auch das ist ein Grund, warum Mareike so viel auf Instagram erklär. Weil es sie ärgert, wenn Leute auf Werbeversprechen, wie, alte Hautschüppchen sind bäh und müssen weg, reinfallen. Denn dabei handelt es sich um eine wichtige Schutzschicht die vor Feuchtigkeitsverlust schützt. Jeden Tag Peeling ist also eher kontraproduktiv.

Wenn ich gerade auf den Geldbeutel achten muss, was ist die Basis-Ausstattung für schöne Haut, die jeder braucht?

Mareike: Wenn man sich keine Nachhaltigkeit leisten kann (was völlig ok ist) kann man Produkte verwenden, in denen die wichtigen Nährstoffe enthalten sind. Im ersten Schritt würde ich aber gar keine Kaufempfehlung geben. Wende dich an unseren Kundenservice und lass dich umfassend beraten. Du erklärst den Mitarbeitenden, wie deine Haut aussieht, was du benutzt und wie du mit ihr umgehst. Vieles kann bereits im Umgang reguliert werden. Aufklärung ist das A und O – nicht umsonst sind wir 17 Leute, die euch beraten. Eine Ölreinigung wäre der erste Step. Das kling erst mal komisch, ist aber die sanfteste Variante. Die Haut ist ein Organ und kann sich im Prinzip selbst reinigen. In teure Reiniger würde ich also nicht investieren. Als Rinse-off-Produkt (dt. Abspülen) sind die Inhaltsstoffe fast egal. Im zweiten Schritt sollten man für Feuchtigkeit sorgen und dann das Geld, das man hat, in ein gutes Antimikrobielles-Produkt investieren. Die meisten Hautprobleme entstehen aufgrund von Bakterien, da ist etwas antimikrobielles sehr wichtig.

Die ganze Geschichte von Mareikes Gründerweg zu ihrem Unternehmen lest Ihr in...
Die ganze Geschichte von Mareikes Gründerweg zu ihrem Unternehmen lest Ihr in unserem Beauty-Artikel. Wir sind ganz begeistert von ihrer Naturkosmetik-Brand – lasst euch mitreißen und überzeugt euch selbst! © Conny Mirbach

Was ist dein allerbester Beauty Hack ever?

Mareike: Frag dich – was hab ich für Ziele mit meiner Haut zu welcher Tageszeit? Ich zum Beispiel möchte tagsüber gut und gesund aussehen und abends zu Hause mein Hautbild verfeinern. Das heißt, wenn ich unterwegs bin, gebe ich auf alle sichtbaren Hautareale – Gesicht, Hals, Dekolleté – die Rosen-Mandel-Creme, die die Haut pflegt und hydriert. Zu Hause bin ich dann mikrobiell unterwegs. Einen zweiten Hack will ich aber auch noch mit euch teilen. Die Pflaumenkernbutter kommt bei mir als Brauengel zum Einsatz. Da sie den natürlichen Lipiden der Haut sehr ähnlich ist, wird sie absorbiert. Die Härchen sind dann in Form, der speckige Glanz verschwindet allerdings und gepflegt hast du sie gleichzeitig auch direkt.

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