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Stonewall-Aufstand in der Christopher Street

In den 1960er Jahren kam es in den USA – und auf der ganzen Welt – immer wieder zu Polizeiwillkür und Ausschreitungen gegen Homosexuelle und sexuelle Minderheiten wie Trans*gender. Razzien in Bars und Lokalen der queeren Szene führten häufig zu Gewalt seitens der Polizei und endeten für die Gäste in Festnahmen und Anklagen. Außerdem kam es zu Zwangsoutings, da die Behörden teilweise Fotos der Angeklagten in Zeitungen veröffentlichten.

Die Stimmung zwischen Polizei und den Homosexuellen heizte sich deshalb mit der Zeit immer mehr auf. In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1969 eskalierte die Situation bei einer Razzia in der New Yorker Bar "Stonewall Inn", die sich in der Christopher Street befand.

Die Besucher:innen der Schwulenbar wurden beleidigt und aufgrund ihrer Sexualität durch die Polizei diskriminiert. Der Unterschied zu bisherigen Razzien: Die Beamten gaben den Betreiber:innen des Lokals keinen Hinweis auf ihr Kommen und führten die Durchsuchung erst morgens ungefähr um 01:30 Uhr durch.

Was danach geschah, ist nicht zur Gänze bekannt. Die am meisten verbreitete Version über den weiteren Verlauf des Abends ist aber die Folgende: Die lesbische New Yorkerin Stormé DeLarverie wehrte sich vehement gegen ihre Festnahme durch die acht anwesenden Polizisten. Dadurch fühlten sich die anderen Anwesenden bestärkt, sich ebenfalls zu widersetzen.

Eine anschließende Schlägerei führte dazu, dass sich die Beamten im "Stonewall Inn" verbarrikadierten und Verstärkung riefen. Mittlerweile hatten jedoch viele Anwohner:innen und Sympathisant:innen der Gäste die Eskalation in der Bar mitbekommen. Gegen nunmehr 400 Polizisten stellten sich rund 2.000 Personen, die vehementen Widerstand leisteten.

Erst durch den Einsatz der Tactical Patrol Force, einer Spezialeinheit der US-amerikanischen Polizei, entspannte sich in den Mittagsstunden die Lage. In der darauffolgenden Nacht kam es zu weiteren Ausschreitungen, jedoch nicht mehr in dem Maß wie am 28. Juni.

Das ist der Christopher Street Day heute

Nach dem Stonewall-Aufstand in der Christopher Street wurde deutlich: Die queere Gemeinschaft lässt sich die andauernden Diskriminierungen nicht mehr länger gefallen. Es entstanden in dieser Zeit viele homosexuelle Befreiungsgruppierungen, die aber zunächst sowohl Trans*menschen als auch Afroamerikaner:innen ausschlossen.

Das erste Gedenken an den Christopher Street Day fand tatsächlich bereits 1970 in New York statt. Damals zogen die Teilnehmer:innen in einer Parade durch den Stadtteil Greenwich Village in den Central Park.

In Europa wurde damals zwar über die Demonstration berichtet, trotzdem gab es erst 1977 in Stockholm eine an den Christopher Street Day angelehnte Parade mit rund 400 Schwulen und Lesben – jedoch nicht im Juni, sondern im September.

Deutschland ließ sich zwei weitere Jahre Zeit: Am 30. Juni 1979 fanden unterschiedliche CSD-Veranstaltungen in Köln, Bremen und Berlin statt. Heute gibt es die Pride-Paraden, wie die teils fröhlichen, teils sehr ernsthaften Veranstaltungen häufig genannt werden, in fast allen deutschen Städten – übrigens nicht mehr ausschließlich am 28. Juni. Europaweit feiern Anhänger:innen der queeren Community jährlich die "Euro Pride".

Ziel des CSD ist es damals wie heute, die Gesellschaft einerseits aufzuklären, andererseits aber schlicht und ergreifend stolz die eigene Diversität und Sexualität zu feiern.