- Bildquelle: Warner Music © Warner Music

Es gibt Stimmen, die hört man einmal und weiß: Die hätte das Zeug, jemanden zum Star zu machen. Dag Holtan-Hartwig hat so eine Stimme. Klar, stark, mit einem Timbre, das perfekt zu Themen wie Melancholie und Herzschmerz passt. Der norwegische Produzent, Sänger und Songwriter brachte für den Start seiner Solokarriere unter dem Namen Slopes aber noch ein wenig mehr an den Tisch. Oder besser: ins Studio. Dag ist nämlich Teil des Produzentenduos Skinny Days, das schon lange in der „Multiplatin“-Liga spielt. Mit seinem Partner Halvor Folstad schrieb und produzierte er u. a. Hits für Acts wie Ava Max, Alan Walker, SEEB und Julie Bergan. Viele dieser Hits sind sehr positiv und tanzbar geraten – was so ziemlich das exakte Gegenteil vom Slopes-Sound ist. Seinem Label Warner erklärte Dag dazu mal: „Slopes ermöglicht es mir, der dunkleren Seite Raum zu geben, die für mich immer da ist. Ich würde mich irgendwo zwischen einem Pessimisten und einem Realisten verorten, doch in der Melancholie, wo Nostalgie auf einen Glauben an die Zukunft trifft, fühle ich mich am wohlsten.“

Das ist auch die Grundstimmung seiner Debütsingle „Prove Them Wrong“. Sie handelt, so Dag: „von einem Paar in einer Kleinstadt, die von allen gesagt bekommen, sie passten nicht zueinander. Niemand glaubt an die Beziehung, doch sie sind fest entschlossen, allen das Gegenteil zu beweisen. Daraus wird nichts, und trotzdem machen sie schließlich ihren Frieden mit der Situation. Diesen Hoffnungsfunken nimmt man aus dem Song mit: Es war ein wilder Ritt, es war intensiv, aber jetzt ist alles gut.“

„Prove Them Wrong“ ist nicht nur ein Hit, sondern auch ein fast perfekter Popsong. Die ruhige, intim gesungene Strophe führt sanft an die Thematik heran, bis sich dann im Refrain der Trotz durchkämpft: „When we were gonna prove them all wrong / You and I / We were gonna prove them all wrong.“ Auch Dag Holtan-Hartwigs Stimme kriegt an dieser Stelle plötzlich einen Biss und eine Kampfeslust, die erahnen lässt, was Slopes damit noch alles ausloten kann. Selbst wenn „Prove Them Wrong“ noch eine gefühlvolle Ballade mit Wumms ist, hätte er auch die Stimme für einen richtigen Rock-Stomper.

Sein Handwerk lernte Dag Holtan-Hartwig übrigens bei den Besten: Er schrieb sich als junger Mann beim renommierten Liverpool Institute of Performing Arts ein, das Paul McCartney Mitte der Neunziger mit Mark Featherstone-Witty gründete. McCartney bekräftige ihn bei einem Vorspielen, unbedingt mit dem Song schreiben und Singen weiterzumachen. „Zwei Daumen hoch“, habe er Dag gegeben, wie er seinem Label erzählte. Und er hatte noch einen guten Tipp parat: „Paul wollte, dass mein Song einen eindeutigeren Schluss bekommt“, erinnert sich Dag. „Damit das Publikum weiß, wann Schluss ist. Schließlich sollen die Leute dann klatschen.“ Darin hält Dag sich bis heute – wie auch das Ende von „Prove Them Wrong“ beweist. Und wer nach diesem Song nicht klatscht, der spürt auch sonst nix mehr …

Das offizielle Video