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Elen hat keine Angst davor, sich die Hände schmutzig zu machen. Wenn man sich entschieden hat, so zu leben wie sie, gehört das dazu: der Dreck unter den Fingernägeln, der Geruch von Weite, die Gewissheit, dass da kein Netz ist, kein doppelter Boden – und dass es genauso sein muss. Elen hat sich bewusst dafür entschieden, hat sich alles selbst aufgebaut. Ihr Zuhause ist ein kleiner Bauernhof, eine Stunde vor den Toren der Hauptstadt. Hier lebt sie mit ihrem Mann, kümmert sich um das Haus und die Tiere, macht sich Gedanken über die Sackgassen im Leben und woher man die Kraft nimmt, wieder herauszufinden, die Ärmel hochzukrempeln, neu anzufangen. So, wie es die Lieder von Elen tun. Manchmal gehen sie nieder wie ein Sommergewitter, packen einen wie ein Sturm, der den Kopf auf einen Schlag frei macht. Und am Ende bricht wieder ein Sonnenstrahl durch die Wolken.

Ihren Urschrei tat Elen auf den Tag genau einen Monat, bevor die Mauer fiel. Groß geworden ist sie in Berlin. Sie hat gesungen, solange sie denken kann, hat Keyboard gespielt und sich am Schlagzeug verausgabt. Mit 14 gab sie ihr gesamtes Taschengeld für Oasis-Platten aus, ihre „Initialzündung“, wie sie sagt. Kurz danach fiel ihr ein Gitarren-Lehrbuch in die Hände, und sie besorgte sich eine Klampfe. Mit 18 stellte sie sich auf die Straßen Berlins, spielte Songs von Neil Young, Tracy Chapman, Coldplay und ab und zu auch einen ihrer eigenen. Von diesem Weg ist sie nie mehr abgerückt. Elen hat sich gegen die Konventionen entschieden und für ihren Traum: die Musik.

Einmal blieb Marius Müller-Westernhagen vor ihrem Gitarrenkoffer stehen. Hörte zu, war hin und weg von dieser Frau und kaufte sich direkt Elens erstes Album, das sie komplett in Eigenregie veröffentlicht hatte. Elen erkannte Westernhagen gar nicht – und war überrascht, als er sie ein paar Tage später bat, mit ihm in der Mercedes-Benz Arena in Berlin zu spielen, vor Zehntausenden von Menschen. Und danach bei MTV Unplugged, für Hunderttausende Zuschauer.

Dabei will Elen in ihrer Musik gar nicht auf die höchsten Gipfel. Haltung ist ihr viel wichtiger: ein Gegenentwurf zum ständigen schneller, lauter, weiter. „Es sind nicht die großen Dinge“, sagt sie über die Themen ihrer Songs, „nur kleine Geschichten darüber, wie ich die Welt sehe. Was ich besonders schön finde – oder auch nicht.“ Diese Geschichten sind aus dem Alltag gegriffen, handfeste Beobachtungen, die tief blicken lassen in unsere Zeit und unsere Welt. Davon erzählt Elen mit dieser unglaublichen Stimme, voll Kraft und Lebensweisheit, mit dem Geschmack von Tabak auf der Zunge und einem Kratzen im Hals, das man nur von den ganz Großen kennt. Von Alanis Morissette, Sheryl Crow, Janis Joplin. Auf dem für Frühjahr 2020 geplantem Album ausschließlich in deutscher Sprache. „Es geht darum, die richtigen Worte zu finden“, sagt Elen. Die findet sie in ihrer Muttersprache, denn „es fühlt sich viel näher an und man zeigt mehr von sich“, so Elen.

Elen steht für „Wahrhaftigkeit“. Eine Eigenschaft, eine Haltung, ein Lebensprinzip. Was uns immer mehr abhanden gekommen zu sein scheint, wonach wir uns aber zunehmend zurücksehnen. Sie trägt diese Wahrhaftigkeit in sich. Als Person und als Künstlerin in ihren Songs. Es geht um die Sehnsucht, sich zu spüren, sich selbst zuzulassen. In aller Echtheit. Sich im Überfluss dieser Zeit zu sortieren. Eine Mitte zu finden. Die eigene Mitte zu finden. Und sie zu leben. Verantwortung zu übernehmen und zu tragen. Und irgendwie trifft sie damit gerade total den Nerv der Zeit.

Ihr Album "Blind über Rot" wird am 22.05.2020 erscheinen.

Das offizielle Video